
Das zehnte Gebot unterscheidet sich von den anderen, weil es fast ausschließlich im Herzen spielt.
„Du sollst nicht begehren.“
Gott gebietet
seinem Volk nicht nur, äußere Sünden zu vermeiden.
Er spricht auch die verborgenen Sehnsüchte an.
Er rückt den Ort ins Blickfeld, den sonst niemand
sehen kann: den stillen Vergleich,
den heimlichen Neid, die unruhige
Sehnsucht nach dem, was einem anderen gehört.
Israel brauchte dieses Gebot in der Wüste.
Sie lebten in Zelten.
Sie hatten noch keine festen Behausungen.
Sie lernten, sich
auf das tägliche Brot vom Himmel zu verlassen.
Jeden Morgen erschien Manna
auf dem Boden, kein angesammelter Reichtum,
keine überquellenden Scheunen,
kein Luxus, aber genug.
Genug für heute.
Und das war die Prüfung.
Würden sie auf Gottes Versorgung vertrauen,
oder würden sie auf ein anderes Zelt blicken
und glauben, Gott sei
zu jemand anderem gütiger gewesen?
Begierde beginnt, wenn Dankbarkeit verschwindet.
Es geht nicht einfach darum, zu bemerken,
was jemand anderes hat.
Es geht darum, den Segen eines anderen
zum Maßstab für unsere Zufriedenheit werden zu lassen.
Es flüstert: „Gott hat ihnen mehr gegeben.
Gott hat mich vergessen. Ich wäre glücklicher,
wenn ich hätte, was sie haben.“
Aber Neid raubt nicht nur die Freude.
Er stellt die Güte Gottes in Frage.
Er trainiert das Herz, das Leben
durch Mangel statt durch Gnade zu sehen.
Er macht die Seele unruhig, selbst
wenn die Hände voll sind.
Deshalb ist dieses Gebot so liebevoll.
Gott sagt nicht bloß:
„Hör auf, Dinge zu begehren.“
Er beschützt sein Volk
vor einem Herzen, das keine Ruhe finden kann.
Jesus warnte: „Seid auf der Hut
und hütet euch vor jeder Art von Habgier,
denn das Leben eines Menschen besteht nicht aus
dem Überfluss seines Besitzes.“ (Lukas 12,15)
Das Leben wird nicht daran gemessen, was wir besitzen.
Frieden findet man nicht darin, mehr zu haben als andere.
Zufriedenheit ist nicht das Ergebnis
perfekter Umstände.
Zufriedenheit wächst, wenn wir
lernen, auf die Hand des Vaters zu vertrauen.
Das Evangelium gibt uns den
tiefsten Grund, zufrieden zu sein.
In Christus hat Gott sich
uns nicht vorenthalten.
Wenn wir Jesus haben, haben wir mehr, als
wir verdienen, und mehr, als
diese Welt uns sichern kann.
Er ist unser Schatz, unser Anteil,
unser tägliches Brot und unser ewiges Erbe.
Das bedeutet nicht, dass wir uns nie etwas wünschen,
träumen oder um Versorgung beten.
Es bedeutet, dass unsere Wünsche uns nicht mehr beherrschen.
Wir können uns freuen, wenn andere gesegnet sind.
Wir können dankbar sein für das, was wir haben.
Wir können Gott vertrauen, was uns fehlt.
Wir können sagen, selbst in der Wüste:
„Der Herr ist genug.“
Also frag dich heute ehrlich:
Wessen Segen habe
ich mit meinem verglichen?
Was hat der Neid meiner Freude geraubt?
Wo lädt Gott mich ein,
wieder Dankbarkeit zu üben?
Denn das Gegenteil von Begierde
ist nicht, so zu tun, als bräuchten wir nichts.
Das Gegenteil von Begierde ist das Vertrauen darauf,
dass Gott weiß, was wir brauchen.
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