
„Geld ist die Wurzel allen Übels.“
Das ist ein Satz, der oft wiederholt wird,
wenn es um Gier,
Korruption oder Ungerechtigkeit geht.
Es klingt biblisch.
In vielen Situationen fühlt es sich wahr an.
Und genau deshalb
wird es selten hinterfragt.
Lange Zeit
ging ich davon aus,
dass die Bibel so über Geld spricht.
Aber wenn man die Stelle genauer liest,
ist der Wortlaut präziser.
Paulus schrieb:
„Denn die Liebe zum Geld
ist die Wurzel aller Arten von Übel“
(1. Timotheus 6,10).
Dieser Unterschied ist wichtig.
Der Text sagt nicht,
dass Geld an sich böse ist.
Er spricht von der Liebe zum Geld,
und selbst dann beschreibt er sie als
„die Wurzel aller Arten von Übel“,
nicht als die einzige Quelle für alles, was falsch ist.
Das verlagert den Fokus.
Denn Geld an sich
wird in der Schrift
nicht als etwas von Natur aus Verdorbenes dargestellt.
Es ist ein Werkzeug. Eine Ressource.
Etwas, das genutzt werden kann
zum Guten oder zum Schlechten.
An verschiedenen Stellen der Bibel
wird mit Geld ganz normal umgegangen.
Es wird verdient, verschenkt, gespart
und manchmal genutzt,
um für andere zu sorgen.
Jesus selbst sprach oft über Geld,
nicht um es zu verurteilen,
sondern um zu zeigen, was es offenbaren kann.
Das Problem ist also nicht der Besitz, sondern die Zuneigung,
nicht das, was man in der Hand hält,
sondern das, was man im Herzen trägt.
Paulus fuhr in derselben Passage fort:
„Denn durch diese Begierde
sind einige vom Glauben abgeirrt
und haben sich selbst
mit vielen Schmerzen durchbohrt.“
Das sind starke Worte.
Die Gefahr besteht nicht darin, dass Geld existiert,
sondern darin, dass es einen Platz einnehmen kann,
den es nie haben sollte.
Es kann sich von einem Mittel
zu einem Herrn wandeln.
Von etwas, das man nutzt,
zu etwas, dem man vertraut.
Jesus sprach in ähnlicher Weise:
„Niemand kann zwei Herren dienen …
Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld“
(Matthäus 6,24).
Auch hier liegt der Fokus nicht auf dem Geld
als Gegenstand, sondern auf der Beziehung dazu.
Dienst. Treue. Abhängigkeit.
Das gehört allein Gott.
So betrachtet,
geht der Satz „Geld ist die Wurzel allen Übels“
am tieferen Problem vorbei.
Er behandelt das Problem als etwas Äußerliches,
als ob das Wegnehmen von Geld die Sünde beseitigen würde.
Aber die Schrift weist nach innen.
Das Problem wird nicht gelöst,
indem man weniger hat, sondern indem man anders liebt.
Denn dasselbe Geld,
das gehortet werden kann, kann auch verschenkt werden.
Die gleiche Ressource, die verderben kann,
kann auch genutzt werden, um Leid zu lindern,
anderen zu dienen und das Gute zu fördern.
Was seine Richtung bestimmt,
ist nicht das Geld selbst,
sondern das Herz, das es besitzt.
Die Warnung der Schrift
richtet sich also nicht gegen das Geld,
sondern gegen falsch gesetztes Vertrauen.
Dagegen, dass etwas Vergängliches
den Platz dessen einnimmt, was ewig ist.
Und das ist eine langsamere,
aber tiefgreifendere Frage.
Nicht, wie viel man in der Hand hält,
sondern worauf sich das Herz
allmählich zu verlassen beginnt
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