
Auf dem Weg nach Emmaus wurden den Jüngern nicht sofort die Augen geöffnet. Erst als ihre Herzen brannten, erkannten sie, mit wem sie gesprochen hatten.
Lukas erzählt uns, dass Jesus zwar mit ihnen ging
und ihnen die Schriften erklärte,
sie ihn aber trotzdem nicht erkannten.
Erst später, am Tisch,
als er das Brot brach,
wurden ihnen die Augen geöffnet.
Diese Reihenfolge ist wichtig, weil sie zeigt,
dass ihr tiefstes Problem nicht nur die Trauer
über das war, was in Jerusalem passiert war.
Es war auch, dass sie die Heilige Schrift noch nicht gut genug verstanden,
um das Kreuz und das leere Grab zu begreifen.
Das hilft zu erklären, warum Jesus so reagierte, wie er es tat.
Er sagte nicht sofort: „Ich bin es.“
Er hat ihre Verwirrung nicht zuerst durch sein Aussehen aufgelöst.
Stattdessen sagte er: „Ihr Toren und trägen Herzens,
die ihr nicht glaubt, was die Propheten gesagt haben“ (Lukas 24,25).
Das ist eine ernste Aussage,
aber auch eine barmherzige.
Jesus zeigte ihnen, dass ihre Traurigkeit
durch eine unvollständige
Auslegung von Gottes Wort noch verstärkt worden war.
Sie hatten Herrlichkeit erwartet, aber sie hatten nicht
verstanden, dass der Messias leiden musste,
bevor er in seine Herrlichkeit eingehen konnte.
Sie kannten die Ereignisse, aber sie hatten noch nicht
die Bedeutung dieser
Ereignisse gemäß der Heiligen Schrift verstanden.
Deshalb fing Jesus mit Mose
und allen Propheten an und erklärte
ihnen die Dinge, die ihn betrafen.
Lukas will uns zeigen, dass der auferstandene Christus
nicht vom geschriebenen Wort getrennt ist.
Er hilft seinem Volk, seinen Tod
und seine Auferstehung zu verstehen, indem er die Heilige Schrift öffnet.
Bevor er ihnen die Augen öffnete,
hatte er bereits die Heilige Schrift geöffnet
und sie den Jüngern erklärt.
Bevor sie sagen konnten: „Wir haben ihn gesehen“,
wurde ihnen beigebracht,
alle Verheißungen Gottes im Licht seiner Person zu lesen.
Das macht die Aussage über ihre
brennenden Herzen noch bedeutungsvoller.
Ihre Herzen brannten, bevor ihre Augen
geöffnet wurden, weil Christus bereits
gegenwärtig war und bereits durch sein Wort wirkte,
auch wenn er noch nicht erkannt wurde.
Er war nicht abwesend, nur weil
sie nicht wussten, dass er es war.
Er war in ihrer Nähe, sprach zu ihnen, korrigierte sie
und führte sie geduldig
zum Verständnis.
Ich denke, genau hier trifft uns diese Passage still und leise.
Es gibt Zeiten, in denen Christus
uns verborgen zu sein scheint,
nicht weil er weg ist,
sondern weil wir langsam sind
im Verstehen dessen, was er gesagt hat.
Wir kennen vielleicht die Fakten des Evangeliums
und haben trotzdem Schwierigkeiten, sie richtig miteinander zu verbinden.
Wir tragen vielleicht Trauer, Verwirrung und
Enttäuschung mit uns herum, weil unsere Erwartungen
die Geschichte immer noch mehr prägen als die Heilige Schrift.
Aber der auferstandene Jesus ist so gütig, mit langsamen Jüngern zu gehen.
Er weist sie nicht zurück. Er lehrt sie.
Und wenn er das tut, tut er
mehr, als nur den Verstand zu informieren.
Er erwärmt das Herz.
Das macht diesen Abschnitt so tröstlich.
Der Christus, der gestorben und wieder auferstanden ist,
ist immer noch derjenige, der sich uns nähert,
die Heilige Schrift öffnet und sich
auf seine eigene Weise und zu seiner eigenen Zeit zu erkennen gibt.
Manchmal kommt die Erkenntnis erst später,
aber seine Gegenwart ist bereits da.
Dieser Abschnitt lädt uns also nicht nur dazu ein, uns zu fragen, ob wir uns Christus nahe fühlen, sondern auch, ob wir uns von ihm durch sein Wort lehren lassen. Der Weg zu klarerem Sehen beginnt oft mit demütigem Zuhören. Und oft beginnt unser Herz zu brennen, noch bevor sich unsere Augen vollständig öffnen.
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