
Das letzte Wort Jesu am Kreuz wird normalerweise als das Wort in Lukas 23,46 angesehen: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“
Als ich mir das genauer ansah, fiel mir
bei diesem Vers besonders
das Wort „Vater“ auf.
Jesus hatte gerade die Dunkelheit des Leidens durchlebt,
und im vorherigen Spruch
rief er: „Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?“
Aber hier, am Ende, spricht er Gott wieder
als Vater an.
Dieses Detail ist wichtig, weil
es zeigt, dass das Kreuz nicht
in Verwirrung oder Chaos endet.
Jesus stirbt im Vertrauen.
Sein letzter Atemzug ist kein verzweifelter
Schrei ohne Richtung.
Es ist ein bewusstes Sich-Hingeben
in die Hände des Vaters.
Lukas berichtet von diesem Moment mit großer Zurückhaltung.
Er sagt, dass Jesus mit lauter Stimme rief
und dann diese Worte sprach,
bevor er seinen letzten Atemzug tat.
Auch dieses Detail scheint wichtig zu sein.
Jesus starb nicht einfach
als hilfloses Opfer Roms.
Natürlich war die Kreuzigung
eine brutale und schändliche Hinrichtungsmethode,
und Jesus litt wirklich in seinem menschlichen Körper.
Aber Lukas will uns auch zeigen, dass sein Tod
nicht nur etwas war, das ihm angetan wurde.
Jesus vertraute sich sogar im Tod aktiv
dem Vater an.
Er verlor sein Leben nicht in dem Sinne,
dass er von Ereignissen überrollt wurde,
die außerhalb seiner Kontrolle lagen.
Er gab sich selbst in Gehorsam hin.
Der Wortlaut selbst stammt aus der Heiligen Schrift.
Jesus bezieht sich auf Psalm 31,5,
wo David sagt: „In deine Hand
befehle ich meinen Geist.“
In seinem ursprünglichen Kontext ist dieser Psalm
ein Gebet der Not und des Vertrauens.
David ist von Schwierigkeiten umgeben,
doch er vertraut sich Gottes Fürsorge an.
Jesus nimmt diese Worte am Kreuz auf seine Lippen,
aber er tut dies
auf eine tiefere und umfassendere Weise.
Was David als leidender Diener Gottes betete,
betet Jesus als der sündlose Sohn, der
das Werk vollendet, das der Vater
ihm aufgetragen hat.
Dies zeigt etwas Wichtiges
darüber, wie Jesus dem Leiden begegnete.
Selbst in seinem letzten Moment
sind sein Geist und sein Herz
von der Heiligen Schrift geprägt.
Er greift nicht zu leeren Worten.
Er spricht aus der Sprache
des Vertrauens, die bereits in Gottes Wort gegeben ist.
Ich denke, hier wird die Bedeutung
des Sprichworts deutlicher.
Das letzte Wort handelt nicht nur vom Sterben.
Es geht um die Art des Todes, den Jesus stirbt.
Er stirbt in vollem Vertrauen auf den Vater.
Er stirbt als gehorsamer Sohn.
Er stirbt in dem Wissen, dass sein Leben
in den Händen des Vaters liegt, selbst wenn
er durch den Tod selbst geht.
Das ist wichtig, weil das Kreuz
manchmal nur
in Bezug auf Schmerz, Spott und Verlassenheit
beschrieben wird, und diese Dinge sind tatsächlich vorhanden.
Aber diese letzten Worte erinnern uns daran,
dass das Kreuz auch der Ort
vollkommenen Gehorsams ist.
Jesus leidet nicht nur kurz vor seinem Ende.
Er bleibt bis zum Ende treu.
Das hilft uns auch, Christus klarer zu sehen.
Jesus ist nicht nur ein Vorbild des Vertrauens,
er ist derjenige, der
dem Vater an unserer Stelle vollkommen vertraut hat.
Oft sind unsere Herzen gespalten.
Wir sagen, dass wir Gott vertrauen, aber oft kommen Angst, Selbstschutz
und Unglaube in uns hoch.
Jesus aber hat sich
voll und ganz dem Vater anvertraut.
Er hat das nicht nur gemacht, um uns zu zeigen, wie Glaube aussieht,
sondern um unsere Erlösung durch
sein gehorsames Leben und seinen gehorsamen Tod zu vollbringen.
Sein letztes Wort ist wertvoll, weil es
zum Werk des Kreuzes selbst gehört.
Derjenige, der seinen Geist dem Vater anvertraut hat,
ist derselbe, der bereits
die Sünden seines Volkes getragen hat.
Sein Vertrauen war nicht von seinem Erlösungswerk getrennt.
Es war Teil seiner treuen Vollendung desselben.
Hier liegt auch ein stiller Trost für die Gläubigen.
Weil Christus sich dem Vater anvertraut
und sein Werk vollendet hat, sehen diejenigen, die zu ihm gehören,
dem Tod nicht so entgegen wie die Welt.
Der Tod bleibt ein Feind, aber er ist nicht mehr
ein unbekannter Schrecken ohne Hoffnung.
Jesus ist seinem Volk vorausgegangen.
Er ist im Glauben in den Tod gegangen und
ist siegreich aus dem Grab auferstanden.
Wenn wir also davon sprechen, in Christus zu ruhen,
ist das keine sentimentale Sprache.
Es gründet sich auf den gekreuzigten
und auferstandenen Herrn, der sich
in die Hände des Vaters begab und gerechtfertigt wurde.
Was mir am meisten im Gedächtnis bleibt, ist, dass Jesus dort endet,
wo der Glaube immer enden sollte: in den Händen des Vaters.
Nach dem Verrat, der Ungerechtigkeit, der Verspottung,
der Dunkelheit und dem Leiden
ruht er dort.
Nicht in sichtbarer Erleichterung.
Nicht in irdischer Rettung.
Sondern im Vater.
Das ist eine stille, aber starke Erinnerung daran, dass der tiefste Frieden nicht in leichteren Umständen zu finden ist, sondern in dem Gott, der sein Volk hält. Und wenn der Sohn dies am Rande des Todes sagen konnte, dann können diejenigen, die im Sohn sind, langsam und unvollkommen lernen, sich in dieselben treuen Hände zu begeben.
by Jule with no comments yet