
Viele aufrichtige Gläubige lesen 2. Korinther 5,10 und spüren dabei ein mulmiges Gefühl im Magen. Der Vers besagt, dass wir alle vor dem Richterstuhl Christi erscheinen müssen, und einigen wurde dies so vermittelt, als würden Gläubige vor ein furchterregendes Gericht gestellt, wo ihre Erlösung auf dem Spiel steht. Wenn wir uns jedoch Zeit nehmen und uns das Griechische und den gesamten Kontext des Evangeliums genauer ansehen, ergibt sich ein viel klareres und friedlicheres Bild. Dieser Abschnitt beschreibt den Thron Christi, auf dem die Belohnung ausgesprochen wird, und nicht einen Prozess, in dem über deine Erlösung entschieden wird.
Der Vers sagt: „Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, damit jeder seinen Lohn empfängt für das, was er im Leib getan hat, es sei gut oder böse“ (ESV). Der Schlüsselbegriff ist „Richterstuhl“, was im Griechischen mit dem Wort bēma bezeichnet wird. Im ersten Jahrhundert war das bēma normalerweise eine erhöhte Plattform, auf der Belohnungen verteilt wurden, vor allem bei Sportwettkämpfen wie denen in der Nähe von Korinth. Die ersten Leser von Paulus haben das bēma sicher stark mit Bewertung und Belohnung verbunden, nicht mit einer strafrechtlichen Verurteilung, um über Schuld zu entscheiden.
Ein weiteres wichtiges griechisches Wort ist phaneroō, übersetzt „erscheinen“. Es bedeutet, sichtbar gemacht oder ans Licht gebracht zu werden. Der Schwerpunkt liegt auf Offenlegung und Klarheit. Paulus sagt, dass das Leben der Gläubigen vor Christus offenbart wird. Er sagt nicht, dass ihre Erlösung erneut vor Gericht gestellt wird.
Wir müssen diesen Vers auch im Zusammenhang mit der Botschaft des Paulus lesen. Nur wenige Zeilen später schreibt er, dass Gott in Christus „die Welt mit sich versöhnt hat und ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnet“ (2. Korinther 5,19 ESV). Das ist eine Aussage über ein vollendetes Werk. Wenn Gott den Gläubigen ihre Verfehlungen wegen des Kreuzes nicht anrechnet, dann kann der Richterstuhl kein Moment sein, in dem dieselben Sünden erneut angerechnet werden. Das Kreuz hat die Frage der Sünde für diejenigen, die in Christus sind, bereits geklärt.
Paulus geht es in diesem Abschnitt darum, dass wir bewusst als Menschen leben, die schon zum Herrn gehören. Das griechische Wort komizō, übersetzt mit „empfangen“, bedeutet, dass man das zurückbekommt, was man verdient hat. In der Lehre von Paulus passt das zur Kategorie Belohnung oder Verlust der Belohnung, nicht zum Verlust der Erlösung. Die Bibel zeigt immer wieder, dass Gläubige durch Gnade und nicht durch Werke gerettet werden, aber unsere Werke sind trotzdem wichtig für die ewige Belohnung.
Was bedeutet das für den Gläubigen heute? Es bedeutet, dass der Richterstuhl der Belohnungssitz Christi ist, wo das Leben der Gläubigen von dem Erlöser, der sie erlöst hat, liebevoll bewertet wird. Es ist kein zweiter Gerichtssaal, in dem über dein ewiges Schicksal entschieden wird. Das wurde bereits entschieden, als Jesus sagte: „Es ist vollbracht“ (Johannes 19,30 ESV).
Gleichzeitig ist dies dennoch ein bedeutungsvoller und heiliger Moment. Unser Leben ist für den Herrn wichtig. Die Art und Weise, wie seine Gnade durch uns gewirkt hat, die Liebe, in der wir gelebt haben, und die Treue, die er in uns hervorgebracht hat, werden alle ans Licht kommen. Nicht zur Verurteilung, sondern zur ehrlichen und liebevollen Bewertung durch den Einen, der uns vollkommen kennt und uns von ganzem Herzen liebt.
Das sollte deinem Herzen tiefe Ruhe schenken. Du bewegst dich nicht auf einen Moment zu, in dem Gott entscheidet, ob Jesus genug getan hat. Du bewegst dich auf den Einen zu, der sich bereits für dich hingegeben hat. Der Christus auf dem Bēma ist derselbe Christus, der deine Sünden getragen hat, dir seine Gerechtigkeit geschenkt hat und versprochen hat, dass er niemanden, der zu ihm kommt, jemals abweisen wird.
Aufgrund des vollendeten Werks Jesu können Gläubige diesen Abschnitt mit Frieden lesen. Deine Erlösung ist in Christus sicher. Deine Sünden sind vollständig getilgt worden. Und an dem Tag, an dem du vor ihm stehst, wird es nicht darum gehen, über deine Annahme zu entscheiden, sondern um die gnädige Bewertung und Belohnung eines Lebens, das seine Gnade ermöglicht hat.
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