
Eine der am meisten übersehenen Erkenntnisse in der Geschichte vom verlorenen Sohn ist, dass dem Sohn der Mangel erst bewusst wurde, als er das Haus seines Vaters verließ. Solange er im Haus seines Vaters lebte, war Versorgung selbstverständlich. Frieden war selbstverständlich. Identität war selbstverständlich. Zugehörigkeit war selbstverständlich. Doch in dem Moment, als er sich aus der Gegenwart seines Vaters entfernte und begann, auf eigene Faust zu leben, wurde Mangel plötzlich zu seiner Realität. (Lukas 15,11–17)
Das ist ein so eindringliches Bild dafür, was passiert, wenn Menschen in ihrem Denken den Anschluss an das vollendete Werk Jesu Christi verlieren. Je weiter sich Menschen in Selbständigkeit, Leistungsdruck, Streben, Angst und weltlicher Anerkennung verlieren, desto bewusster werden sie sich ihrer Leere, Unzulänglichkeit, Angst und ihres Mangels. Unabhängigkeit vom Vater führt letztendlich immer zur Erschöpfung.
Beachte etwas Wichtiges in der Geschichte. Der Vater hörte nie auf, der Vater zu sein. Der Sohn verließ das Haus, aber das Herz des Vaters ihm gegenüber änderte sich nie. Selbst als der Sohn sein Erbe verschleuderte und rücksichtslos lebte, sehnte sich der Vater immer noch nach seiner Rückkehr. Das widerlegt völlig die Vorstellung, dass Gott seine Kinder in dem Moment im Stich lässt, in dem sie versagen. (Lukas 15,20)
Der verlorene Sohn dachte, Freiheit würde er außerhalb des Vaterhauses finden. Er glaubte, Unabhängigkeit würde ihn mehr befriedigen als Nähe. Doch statt Freiheit fand er Hunger. Statt Erfüllung fand er Leere. Statt Überfluss fand er sich dabei wieder, Schweine zu füttern und sich danach zu sehnen, das zu essen, was sie aßen.
Genau das bewirken Sünde und Selbstvertrauen. Sie versprechen Erfüllung, während sie Leere hervorbringen. Die Welt erzählt den Menschen ständig, dass Zufriedenheit in Geld, Status, Vergnügen, Beziehungen, Erfolg, Image oder Selbstfindung zu finden sei. Doch nichts außerhalb des Vaters kann das befriedigen, wofür die Menschheit geschaffen wurde. Das wahre Leben findet man in der Gemeinschaft mit Gott durch Jesus Christus. (Johannes 10,10)
Eine der tiefsten Erkenntnisse in dieser Geschichte ist, dass der Sohn sich des Mangels bewusst wurde, nachdem er das Haus des Vaters verlassen hatte, aber im Haus des Vaters selbst fehlte es nie an etwas. Der Vorrat verschwand nie. Die Versorgung verschwand nie. Die Liebe verschwand nie. Der Sohn trennte sich von dem Ort, an dem alles, was er wirklich brauchte, bereits vorhanden war.
Deshalb ist das Bewusstsein der Gerechtigkeit so wichtig. Wenn Menschen ihre Identität in Christus aus den Augen verlieren, beginnen sie, sich all dessen bewusst zu werden, was ihnen ihrer Meinung nach fehlt. Sie fühlen sich ungeliebt, unsicher, ängstlich, abgelehnt, vergessen und leer. Doch durch Jesus Christus sind die Kinder Gottes bereits mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen Regionen gesegnet worden. (Epheser 1,3)
Der Feind versucht ständig, Gläubige davon zu überzeugen, dass Erfüllung irgendwo außerhalb der innigen Beziehung zu Jesus zu finden ist. Er flüstert ihnen zu, dass Frieden in Leistung liegt, dass Wert in Beliebtheit liegt und dass Freude in vergänglichem Vergnügen liegt. Doch wie der verlorene Sohn entdecken die Menschen schließlich, dass die Welt nicht das befriedigen kann, was nur der Vater geben kann.
Das Schöne an der Geschichte ist, dass der Sohn sich nicht erst auf Vordermann gebracht hat, bevor er nach Hause zurückkehrte. Er kam gebrochen, beschämt und mit leeren Händen zurück. Doch der Vater lief ihm entgegen, noch bevor der Sohn seine Entschuldigungsrede zu Ende sprechen konnte. Das ist Gnade. Der Vater nahm ihn wieder auf, noch bevor er sich diese Wiederaufnahme verdienen konnte. (Lukas 15,21–24)
Viele Gläubige leben immer noch wie Tagelöhner statt wie Söhne und Töchter. Sie glauben, sie müssten sich die Nähe zu Gott durch Leistung, Disziplin oder geistliche Beständigkeit verdienen. Doch der Vater hat den verlorenen Sohn niemals wegen seiner Leistung wieder aufgenommen. Er hat ihn wieder aufgenommen, weil die Beziehung immer das Ziel war.
Diese Wahrheit kann den Alltag sofort verändern. In dem Moment, in dem du dir Jesus Christus bewusster wirst, kehrt der Friede zurück. Wenn dein Geist wieder in der Liebe des Vaters ruht, verliert das Streben seinen Einfluss. Wenn du dich durch das vollendete Werk Jesu an deine Identität erinnerst, hören Angst und Mangel auf, deine innere Welt zu bestimmen.
Das größte Problem des verlorenen Sohnes war nie nur sein schlechtes Verhalten. Sein größtes Problem war der Glaube, dass das Leben außerhalb des Vaterhauses ihn mehr befriedigen würde als der Vater selbst. Und viele Menschen suchen heute noch überall anders dort nach dem, was ihnen durch Jesus Christus bereits frei geschenkt wurde.
Die gute Nachricht des Evangeliums ist, dass durch Jesus das Haus des Vaters für immer offen steht. Du musst dir den Weg zurück in die Liebe, den Frieden, die Gerechtigkeit oder die Zugehörigkeit nicht erst verdienen. Durch das vollendete Werk Jesu Christi haben die Kinder Gottes bereits für immer vollen Zugang zum Vater.
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