
Einer der kraftvollsten Verse zum Thema Identität im gesamten Neuen Testament ist 1. Johannes 4,17. Dort heißt es: „Daran ist die Liebe bei uns vollendet, damit wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.“ Dieser Vers ist für viele Menschen fast zu schön, um wahr zu sein, denn er widerlegt völlig die Vorstellung, dass die Kinder Gottes in Angst, Unsicherheit und Ungewissheit vor Gott leben müssten. (1. Johannes 4,17)
Beachte etwas Erstaunliches an diesem Vers. Er sagt nicht: „Wie Jesus war.“ Er sagt: „Wie er ist.“ Das bedeutet, dass dieser Vers von Jesus spricht, wie er gerade jetzt in seiner auferstandenen, verherrlichten, siegreichen Stellung vor dem Vater ist. Und dann sagt Johannes etwas fast Unglaubliches: „Wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.“
Das bedeutet, dass die Beziehung, die Jesus zum Vater hat, durch das vollendete Werk Jesu Christi zur Grundlage der Beziehung des Gläubigen zum Vater wird. Jesus ist vor dem Vater angenommen. Jesus ist vor dem Vater geliebt. Jesus ist vor dem Vater gerecht. Jesus ist vor dem Vater geborgen. Und die Schrift sagt: Wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.
Viele Gläubige leben so, als ginge es im Christentum darum, ständig zu versuchen, eines Tages für Gott annehmbar zu werden. Doch 1. Johannes 4,17 offenbart genau das Gegenteil. Durch Jesus Christus sind die Kinder Gottes bereits jetzt in die Gemeinschaft mit ihm gebracht worden. Hier geht es nicht um menschliches Ego oder Selbstüberhöhung. Hier geht es um die vollständige Identifikation mit Christus durch Gnade.
Dieser Vers widerlegt auch ein auf Angst basierendes Christentum. Johannes sagt, dass diese Offenbarung den Gläubigen Zuversicht für den Tag des Gerichts gibt. Warum? Weil Zuversicht vor Gott nicht mehr in menschlicher Leistung begründet ist. Zuversicht ist in Jesus Christus selbst begründet. Wenn deine Zuversicht von deiner eigenen Vollkommenheit abhinge, könnte niemand mutig vor Gott stehen. Aber durch Jesus können Gläubige Zuversicht statt Furcht haben. (Römer 8,1)
Eine der tiefsten Offenbarungen hier ist das Verständnis, dass Gott durch die Gerechtigkeit Christi mit den Gläubigen in Beziehung tritt, nicht durch schwankende menschliche Leistungen. Viele Menschen glauben immer noch, dass sich Gottes Haltung ihnen gegenüber täglich je nach Erfolg oder Misserfolg ändert. Doch Jesus wurde für immer zur beständigen Gerechtigkeit der Kinder Gottes. (2. Korinther 5,21)
Das verändert alles in Bezug auf Gebet, Gemeinschaft, Anbetung und den Alltag. Anstatt dich Gott zu nähern in der Hoffnung, dass er dich heute vielleicht annimmt, kannst du zu ihm kommen in dem Wissen, dass du durch Jesus Christus bereits vollständig angenommen bist. Die Angst verliert ihren Einfluss, wenn das Bewusstsein der Gerechtigkeit im Herzen zu wachsen beginnt.
Der Apostel Johannes verbindet diesen Vers auch direkt mit vollkommener Liebe. Vollkommene Liebe vertreibt die Angst, denn Angst beinhaltet Strafe. Je mehr Menschen das vollendete Werk Jesu Christi verstehen, desto mehr beginnt die Angst innerlich zu zerfallen. Warum? Weil Gläubige beginnen zu erkennen, dass Jesus das Gericht am Kreuz bereits vollständig auf sich genommen hat. (1. Johannes 4,18)
Religion hält Menschen oft in geistlicher Unsicherheit gefangen. Sie lehrt Menschen, sich ständig zu messen, sich selbst zu prüfen und sich Sorgen zu machen, ob sie gut genug sind. Aber das Evangelium lenkt deinen Blick weg von dir selbst und zurück auf Jesus Christus. Gnade schafft Zuversicht, weil Gnade auf die Vollkommenheit Christi hinweist statt auf menschliche Schwäche.
Das macht Gläubige nicht arrogant. Es schafft vielmehr tiefe Demut und Dankbarkeit, denn alles wurde durch Jesus Christus als Geschenk empfangen. Du hast dir die Gerechtigkeit nicht verdient. Du hast dir die Sohnschaft nicht verdient. Du hast dir die Annahme nicht verdient. Jesus hat alles durch seinen Tod und seine Auferstehung vollbracht.
Diese Wahrheit verändert sofort, wie Gläubige durch den Alltag gehen. Wenn Verdammnis deinen Verstand angreift, kannst du dich daran erinnern: „Wie Jesus ist, so bin auch ich in dieser Welt.“ Wenn dir die Angst einredet, Gott sei fern, kannst du dich daran erinnern, dass deine Vereinigung mit Christus für immer sicher ist. Wenn Scham versucht, deine Identität zu bestimmen, kannst du dich daran erinnern, dass deine Gerechtigkeit allein durch Jesus Christus begründet wurde.
Viele Christen verbringen Jahre damit, um Selbstvertrauen zu beten, während sie sich weiterhin auf sich selbst konzentrieren. Aber Selbstvertrauen wächst ganz natürlich, wenn deine Augen auf Jesus gerichtet sind. Je mehr du seine Gerechtigkeit, seine Annahme, seinen Sieg und seine Beziehung zum Vater siehst, desto stabiler wird dein Herz innerlich.
1. Johannes 4,17 ist eine der klarsten Offenbarungen des vollbrachten Werkes Jesu Christi im gesamten Neuen Testament. Die Kinder Gottes warten nicht darauf, eines Tages angenommen, geliebt, gerecht oder sicher zu werden. Durch Jesus Christus haben Gläubige bereits jetzt Anteil an seiner Gerechtigkeit, seiner Annahme und seiner Beziehung zum Vater. Wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. This entry was posted in Austausch zum Bibellesen, Ermunterung, Fundstücke and tagged 1. Johannes 4 by Jule with no comments yet
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