
Hast du dir schon mal genug Zeit genommen, um wirklich über 1. Petrus 1,18–19 nachzudenken? Oft lesen wir diese Verse nur flüchtig, weil sie uns so vertraut sind. Aber was wäre, wenn wir innehalten und jeden einzelnen Teil genauer betrachten würden? Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr wurde mir klar, dass Petrus seine Botschaft mit großer Sorgfalt aufbaute.
Petrus begann nicht damit, Emotionen zu wecken. Er begann mit der Wahrheit. Er schrieb: „Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen wie Silber oder Gold freigekauft worden seid …“ Bevor er die Gläubigen dazu aufrief, anders zu leben, erinnerte er sie an das, was sie bereits wussten. Ist das nicht interessant? Unser Glaube wird stärker, wenn er auf Wahrheit beruht und nicht nur auf Gefühlen.
Das Erste, was Petrus den Gläubigen verständlich machen wollte, war der Gedanke, erlöst oder freigekauft zu sein. In der Antike war ein Lösegeld ein Preis, der gezahlt wurde, um jemanden zu befreien. Ein Sklave konnte aus der Sklaverei freigekauft werden. Ein Gefangener konnte seine Freiheit wiedererlangen, wenn die erforderliche Zahlung geleistet wurde. Im Alten Testament benutzte Gott diese Sprache ebenfalls, als er Israel aus Ägypten rettete. In 2. Mose 6,6 heißt es: „Darum sag den Israeliten: ‚ Ich bin der Herr, und ich werde euch aus dem Joch der Ägypter herausführen. Ich werde euch aus der Knechtschaft befreien und euch mit ausgestrecktem Arm und durch mächtige Gerichte erlösen.“
Petrus wendet nun dasselbe Bild auf die Erlösung an. Hast du jemals darüber nachgedacht? Wir haben uns nicht selbst gerettet. Wir haben nicht unseren eigenen Weg zurück zu Gott gefunden. Jemand anderes hat den Preis bezahlt, damit wir frei sein können.
Als Nächstes erklärt Petrus, wovon die Gläubigen befreit wurden. Er spricht von „der leeren Lebensweise, die euch von euren Vorfahren überliefert wurde“. Über diesen Satz lohnt es sich, nachzudenken. Das Wort „leer“ weist auf ein Leben ohne bleibenden Sinn oder Richtung hin. Petrus sprach nicht nur von einzelnen Sünden. Er beschrieb eine ganze Lebensweise, die die Menschen niemals näher zu Gott bringen konnte.
Für gläubige Heiden gehörte zu dieser leeren Lebensweise oft Götzenverehrung und falscher Gottesdienst. Für gläubige Juden konnte es bedeuten, auf Traditionen zu vertrauen statt auf Christus. Unterschiedliche Hintergründe, aber derselbe Bedarf. Erinnert uns das nicht daran, dass jede Generation das Evangelium braucht? Das Problem reicht tiefer als unsere Taten. Es betrifft unsere Herzen und die Art und Weise, wie wir von Natur aus getrennt von Gott leben.
Petrus sagt uns dann, womit der Preis für unsere Erlösung niemals bezahlt werden könnte. Er sagt, es sei „nicht mit vergänglichen Dingen wie Silber oder Gold“ geschehen. Denk mal einen Moment darüber nach. Silber und Gold gehörten zu den größten Schätzen, die man sich vorstellen konnte. Doch Petrus nennt sie vergänglich. Warum? Weil selbst die reichsten Schätze dieser Welt keine Vergebung kaufen, keine Schuld tilgen oder unsere Beziehung zu Gott wiederherstellen können. Geld kann viele vorübergehende Probleme lösen, aber es kann niemals eine Seele retten.
Dann kommt der wunderschöne Kontrast. Petrus schreibt: „sondern mit dem kostbaren Blut Christi, eines Lammes ohne Makel und ohne Fehler.“ Das Wort „kostbar“ sagt uns, dass das Opfer Christi nicht an irdischen Werten gemessen werden kann. Sein Blut war kostbar, weil er bereitwillig sein eigenes Leben für uns hingab. Petrus macht eines ganz deutlich: Unsere Freiheit ist für immer mit dem Kreuz verbunden. Ohne den Tod Christi gibt es keine Erlösung.
Schließlich beschreibt Petrus Jesus als „ein Lamm ohne Makel und Fehler“. Diese Worte verweisen auf die Opfer im Alten Testament. In 2. Mose 12,5 heißt es: „Die Tiere, die ihr auswählt, müssen einjährige Männchen ohne Fehler sein“, womit das Passahlamm gemeint ist. Auch 3. Mose 1,3 verlangte ein Opfer „ohne Fehler“. Diese Opfer standen für Reinheit und Annahme vor Gott.
Wenn Petrus Jesus das makellose Lamm nennt, erklärt er damit, dass allein Christus völlig sündlos war und voll und ganz in der Lage war, an die Stelle der Sünder zu treten. Niemand sonst konnte tun, was Er tat. Nur der vollkommene Sohn Gottes konnte zum vollkommenen Opfer werden.
Wenn ich all diese Teile zusammenfüge, wird die Botschaft des Petrus auf wunderschöne Weise klar. Zunächst erinnert er die Gläubigen daran, dass sie erlöst wurden. Dann erklärt er, wovon sie befreit wurden. Danach sagt er uns, was diesen Preis niemals hätte bezahlen können. Schließlich verweist er auf die einzige Zahlung, die dazu fähig war: das kostbare Blut des makellosen Lammes.
Je mehr ich über diese Verse nachdenke, desto persönlicher werden sie für mich. Ist dir schon mal aufgefallen, wie leicht es ist zu sagen: „Jesus hat mich gerettet“, ohne darüber nachzudenken, was das wirklich gekostet hat? Petrus würde nicht zulassen, dass wir die Erlösung auf die leichte Schulter nehmen. Er erinnert uns daran, dass unsere Erlösung von Gott geplant, durch Christus vollbracht und zu einem unermesslichen Preis erkauft wurde. Unsere Freiheit war niemals billig, und sie war ganz sicher nichts, was wir uns verdient haben.
Deshalb hinterlässt das Studium dieser Verse keine Verwirrung bei uns. Es gibt uns Zuversicht. Es bringt uns zurück zum Kern des Evangeliums.
Petrus erinnert uns daran, dass die Erlösung einen Preis erforderte. Dieser Preis war niemals Geld. Es waren niemals gute Werke. Es war niemals menschliches Bemühen. Es war das vollkommene Leben Jesu Christi, des makellosen Lammes Gottes.
Und weil dieses Lösegeld mit etwas Ewigen und Unbezahlbarem bezahlt wurde, können wir in der Verheißung ruhen, dass die Freiheit, die Christus für uns errungen hat, ebenfalls ewig ist.
This entry was posted in Austausch zum Bibellesen, Fragen, Fundstücke and tagged 1. Petrus 1 by Jule with no comments yet
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.