
Wenn Jesus nie gesündigt hat, warum ist er dann in das Wasser der Taufe getaucht? Auf den ersten Blick scheint das unnötig. Die Taufe zu Johannes dem Täufers Zeiten war ein Zeichen der Buße (Markus 1,4). Die Leute bekannten ihre Sünden und kehrten zu Gott zurück. Als Jesus aber am Jordan ankam, war Johannes total überrascht. Er meinte: „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ (Matthäus 3,14). Johannes hat was Wichtiges verstanden. Jesus hatte nichts zu bereuen. Er hat nie gesündigt (Hebräer 4,15). Er hat nie versagt. Er war das makellose Lamm Gottes (Johannes 1,29; 1. Petrus 1,19). Warum hat er es dann getan?
Jesus antwortete Johannes mit einem kraftvollen Satz: „Lass es jetzt so sein; es ist richtig, dass wir das tun, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ (Matthäus 3,15). In diesem Moment bekannte Jesus keine Sünde. Er identifizierte sich mit den Sündern (Jesaja 53,12). Der sündlose Sohn Gottes stieg in dasselbe Wasser wie die Gebrochenen, die Schuldigen und die Beschämten. Von Beginn seines Wirkens an zeigte Jesus der Welt, wozu er gekommen war. Er kam, um an unsere Stelle zu treten (Römer 5,8).
In der gesamten Heiligen Schrift sehen wir, dass Jesus kam, um für uns zu tun, was wir selbst niemals tun konnten. Wo die Menschheit versagte, war Jesus erfolgreich (Römer 5,18–19). Wo wir versagt haben, hat er die Gerechtigkeit vollkommen erfüllt (Matthäus 5,17). Bei seiner Taufe ging es nicht darum, dass er Reinigung brauchte. Es ging um seine Bereitschaft, unsere Geschichte zu tragen. Er trat in unsere Menschlichkeit ein, damit wir eines Tages in seine Gerechtigkeit eintreten können (2. Korinther 5,21).
Als Jesus aus dem Wasser stieg, öffnete sich der Himmel. Der Geist kam wie eine Taube herab, und die Stimme des Vaters verkündete: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Matthäus 3,16–17). Beachte hier etwas Schönes. Jesus hatte noch keine Kranken geheilt, keine Predigten gehalten und war noch nicht ans Kreuz gegangen. Dennoch hatte der Vater bereits Wohlgefallen an ihm. Die Anerkennung des Himmels ruhte auf ihm, noch bevor er seinen öffentlichen Dienst begann. Dieser Moment weist uns auf das vollendete Werk Jesu hin und darauf, was es für alle bedeutet, die an ihn glauben.
Am Kreuz trug Jesus unsere Sünden vollständig (1. Petrus 2,24). Die Schrift sagt, dass Gott den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht hat, damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes werden (2. Korinther 5,21). Derjenige, der mit den Sündern ins Wasser stieg, würde später für die Sünder ans Kreuz gehen (Römer 5,6–8). Er nahm unsere Schuld, unsere Scham, unser Versagen und unsere Verurteilung auf sich (Römer 8,1) und vollendete das Werk, das uns für immer mit Gott versöhnt (Johannes 19,30; Hebräer 10,14).
Wegen dieses vollendeten Werks hängt unsere Hoffnung nicht mehr davon ab, wie gut wir uns anstellen, wie konsequent wir uns fühlen oder wie perfekt wir uns benehmen. Unsere Hoffnung hängt vom Gehorsam Jesu ab (Römer 5,19). So wie er alle Gerechtigkeit erfüllt hat, wird uns diese Gerechtigkeit jetzt durch den Glauben geschenkt (Römer 3,22; Philipper 3,9). Der Gläubige steht nicht aufgrund seiner persönlichen Leistung vor Gott, sondern aufgrund des vollkommenen Werks Christi (Eph 2,8–9).
Das verändert unsere heutige Sichtweise auf die Taufe. Unsere Taufe ist kein Mittel, um Vergebung zu erlangen oder Gott unseren Wert zu beweisen. Sie ist eine Erklärung, dass wir mit Jesus vereint sind. Die Schrift sagt, dass wir mit ihm in der Taufe begraben und mit ihm zu einem neuen Leben auferstanden sind (Röm 6,3–4; Kolosser 2,12). Das Wasser wird zu einem Bild für das, was Jesus bereits vollbracht hat. Das alte Leben in Sünde wurde von Christus getragen, und das neue Leben in Gerechtigkeit gehört nun durch ihn uns (2. Korinther 5,17).
Wenn du dich also fragst, worauf du deine Hoffnung gründen sollst, dann schau zurück auf den Einen, der für dich ins Wasser getreten ist. Schau auf den Einen, der an deiner Stelle die Gerechtigkeit erfüllt hat (Matthäus 3,15). Schau auf den Einen, der das Werk am Kreuz vollbracht hat und auferstanden ist (Johannes 19,30; 1. Korinther 15,3–4). Deine Stellung vor Gott hängt nicht von deinen Gefühlen oder deinen Leistungen ab. Sie steht fest auf dem vollbrachten Werk Jesu Christi (Hebräer 10,12–14).
Und wegen ihm gilt dieselbe Wahrheit, die über Jesus ausgesprochen wurde, jetzt auch für jeden Gläubigen, der in ihm ist. Du bist angenommen. Du bist geliebt. Du bist willkommen (Eph 1,6; Röm 15,7). Nicht weil du es verdient hast, sondern weil Jesus alles für dich erfüllt hat (Röm 8,32–34).
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