
Als ich zum ersten Mal in Exodus 34,29–35 über das strahlende Gesicht von Moses las, nachdem er auf dem Berg mit Gott gesprochen hatte, war ich vor allem von der Bedeutung der Gegenwart und Heiligkeit Gottes beeindruckt.
Mir fiel auf, wie die Menschen Angst hatten, sich ihm zu nähern.
Wegen dieser Angst musste Moses einen Schleier
über sein Gesicht legen, wenn er mit ihnen sprach.
Das war der Teil, der mir zuvor im Gedächtnis geblieben war.
Es zeigte mir, wie ernst und überwältigend Gottes Heiligkeit war.
Aber als ich den Abschnitt heute noch mal langsamer las,
fiel mir ein anderes Detail auf.
Damals gab es eine klare Grenze.
Nicht jeder konnte sich Gott nähern.
Tatsächlich durfte nur Moses den Berg besteigen
und direkt mit dem Herrn sprechen.
Die Leute mussten auf Abstand bleiben.
Zu Beginn des Buches Exodus war es sogar verboten,
den Berg zu berühren (Exodus 19).
Gottes Herrlichkeit war nichts,
was gewöhnliche Menschen einfach so erleben konnten.
Seine Heiligkeit war echt und unbegreiflich.
Als Mose herunterkam und sein Gesicht strahlte,
war das ein Beweis dafür, dass er in Gottes Gegenwart gewesen war.
Doch selbst diese reflektierte Herrlichkeit war zu viel für das Volk.
Sie hatten Angst. Also legte Mose einen Schleier über sein Gesicht.
Es gab immer noch eine Art Trennung.
Gott sprach durch einen Vermittler zum Volk.
Der Zugang war auf jeden Fall eingeschränkt.
Wenn ich das jetzt lese, wird mir klar, dass das nicht
daran lag, dass Gott sich nicht um sein Volk kümmerte.
Es lag an der Ernsthaftigkeit seiner
Heiligkeit und der Realität der menschlichen Sünde.
Die Barriere zeigte sowohl, wer Gott ist, als auch, wer wir sind.
Später dachte der Apostel Paulus in 2. Korinther 3 über dieses Ereignis nach.
Er erklärte, dass der Schleier etwas Tieferes symbolisierte.
Dann zeigte er auf Christus als denjenigen, der diesen Schleier weggenommen hat.
Durch Jesus ist der Zugang zu Gott nicht mehr so eingeschränkt.
Durch Christus müssen wir nicht mehr aus Angst weit weg stehen.
Wir sind eingeladen, näher zu kommen. In Hebräer 4,16 steht,
dass wir uns mit Zuversicht dem Thron der Gnade nähern können.
Diese Zuversicht kommt nicht daher, dass wir es wert sind,
sondern weil Christus den Weg bereitet hat.
Als ich diesen Abschnitt nochmal las,
wurde mir der Unterschied klarer.
Zu Moses‘ Zeiten gab es eine Barriere.
Es gab Distanz, es gab Angst
wegen der Größe von Gottes Herrlichkeit.
Aber jetzt können wir dank Jesus frei zu Gott kommen,
so wie wir sind, ohne Angst, abgelehnt zu werden.
Das heißt nicht, dass Gottes Heiligkeit weniger ernst geworden ist.
Es bedeutet, dass Christus sich um das gekümmert hat, was uns einst von ihm getrennt hat.
Wenn ich mir Exodus 34 noch einmal anschaue, sehe ich jetzt sowohl
die Schönheit als auch die Begrenztheit dieses Moments.
Moses spiegelte Gottes Herrlichkeit wider, aber nur für eine begrenzte Zeit.
Das Volk konnte Gottes Worte empfangen,
aber seine sichtbare Herrlichkeit nicht vollständig ertragen.
Es gab immer noch einen Schleier.
Ich bin dankbar, dass in Christus die Einladung anders ist.
Wir stehen nicht zitternd am Fuße eines Berges.
Wir werden sogar zu einer persönlichen Beziehung eingeladen.
Diese Erkenntnis lässt mich
tiefer schätzen, was Jesus getan hat.
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