
Die Sünde hat jeden Teil des Gottesbildes im Menschen beschädigt, aber sie hat es nicht vollständig auslöschen können.
Wir erleben täglich sowohl atemberaubende Schönheit als auch tiefe Zerbrochenheit im Leben derer, denen wir geistlichen Dienst leisten und denen wir dienen. Um diese Realität zu verstehen, ohne in Zynismus oder naiven Optimismus zu verfallen, weist uns die Heilige Schrift auf die grundlegende Wahrheit der theologischen Anthropologie hin: Die Menschheit wurde geschaffen, um den göttlichen Schöpfer widerzuspiegeln, und selbst in unserer tiefsten Zerbrochenheit bleibt dieses heilige Spiegelbild bestehen.
In der Genesis erschafft Gott die Menschheit nach seinem eigenen Bild und Gleichnis und setzt uns als königliche Vertreter in die Schöpfung ein, um seine liebevolle Herrschaft widerzuspiegeln und seine gute Erde zu pflegen. Als die Rebellion in die Welt Einzug hielt, haben die tragischen Folgen die menschliche Natur neu geprägt. In der Theologie ist oft von „totaler Verdorbenheit“ die Rede – ein Begriff, der leicht missverstanden wird. Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch so böse ist, wie er nur sein könnte.
Vielmehr bedeutet es, dass die Sünde jede einzelne Fähigkeit unseres menschlichen Daseins beeinträchtigt hat: Sie hat unseren Verstand verdreht, unsere Begierden verdorben, unsere Gefühle verdunkelt und unseren Willen aus der Bahn geworfen. Kein Teil unseres Wesens blieb vom Sündenfall unberührt.
Doch Verderbnis ist nicht dasselbe wie völlige Auslöschung. In Genesis 9, lange nach dem Sündenfall der Menschheit, verbietet Gott ausdrücklich den Mord, und zwar allein aus dem Grund, dass Menschen immer noch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind.
Jahrhunderte später gibt Jakobus eine eindringliche praktische Warnung davor, unsere Zunge zu benutzen, um Menschen zu verfluchen, und erinnert uns daran, dass sie selbst in ihrem gefallenen Zustand nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind. Das göttliche Ebenbild mag durch die Sünde zerbrochen, verzerrt und entstellt sein, doch sein innerer Wert bleibt unversehrt. Die Menschheit ist kein totales Wrack ohne Würde, sondern eine heilige Ruine, die auf die vollständige Wiederherstellung in Gottes kosmischem Erlösungsplan wartet.
Diese entscheidende Unterscheidung bildet die absolute Grundlage dafür, wie wir jeden einzelnen Menschen behandeln, dem wir begegnen. Menschenwürde, Menschenrechte und der bedingungslose Wert jeder Seele sind keine sozialen Konstrukte, die von der modernen Kultur erfunden wurden.
Sie sind verwurzelt in der uralten Bundesgeschichte eines Gottes, der Sein eigenes Ebenbild in den Staub eingeprägt hat. Wenn wir erkennen, dass selbst der am meisten zerbrochene Mensch immer noch das heilige Zeichen seines Schöpfers trägt, verlagert sich unser Dienst von Verurteilung hin zu mitfühlender Ehrung.
Wir dienen, lieben und sprechen Segen aus, weil wir das bleibende Ebenbild Gottes sehen, im Vertrauen darauf, dass Gott durch Christus, das wahre und vollkommene Ebenbild, aktiv daran arbeitet, die Menschheit zu ihrer vorgesehenen Herrlichkeit in der neuen Schöpfung zu erneuern.
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