
Was liegt auf der anderen Seite des Kreuzes?
Auf der einen Seite des Kreuzes wird alles an der Anstrengung gemessen. Es kommt auf die Leistung an. Das Verhalten wird überwacht. Der Fortschritt wird daran gemessen, wie gut du dich schlägst, wie konsequent du warst und wie weit du glaubst, heute von Gott entfernt zu sein. Diese Seite des Kreuzes ist vielen Gläubigen vertraut. Es klingt spirituell, ist aber anstrengend. Es lehrt dich, mit der Sünde umzugehen, anstatt in einem Erlöser Ruhe zu finden. Du wachst auf und bist ganz auf dich selbst konzentriert. Habe ich genug gebetet? Habe ich wieder versagt? Habe ich genug getan, um Gott nahe zu bleiben? Die Religion hält dich auf Trab, gibt dir aber nie Sicherheit. Sie sagt dir, dass Gott zufrieden ist, wenn du Erfolg hast, und distanziert, wenn du strauchelst. Das Kreuz wird von dieser Seite aus zu einem Mittel, um besseres Verhalten zu motivieren, statt zu dem Ort, an dem alles vollbracht wurde.
Doch dann schreitest du durch das Kreuz hindurch. Und alles ändert sich.
Auf der anderen Seite des Kreuzes liegt der Fokus nicht mehr darauf, was du tust, sondern darauf, was bereits getan wurde. Jesus kam nicht, um dein Verhalten zu verbessern. Er kam, um deine Identität zu ersetzen. Am Kreuz wurde dein altes Selbst mit ihm gekreuzigt. Nicht teilweise. Nicht symbolisch. Vollständig. Die Sünde wurde nicht bewältigt, sie wurde gerichtet. Das Gesetz wurde nicht abgeschwächt, es wurde erfüllt. Gott hat seinen Maßstab nicht gesenkt. Er hat es selbst im Leib seines Sohnes erfüllt. Deshalb sagt die Schrift, dass du versöhnt wurdest, als du noch ein Sünder warst. Das Werk, das dich Gott nahebringt, war vollbracht, bevor du überhaupt versucht hast, ihm nahezukommen. Auf dieser Seite des Kreuzes entspringt Gehorsam aus Ruhe, nicht aus Angst. Veränderung entsteht aus Einheit, nicht aus Druck. Heiligkeit ist nichts, wonach du strebst, sondern etwas, das du empfangen hast.
Hier wohnt die Freiheit.
Auf der anderen Seite des Kreuzes treibt dich nicht mehr die Angst vor dem Abfallen an, sondern die Gewissheit, gehalten zu werden. Du wachst nicht auf und versuchst, dir Gottes Gegenwart zu verdienen. Du wachst in dem Bewusstsein auf, dass Er in dir lebt. Versagen definiert dich nicht mehr. Es lehrt dich, zur Wahrheit zurückzulaufen, anstatt dich in Scham zu verstecken. Buße ist keine Strafe mehr. Sie ist Klarheit. Eine Rückkehr zum Glauben an das, was Gott über dich sagt, anstatt an das, wessen dich deine Gefühle beschuldigen. Hier verliert die Religion ihre Macht. Denn Religion braucht Distanz, um zu funktionieren. Aber das Kreuz hat diese Distanz für immer beseitigt. Du wirst nicht geduldet. Du bist nicht auf Bewährung. Du bist in Christus. Und auf der anderen Seite des Kreuzes geht es im christlichen Leben nicht mehr darum, sich mehr anzustrengen, sondern tiefer zu vertrauen. Das ist keine Nachlässigkeit. Das ist Freiheit. Und Freiheit ist der Ort, an dem echte Verwandlung endlich beginnt.
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