
Seit Beginn der Heiligen Schrift hat Gott seine Beziehung zu seinem Volk oft mit der Sprache des Bundes beschrieben, und eines der schönsten Bilder, das er immer wieder verwendet, ist die Ehe.
Das lässt die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl
noch tiefgründiger erscheinen, als uns oft bewusst ist.
Als Jesus den Kelch nahm und sagte:
„Dieser Kelch ist der neue Bund
in meinem Blut“ (Lukas 22,20),
führte er nicht einfach eine kirchliche Tradition ein
oder schuf einen symbolischen religiösen Moment.
Er erklärte, was sein
Tod bewirken würde.
In der Antike
war ein Bund etwas Ernstes und Verbindliches.
Ein Bund war nicht nur eine Vereinbarung
zwischen zwei Parteien, er schuf Beziehung,
Zugehörigkeit, Verpflichtung und Identität.
Bünde wurden oft öffentlich besiegelt
und von Zeichen, Zeugen,
Opfern und gemeinsamen Mahlzeiten begleitet.
Gemeinsam zu essen und zu trinken war nicht immer beiläufig,
es konnte Frieden, Akzeptanz,
Gemeinschaft und Bundestreue vermitteln.
Als Jesus also den Kelch mit seinen Jüngern teilte,
formulierte er das Kreuz selbst in der Sprache des Bundes.
Beim Kelch beim letzten Abendmahl
ging es letztlich nicht um Wein.
Er wies auf sein Blut hin.
Jesus sagte damit, dass sein bevorstehendes Opfer
einen neuen Bund begründen würde,
keinen, der auf Steintafeln geschrieben war,
keinen, der von wiederholten Opfern abhing,
sondern einen, der durch sein eigenes Leben gesichert war.
Der alte Bund deckte die Sünde auf
und wies hoffnungsvoll in die Zukunft,
der neue Bund würde
Vergebung schenken und die Menschen
durch das vollendete Werk Christi Gott näherbringen.
Und irgendwie, wenn wir
auf das Johannesevangelium zurückblicken, erscheint es
bedeutsam, dass das erste öffentliche Zeichen Jesu
bei einem Hochzeitsfest in Kana geschah.
Der Wein war ausgegangen.
Dieses Detail ist kein Zufall.
In der gesamten Heiligen Schrift wird Wein oft
mit Freude, Feier, Überfluss,
Segen und zukünftiger Wiederherstellung in Verbindung gebracht.
Doch bei dieser Hochzeit in Kana
ging der Feier der Wein aus.
Da schritt Jesus ein, nicht nur mit
genügend Vorrat, sondern mit besserem Wein
als zuvor.
Johannes nennt dieses Ereignis bewusst ein Zeichen.
Ein Zeichen weist über sich selbst hinaus.
Jesus rettete nicht einfach nur
eine Familie vor einer Blamage.
Er offenbarte still und leise
etwas über seine Mission.
Der wahre Bräutigam war gekommen.
Nicht, um leere Religion zu bewahren.
Nicht, um alte Systeme zu flicken.
Nicht nur, um das Leben der Menschen zu verbessern.
Er kam, um ein Volk für sich selbst zu schaffen.
Und Jahre später, bei einem anderen Mahl,
würde Jesus erneut einen Kelch erheben.
Doch dieses Mal würde er sagen,
dass der Bund nicht
allein durch das Feiern geschlossen würde,
sondern durch ein Opfer.
Dieser Kelch würde ihn sein Blut kosten.
Dieser Bund würde ihn sein Leben kosten.
Und das verändert die Art und Weise,
wie wir das Evangelium verstehen.
Die Kirche wird nicht zur Braut,
weil sie sich ihren Platz am Tisch verdient hat.
Sie wird zur Braut, weil
der Bräutigam sich selbst für sie hingegeben hat.
Jesus kam nicht, um eine makellose Braut zu suchen.
Er kam vielmehr, um sie makellos zu machen.
Er hat nicht darauf gewartet, dass wir treu genug werden.
Er liebte uns, als wir noch Sünder waren.
In Kana brachte er Wein zu einer Hochzeit.
Am Kreuz vergoss er Blut für seine Braut.
Und eines Tages, so sagt die Schrift,
wird es ein weiteres Fest geben,
das Hochzeitsmahl des Lammes,
wo das, was am Kreuz erkauft wurde,
endlich für immer in seiner Gegenwart in vollem Umfang genossen werden kann.
Beim Kelch des Bundes ging es letztlich nie
darum, was wir Gott bringen.
Es ging immer darum, was der Bräutigam
bereit war, für uns auszugießen.
Das ist das Evangelium.
by Jule with no comments yet