
Warum benutzte Jesus Lehm und Speichel, um den Blinden zu heilen?
In Johannes 9, als Jesus
einen von Geburt an blinden Mann traf, stellten die Jünger
sofort eine Frage nach der Ursache.
„Rabbi, wer hat gesündigt, dieser Mann
oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?“
Jesus antwortete nicht so, wie sie es erwartet hatten.
Er lenkte den Fokus auf etwas anderes.
„Nicht dieser Mann hat gesündigt,
noch seine Eltern, sondern damit die Werke
Gottes an ihm offenbar werden“
(Johannes 9,3).
Dann beschreibt der Text, was er als Nächstes tat.
„Er spuckte auf den Boden und machte mit dem Speichel Schlamm.
Dann salbte er die Augen des Mannes mit dem Schlamm
und sagte zu ihm: ‚Geh, wasch dich im Teich Siloah‘“
(Johannes 9,6–7).
Dieses Detail verlangsamte das Lesen.
Jesus hatte bereits
durch viele andere Berichte gezeigt,
dass er allein durch ein Wort heilen konnte.
Er gab das Augenlicht zurück, ohne ihn zu berühren (Matthäus 9,28–30).
Er heilte aus der Ferne (Johannes 4,50–53).
Nichts in den Evangelien deutete darauf hin,
dass eine physische Methode erforderlich war.
Die Frage war also nicht,
ob der Schlamm notwendig war.
Es ging darum, warum der Text dies festhielt.
Die Handlung selbst war bewusst gewählt.
Jesus berührte nicht einfach die Augen des Mannes.
Er formte zuerst etwas.
Er nahm Erde vom Boden
und vermischte sie mit seinem eigenen Speichel.
Diese Kombination erinnerte an etwas Frühere.
In Genesis 2,7 formte Gott den Menschen
aus dem Staub der Erde.
Die Sprache des Formens,
des Gestaltens aus Staub,
war in der Heiligen Schrift bereits bekannt.
Hier, in Johannes 9,
schuf Jesus keinen Menschen,
sondern er stellte wieder her, was nie funktioniert hatte.
Der Mann verlor nicht sein Augenlicht.
Er hatte es nie gehabt.
Dies war keine Heilung einer Verletzung.
Es war das Schenken von etwas,
das nie da gewesen war.
Beim Schlamm ging es also nicht um Technik.
Er wies auf die Gestaltung hin.
Jesus korrigierte nicht nur die Blindheit.
Er vervollständigte gewissermaßen
das, was gefehlt hatte.
Zu dem Vorgang gehörte auch ein Befehl.
„Geh, wasch dich im Teich Siloah.“
Der Mann musste sich bewegen.
Er musste noch blind gehen,
mit Schlamm auf den Augen,
zu einem bestimmten Ort.
Erst nach dem Waschen sah er.
Die Reihenfolge war entscheidend.
Zuerst kam die Gestaltung.
Dann folgte der Gehorsam.
Das Sehen kam danach.
Die Heilung vollzog sich in Schritten,
nicht weil Jesus die Kraft fehlte,
sondern weil die Begegnung selbst
die Mitwirkung beinhaltete.
Das prägte auch, was im Kapitel folgte.
Der Mann, der das Augenlicht erhielt,
wurde später wiederholt befragt.
Er begann nicht mit vollem Verständnis.
Zuerst sagte er:
„Der Mann namens Jesus machte Schlamm …“
Später sprach er von ihm als einem Propheten.
Am Ende betete er ihn als Herrn an.
Sein körperliches Sehvermögen wurde in einem Augenblick wiederhergestellt,
aber sein Verständnis entfaltete sich mit der Zeit.
Wenn man diese Passage sorgfältig liest, wird deutlich,
dass der Schlamm keine Voraussetzung für die Kraft war.
Er war Teil der Art und Weise, wie Jesus es wählte,
zu offenbaren, was Er tat.
Er öffnete nicht nur Augen.
Er zeigte, dass der Eine,
der aus Staub geformt wurde,
wieder gegenwärtig war,
nicht um die Menschheit zu erschaffen,
sondern um sie wiederherzustellen.
Und Er tat es auf eine Weise,
die sowohl Bewegung als auch Reaktion einlud,
damit der Mann nicht nur sehen würde,
sondern auch erkennen würde,
wer es war, der ihm das Augenlicht gab.
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