
„Als der Esel den Propheten rettete: Die Gnade, die in der Verzögerung steckt“
📖 Numeri 22,21–35
Die Morgensonne war gerade erst aufgegangen, als Bileam seinen Esel sattelte und sich mit den Fürsten von Moab auf den Weg machte. Er dachte, er würde eine Chance bekommen. Er dachte, er würde zu Ehre und Belohnung kommen.
Aber der Himmel sah das anders.
Obwohl Bileam mit Erlaubnis unterwegs war, war sein Herz nicht auf Gott ausgerichtet. Und so stand der Engel des Herrn mit gezücktem Schwert in der Hand auf der Straße.
Bileam konnte ihn nicht sehen.
Aber die Eselin konnte es.
Dreimal wich die Eselin aus.
Zuerst verließ sie die Straße und ging auf das Feld. Bileam schlug sie.
Dann drückte sie sich gegen eine Mauer in einem schmalen Weinbergweg und zermalmte Bileams Fuß. Er schlug sie erneut.
Als sie nirgendwo mehr hin konnte, legte sich die Eselin unter ihm hin. Bileams Wut kochte. Er schlug sie mit seinem Stock.
Dann tat der Herr das Unvorstellbare:
Er öffnete den Mund der Eselin.
„Was habe ich dir getan, dass du mich dreimal geschlagen hast?“
Und in einem Moment, der sowohl humorvoll als auch heilig war, stritt Bileam mit seinem eigenen Esel.
Doch dann öffnete der Herr Bileams Augen.
Und er sah den Engel mit gezücktem Schwert auf der Straße stehen.
Der Engel sagte:
„Siehe, ich bin gekommen, um dir entgegenzutreten, weil dein Weg vor mir verdreht ist … Hätte sie sich nicht von mir abgewandt, hätte ich dich getötet und sie am Leben gelassen.“ (4. Mose 22,32–33)
Die Verzögerung, die Bileam hasste, hatte ihm das Leben gerettet.
Der Widerstand, den er besiegte, war in Wirklichkeit Gnade.
Das Hindernis, das er verfluchte, war göttlicher Schutz.
Er fiel auf sein Gesicht und sagte: „Ich habe gesündigt.“
Und der Engel ließ ihn gehen, aber nur, um das Wort zu sprechen, das Gott ihm geben würde.
✨ Reflexion
Wie oft haben wir auf das eingeschlagen, was uns eigentlich gerettet hat?
Wie oft werden wir wütend, wenn die Dinge nicht nach unseren Plänen laufen?
Wenn unser Ehepartner sich uns widersetzt.
Wenn Eltern „Nein“ sagen.
Wenn ein Freund uns korrigiert.
Wenn sich Türen schließen.
Wenn Pläne scheitern.
Wenn Chancen verschwinden.
Wir beschweren uns.
Wir beschuldigen.
Wir sind verletzt.
Wir geben Gott die Schuld.
Aber was wäre, wenn die geschlossene Tür ein gezücktes Schwert wäre, das wir nicht sehen können?
Was wäre, wenn die Verzögerung göttlicher Schutz wäre?
Was wäre, wenn das „Nein“ der Himmel wäre, der uns vor etwas bewahrt, das uns zerstören würde?
Wie Bileam gehen wir manchmal mit Erlaubnis voran, aber nicht mit reinem Herzen. Und wenn Gott uns den Weg versperrt, verwechseln wir seine Gnade mit Widerstand.
Der Esel sah, was Bileam nicht sehen konnte.
Manchmal sehen die Menschen um uns herum die Gefahr vor uns.
Manchmal ist Enttäuschung Befreiung.
Manchmal ist Scheitern Gnade.
Manchmal ist Verzögerung Gnade.
Hätte der Esel Bileam statt Gott gehorcht, wäre Bileam gestorben.
Nicht alles, was dir Widerstand leistet, ist gegen dich.
Manche Dinge schützen dich.
Wenn das Leben also nicht mit deinem Willen übereinstimmt, werde nicht gleich wütend.
Frag:
„Herr, beschützt du mich vor etwas, das ich nicht sehen kann?“
Denn nicht alle Verzögerungen sind Ablehnungen.
Manche sind göttliche Eingriffe.
Und gesegnet ist der Mensch, dessen Augen Gott öffnet, bevor es zu spät ist.
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