
Das achte Gebot ist einfach, aber es geht tiefer, als nur etwas aus dem Zelt eines anderen zu nehmen.
„Du sollst nicht stehlen.“
Als Gott Israel dieses Gebot gab,
formte er ein Volk, das
gerade aus der Unterdrückung gekommen war.
In Ägypten wussten sie, wie
es sich anfühlte, beraubt zu werden.
Ihre Arbeitskraft war ihnen genommen worden.
Ihre Freiheit war ihnen genommen worden.
Ihre Würde war
als etwas behandelt worden, das dem Pharao gehören konnte.
Doch am Sinai lehrte Gott sie
eine andere Art zu leben.
Sein Volk sollte nicht wie Ägypten werden.
Sie sollten nicht nehmen, was einem anderen gehörte.
Sie sollten ihr Leben nicht auf
Ausbeutung, Unehrlichkeit oder Gier aufbauen.
Sie sollten auf den Gott vertrauen, der für sie sorgt.
Stehlen ist nicht nur eine Sünde gegen das Eigentum.
Es ist eine Sünde gegen das Vertrauen.
Es bedeutet: „Was Gott mir gegeben hat, reicht nicht aus,
also nehme ich mir, was er jemand anderem gegeben hat.“
Deshalb hat Diebstahl oft seine Wurzeln im Unglauben.
Wir stehlen, wenn wir nicht auf Gottes Versorgung vertrauen.
Wir stehlen, wenn das Verlangen
stärker wird als die Zufriedenheit.
Wir stehlen, wenn wir glauben, wir hätten Anspruch auf
etwas, das uns nie anvertraut wurde.
Und dieses Gebot gilt auch heute noch.
Wir schleichen uns vielleicht nicht mehr in das Zelt eines anderen,
um Getreide zu stehlen, aber Diebstahl kann viele Formen annehmen.
Sich mit der Arbeit eines anderen schmücken.
Verschwenden, was einem anderen gehört.
Unehrlich im Geschäftsleben sein.
Zurückhalten, was gerecht ist.
Menschen für den eigenen Vorteil ausnutzen.
Zeit, Vertrauen, Ideen oder
Aufmerksamkeit ohne Integrität an sich reißen.
Der Kern dieses Gebots
ist nicht nur „nimm nicht“.
Es ist auch „lerne, mit offenen Händen zu leben“.
Paulus schrieb später:
„Der Dieb soll nicht mehr stehlen,
sondern lieber arbeiten … damit
er etwas hat, das er
mit jedem teilen kann, der in Not ist.“
(Epheser 4,28)
Gnade hält die Hand nicht nur davon ab, zu stehlen.
Gnade verwandelt die Hand in eine, die gibt.
Das ist die Schönheit des Evangeliums.
In Christus sehen wir das Gegenteil von Diebstahl.
Jesus hat nicht nach dem gegriffen, was ihm gehörte, um sich selbst zu bereichern.
Er hat sich selbst frei hingegeben.
Er wurde arm, damit wir
reich an Gnade werden.
Er stellt wieder her, was die Sünde zerbrochen hat,
und lehrt uns, in Ehrlichkeit,
Zufriedenheit und Großzügigkeit zu leben.
Also frag dich heute ehrlich:
Nehme ich mir, was mir nicht gehört?
Lebe ich integer?
Vertraue ich Gott genug, um ehrlich zu sein?
Werde ich zu jemandem, der
gibt, anstatt zu nehmen?
Denn das Gebot
ruft uns nicht nur dazu auf, nicht zu stehlen.
Es ruft uns zur Wiederherstellung.
Zur Ehrlichkeit.
Zur Zufriedenheit.
Zur Großzügigkeit.
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