• Heute lesen wir …

      Wir lesen als Gruppe jedes Jahr einmal chronologisch die Bibel und fangen mit 1. Mose an und hören mit der Offenbarung auf - mach doch mit 

      Wir sind

      warum ihr beim Lesen der älteren Kommentare (bis 2013) den Eindruck habt, dass wir Zeugen Jehovas sind, erkläre ich hier ausführlich. Nur ganz kurz: NEIN, wir sind keine ZJ, sondern einfach nur Christen – ohne irgendeine Konfession, Dachverband oder Organisation über uns – die für Gott und sein Wort brennen und sich gerne mit anderen darüber unterhalten und austauschen

      Hier findest du die Daten zu unseren Treffen

      Unser Ziel

      … ist es, Menschen die Gott noch nicht kennen, zu ihm zu führen und mit seinem Wort bekannt zu machen; andere mit unserer Begeisterung für Gott und sein Wort anzustecken; einander zu ermuntern, im Glauben zu bleiben und zu wachsen; und einander zu helfen, ein ganz persönliches Verhältnis zum Schöpfer zu entwickeln, zu bewahren und zu vertiefen.

      Die Bibel

      Wir betrachten die ganze Bibel als Gottes Wort und sie hat für uns oberste Autorität. Wir vertreten keine bestimmte Lehrmeinung, sondern beziehen auch gerne andere Meinungen und Auslegungen mit ein, denn jeder sollte sich selbst anhand der Bibel ein Bild machen

      Warum sagen wir „Jehova“?

      Bitte „entschuldigt“, aber Arnold Fruchtenbaum – ein Jude, der zu Christus gefunden hat, benutzt (ebenso wie die unrevidierte Elberfelder 1905) diesen Namen als Name Gottes und er hatte auch in einem Seminar mal erklärt, warum:

      Auch wenn wir aufgrund der Schreibart der Juden nicht genau wissen, wie der Name früher ausgesprochen wurde (die Juden selbst sprechen ihn überhaupt nicht aus), so wissen wir doch, dass die meisten Namen der Bibel, die ein „Je“ drin haben, von dem Namen Gottes abgeleitet sind, wie zum.B. Jesus, Jesaja, Jeremia – um nur einige zu nennen

      Viele sprechen den Namen heute gar nicht mehr aus, das HERR hat den Gottes Namen in der Bibel ersetzt. Die meisten Übersetzer, die den Namen drin gelassen haben, übersetzen ihn mit Jahwe. Der Name Jehova wird sehr ungern benutzt, da er an die Zeugen Jehovas erinnert…

      Wichtig ist, dass der Name überhaupt benutzt wird, wir werden es unter anderem auch bei den 10 Plagen noch sehen. Es steht dir also frei, Jahwe oder Jehova zu sagen.

      Wir benutzen wie Arnold Fruchtenbaum den Namen Jehova – aus den selben Gründen

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    • März 12th“Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

      Unter den sieben letzten Worten Jesu
      ist das der Satz, der mir immer am schwersten gefallen ist.

      Nicht, weil er mir fremd wäre.
      Viele Christen kennen ihn gut.

      Sondern weil er mir jedes Mal, wenn ich mich damit beschäftige,
      immer noch wie der tiefste Punkt
      des Kreuzes und des Opfers Jesu vorkommt.

      „Mein Gott, mein Gott,
      warum hast du mich verlassen?“
      (Matthäus 27,46; Markus 15,34)

      Markus hat sogar den Ausruf auf Aramäisch festgehalten:

      „Eloi, Eloi, lema sabachthani?“
      (Markus 15,34)

      Ich finde, dieses Detail verdient es, genauer betrachtet zu werden.

      Die Verfasser der Evangelien haben uns nicht nur erzählt,
      was Jesus in diesem Moment gesagt hat.

      Sie sind sogar so weit gegangen,
      genau festzuhalten, wie er es gesagt hat.

      Das war keine Umschreibung.
      Es war keine Zusammenfassung.

      Es war genau dieser Schrei selbst.
      Und das war kein Zufall.

      Diese Worte stammen direkt aus Psalm 22,1.

      Das ist wichtig, weil es bedeutet,
      dass Jesus nicht ziellos
      inmitten seines Schmerzes sprach.

      Er sprach aus der Heiligen Schrift.

      Er nahm die Worte des gerechten Leidenden auf seine Lippen,
      desjenigen, der von Spöttern umgeben war,
      desjenigen, der öffentlich gedemütigt wurde,
      desjenigen, dessen Leiden
      später zu Rechtfertigung führen würde.

      Das ist ein Teil dessen, was
      diesen vierten Ausspruch so bedeutungsvoll macht.

      Jesus schrie nicht nur vor Schmerz.
      Er schrie mit den Worten,
      die die Heilige Schrift bereits gegeben hatte.

      Und doch gibt es hier noch ein weiteres Detail,
      das leicht zu übersehen ist.

      Selbst in diesem Schrei der Verlassenheit
      sagt Jesus immer noch:

      „Mein Gott, mein Gott.“

      Er sagte nicht:
      „Du bist nicht mehr mein Gott.“

      Er sprach nicht in Unglauben.
      Er sprach in Qual, ja.
      Aber er sprach immer noch zu Gott.

      Diese Spannung ist Teil der Tiefe
      dieses Augenblicks.

      Das Kreuz hat seinen Gehorsam nicht aufgehoben.
      Das Leiden hat seine Beziehung zum Vater nicht ausgelöscht.

      Aber es hat ihn in den vollen Schrecken dessen gebracht,
      was er zu ertragen hatte.

      Deshalb finde ich diesen Ausspruch
      so schwer zu ertragen.

      Weil er mich daran erinnert,
      dass das Kreuz niemals oberflächlich war.

      Jesus blutete nicht nur.
      Er wurde nicht nur verspottet.
      Er wurde nicht nur hingerichtet.

      Er trat ein in die tiefste Last
      der Mission, die er zu erfüllen gekommen war.

      Die Evangelien hatten bereits gezeigt,
      dass Jesus Ablehnung,
      Hass, Verrat, Ungerechtigkeit
      und körperliche Qualen ertragen konnte.

      Aber hier, am Kreuz,
      dürfen wir das Leiden von innen heraus hören.

      Nicht erklärt.
      Nicht abgeschwächt.

      Er schrie.
      Und die Heilige Schrift hat diesen Schrei festgehalten.

      Für mich persönlich ist dies unter den sieben letzten Worten
      dasjenige, das mich am längsten innehalten lässt.

      Es lässt mich tiefer darüber nachdenken,
      was es Christus gekostet hat, uns Sünder zu retten.

      Nicht in einer Weise, die mich denken lässt,
      ich könnte ihm das irgendwie zurückzahlen, denn ich weiß
      ganz genau, dass ich das nicht kann.

      Und auch nicht in einer Weise, die mir das Gefühl gibt,
      ich müsse mich irgendwie als würdig erweisen,
      ich weiß ganz genau, dass ich immer zu kurz komme.

      Sondern in einer Weise, die mich wieder demütig macht,
      genau wie beim ersten Mal, als ich darauf stieß.

      Denn je mehr ich
      diesen Schrei vom Kreuz höre,
      desto mehr wird mir klar, dass
      meine Erlösung nicht billig zu haben war,
      sondern mit einem so hohen Preis verbunden war,
      den ich niemals selbst bezahlen könnte.

      Er ging dorthin, wo ich nicht hingehen konnte.
      Er trug, was ich nicht tragen konnte.
      Er betrat eine Dunkelheit,
      die ich allein niemals überleben könnte.

      Und dennoch, selbst dort
      hielt er am Vater fest.

      Deshalb verdient dieser Spruch
      es, dass wir uns etwas mehr Zeit nehmen, um ihn zu betrachten.

      Er zeigt uns, dass das Kreuz
      nicht einfach nur eine Zurschaustellung von Schmerz war.

      Es war der Ort, an dem
      der Sohn Gottes vollständig
      anstelle der Sünder stand
      und die Last
      des Gerichts und des Leids
      bis zum Ende ertrug.

      „Mein Gott, mein Gott,
      warum hast du mich verlassen?“

      Je öfter ich das höre,
      desto weniger denke ich darüber nach,
      was ich Jesus geben kann.

      Und desto mehr werde ich daran erinnert,
      was es ihn gekostet hat, mich zu Gott zu bringen,
      und desto mehr brennt in meinem Herzen der Wunsch,
      auch ihm mehr verlorene Schafe zu bringen.


      by Jule with no comments yet
    • März 12th„Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“

      Das letzte Wort Jesu am Kreuz wird normalerweise als das Wort in Lukas 23,46 angesehen: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“

      Als ich mir das genauer ansah, fiel mir
      bei diesem Vers besonders
      das Wort „Vater“ auf.

      Jesus hatte gerade die Dunkelheit des Leidens durchlebt,
      und im vorherigen Spruch
      rief er: „Mein Gott, mein Gott,
      warum hast du mich verlassen?“

      Aber hier, am Ende, spricht er Gott wieder
      als Vater an.
      Dieses Detail ist wichtig, weil
      es zeigt, dass das Kreuz nicht
      in Verwirrung oder Chaos endet.
      Jesus stirbt im Vertrauen.

      Sein letzter Atemzug ist kein verzweifelter
      Schrei ohne Richtung.
      Es ist ein bewusstes Sich-Hingeben
      in die Hände des Vaters.

      Lukas berichtet von diesem Moment mit großer Zurückhaltung.

      Er sagt, dass Jesus mit lauter Stimme rief
      und dann diese Worte sprach,
      bevor er seinen letzten Atemzug tat.
      Auch dieses Detail scheint wichtig zu sein.

      Jesus starb nicht einfach
      als hilfloses Opfer Roms.
      Natürlich war die Kreuzigung
      eine brutale und schändliche Hinrichtungsmethode,
      und Jesus litt wirklich in seinem menschlichen Körper.

      Aber Lukas will uns auch zeigen, dass sein Tod
      nicht nur etwas war, das ihm angetan wurde.
      Jesus vertraute sich sogar im Tod aktiv
      dem Vater an.

      Er verlor sein Leben nicht in dem Sinne,
      dass er von Ereignissen überrollt wurde,
      die außerhalb seiner Kontrolle lagen.

      Er gab sich selbst in Gehorsam hin.

      Der Wortlaut selbst stammt aus der Heiligen Schrift.
      Jesus bezieht sich auf Psalm 31,5,
      wo David sagt: „In deine Hand
      befehle ich meinen Geist.“

      In seinem ursprünglichen Kontext ist dieser Psalm
      ein Gebet der Not und des Vertrauens.
      David ist von Schwierigkeiten umgeben,
      doch er vertraut sich Gottes Fürsorge an.

      Jesus nimmt diese Worte am Kreuz auf seine Lippen,
      aber er tut dies
      auf eine tiefere und umfassendere Weise.

      Was David als leidender Diener Gottes betete,
      betet Jesus als der sündlose Sohn, der
      das Werk vollendet, das der Vater
      ihm aufgetragen hat.

      Dies zeigt etwas Wichtiges
      darüber, wie Jesus dem Leiden begegnete.
      Selbst in seinem letzten Moment
      sind sein Geist und sein Herz
      von der Heiligen Schrift geprägt.

      Er greift nicht zu leeren Worten.
      Er spricht aus der Sprache
      des Vertrauens, die bereits in Gottes Wort gegeben ist.

      Ich denke, hier wird die Bedeutung
      des Sprichworts deutlicher.
      Das letzte Wort handelt nicht nur vom Sterben.
      Es geht um die Art des Todes, den Jesus stirbt.
      Er stirbt in vollem Vertrauen auf den Vater.
      Er stirbt als gehorsamer Sohn.
      Er stirbt in dem Wissen, dass sein Leben
      in den Händen des Vaters liegt, selbst wenn
      er durch den Tod selbst geht.

      Das ist wichtig, weil das Kreuz
      manchmal nur
      in Bezug auf Schmerz, Spott und Verlassenheit
      beschrieben wird, und diese Dinge sind tatsächlich vorhanden.

      Aber diese letzten Worte erinnern uns daran,
      dass das Kreuz auch der Ort
      vollkommenen Gehorsams ist.

      Jesus leidet nicht nur kurz vor seinem Ende.
      Er bleibt bis zum Ende treu.

      Das hilft uns auch, Christus klarer zu sehen.
      Jesus ist nicht nur ein Vorbild des Vertrauens,
      er ist derjenige, der
      dem Vater an unserer Stelle vollkommen vertraut hat.

      Oft sind unsere Herzen gespalten.
      Wir sagen, dass wir Gott vertrauen, aber oft kommen Angst, Selbstschutz
      und Unglaube in uns hoch.

      Jesus aber hat sich
      voll und ganz dem Vater anvertraut.

      Er hat das nicht nur gemacht, um uns zu zeigen, wie Glaube aussieht,
      sondern um unsere Erlösung durch
      sein gehorsames Leben und seinen gehorsamen Tod zu vollbringen.

      Sein letztes Wort ist wertvoll, weil es
      zum Werk des Kreuzes selbst gehört.

      Derjenige, der seinen Geist dem Vater anvertraut hat,
      ist derselbe, der bereits
      die Sünden seines Volkes getragen hat.

      Sein Vertrauen war nicht von seinem Erlösungswerk getrennt.
      Es war Teil seiner treuen Vollendung desselben.

      Hier liegt auch ein stiller Trost für die Gläubigen.
      Weil Christus sich dem Vater anvertraut
      und sein Werk vollendet hat, sehen diejenigen, die zu ihm gehören,
      dem Tod nicht so entgegen wie die Welt.

      Der Tod bleibt ein Feind, aber er ist nicht mehr
      ein unbekannter Schrecken ohne Hoffnung.
      Jesus ist seinem Volk vorausgegangen.
      Er ist im Glauben in den Tod gegangen und
      ist siegreich aus dem Grab auferstanden.

      Wenn wir also davon sprechen, in Christus zu ruhen,
      ist das keine sentimentale Sprache.
      Es gründet sich auf den gekreuzigten
      und auferstandenen Herrn, der sich
      in die Hände des Vaters begab und gerechtfertigt wurde.

      Was mir am meisten im Gedächtnis bleibt, ist, dass Jesus dort endet,
      wo der Glaube immer enden sollte: in den Händen des Vaters.

      Nach dem Verrat, der Ungerechtigkeit, der Verspottung,
      der Dunkelheit und dem Leiden
      ruht er dort.
      Nicht in sichtbarer Erleichterung.
      Nicht in irdischer Rettung.
      Sondern im Vater.

      Das ist eine stille, aber starke Erinnerung daran, dass der tiefste Frieden nicht in leichteren Umständen zu finden ist, sondern in dem Gott, der sein Volk hält. Und wenn der Sohn dies am Rande des Todes sagen konnte, dann können diejenigen, die im Sohn sind, langsam und unvollkommen lernen, sich in dieselben treuen Hände zu begeben.


      by Jule with no comments yet
    • März 12th“Es ist vollbracht“

      Das sechste Wort vom Kreuz steht in Johannes 19,30: „Es ist vollbracht.“ Auf Griechisch schreibt Johannes das mit einem Wort: tetelestai.

      Als ich bei diesem Vers inne hielt, fiel mir auf, wie kurz diese Aussage ist und doch wie viel sie ausdrückt.
      Jesus hat dort nicht viele Worte gemacht.

      Jesus hat dort nicht viele Worte gemacht.
      Er hat keine lange Erklärung abgegeben.
      Er hat einfach eine Erklärung abgegeben.

      Das hat mich dazu gebracht, mich zu fragen, warum Johannes
      diese Aussage genau in dieser Form festgehalten hat und warum
      der Herr sich entschieden hat, am Ende seines Leidens
      auf diese Weise zu sprechen.

      Johannes erzählt uns, dass Jesus schon gesagt hatte:
      „Ich habe Durst“, und nachdem er den sauren Wein bekommen hatte,
      sagte er: „Es ist vollbracht“, neigte dann
      sein Haupt und gab seinen Geist auf (Johannes 19,28–30).

      Es war also keine zufällige Aussage,
      die irgendwo in der Mitte
      der Kreuzigung fiel. Sie kam am Ende.

      Es war nicht der Schrei von jemandem, der die Kontrolle verliert,
      sondern die Erklärung von jemandem, der wusste,
      dass das Werk, das ihm vom Vater gegeben worden war,
      sein bestimmtes Ende erreicht hatte.

      Das Johannesevangelium hat uns darauf vorbereitet.
      Immer wieder spricht Jesus davon,
      dass er vom Vater gesandt wurde, den Willen des Vaters tut
      und das Werk vollendet, das ihm aufgetragen wurde.

      In Johannes 4,34 sagt Jesus, dass seine Nahrung darin besteht,
      den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat,
      und sein Werk zu vollenden.

      In Johannes 17,4 sagt er vor dem Kreuz:
      „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und
      das Werk vollbracht, das du mir aufgetragen hast.“

      Wenn wir also zu Johannes 19,30 kommen,
      geht es bei „Es ist vollbracht“ nicht nur darum, dass der Schmerz vorbei ist.
      Es geht darum, dass die Mission erfüllt ist.

      Das hilft uns, den Vers nicht zu oberflächlich zu lesen.

      Jesus sagte nicht einfach:
      „Mein Leben ist vorbei“ oder „Mein Leiden ist zu Ende“.

      Das war in gewisser Weise zwar wahr,
      aber Johannes will, dass wir mehr als das hören.

      Das ganze Evangelium hat Jesus als das Lamm Gottes dargestellt, das die Sünden der Welt wegnimmt (Johannes 1,29), als den, der vom Vater gesandt wurde, als den wahren Hirten, der sein Leben für die Schafe hingibt (Johannes 10,11), und als den Sohn, der bis zum Tod gehorsam ist.

      Wenn er also sagt: „Es ist vollbracht“,
      ist die Bedeutung damit verbunden, dass
      sein Erlösungswerk vollbracht ist.

      Der Gehorsam war vollendet.
      Das Sühneopfer war vollendet.
      Das Werk, zu dem der Vater ihn gesandt hatte,
      war vollendet.

      Ich finde es auch wichtig, darauf zu achten,
      was Jesus nicht gesagt hat.

      Er hat nicht gesagt: „Ich bin am Ende“,
      als wäre er besiegt worden.

      Er sagte: „Es ist vollbracht.“

      Dieser Unterschied ist wichtig.

      Seine Feinde dachten vielleicht,
      sie würden ihn vernichten.
      Die Menge sah vielleicht
      nur einen Mann, der in Schande starb.

      Aber Jesus sprach von einem Werk, das vollendet war.
      Das Kreuz, das wie der Triumph des Bösen aussah,
      war in Wirklichkeit der Ort, an dem der Sohn Gottes
      den Willen Gottes erfüllte.

      Die Welt sah Schwäche.
      Aber der Himmel sah Gehorsam.
      Die Menschen sahen eine Hinrichtung.
      Die Heilige Schrift zeigt ein Opfer.

      Das ist eines der Dinge, die ich
      in diesem Ausspruch so bedeutungsvoll finde.

      Selbst im Tod ist Jesus nicht passiv.
      Er ist sich bewusst, was sein Tod bedeutet.

      Der Ausdruck tetelestai hat auch
      die Bedeutung von Vollendung, Erfüllung,
      etwas zu seinem beabsichtigten Ziel bringen.

      Ich möchte diesem Wort nicht mehr Bedeutung beimessen,
      als der Text zulässt, aber zumindest
      sagt es uns, dass nichts Wesentliches
      unvollendet blieb in dem Werk, das Christus
      am Kreuz vollbringen wollte.

      Die Sühne für die Sünde war nicht nur teilweise.
      Der Gehorsam gegenüber dem Vater war nicht unvollendet.
      Der Weg der Erlösung blieb nicht unvollständig,
      während man darauf wartete, dass die Sünder den fehlenden Teil hinzufügten.

      Jesus starb nicht mit den Worten:
      „Jetzt macht ihr den Rest fertig.“
      Er starb mit den Worten: „Es ist vollbracht.“

      Das hebt nicht die Aufforderung
      zur Umkehr und zum Glauben auf,
      aber es sagt uns, worauf
      unsere Erlösung beruht.

      Sie beruht auf dem vollendeten Werk Christi,
      nicht auf den unvollständigen Bemühungen des Menschen.

      Dies steht auch in engem Zusammenhang
      mit der größeren Geschichte der Heiligen Schrift.
      Von Anfang an brachte die Sünde Schuld,
      Trennung, Fluch und Tod mit sich.

      Das Opfersystem des Alten Testaments
      lehrte Israel, dass Sünde teuer ist
      und dass Sühne Blut erfordert.

      Aber diese Opfer mussten
      immer wieder wiederholt werden.
      Sie wiesen über sich selbst hinaus.
      Sie konnten allein
      keine endgültige Reinigung im vollsten Sinne bringen.

      Christus kam also nicht nur, um dieses Muster fortzusetzen,
      sondern um das zu erfüllen, worauf es immer hingedeutet hatte.

      Wenn er also sagt: „Es ist vollbracht“,
      können wir darin nicht nur das Ende
      seines irdischen Leidens hören, sondern auch die
      Vollendung des Erlösungswerks,
      das diese früheren Zeichen vorweggenommen hatten.

      Das wahre Lamm war geopfert worden.
      Das wahre Opfer war gebracht worden.

      Was das besonders wertvoll macht,
      ist, dass das vollendete Werk nicht nur
      eine theologische Wahrheit ist, die man definieren kann,
      sondern eine rettende Wahrheit, in der man Ruhe finden kann.

      Viele von uns wissen, wie es ist,
      so zu leben, als müssten wir uns
      vor Gott ständig beweisen, als hätte Christus
      die Tür geöffnet, aber unsere Leistung
      müsste sie offen halten.

      Aber das sechste Wort vom Kreuz
      korrigiert diese Art zu denken.
      Wir sind nicht gerettet, weil
      Jesus die Erlösung möglich gemacht hat
      und dann darauf gewartet hat, dass wir
      uns selbst akzeptabel machen.

      Wir sind gerettet, weil der Sohn
      das Werk vollendet hat, das der Vater
      ihm aufgetragen hat.

      Der Glaube vollendet sein Werk nicht.
      Vielmehr nimmt der Glaube es an.

      Und doch macht uns dieses Wort nicht nachlässig.
      Es macht uns demütig. Wenn die Erlösung
      das vollendete Werk des gekreuzigten
      Sohnes Gottes erforderte, dann muss die Sünde viel schwerwiegender sein,
      als wir oft zugeben, und die Gnade
      viel größer, als wir oft verstehen.

      „Es ist vollbracht“ bedeutet, dass unsere Hoffnung außerhalb von uns selbst liegt.
      Es bedeutet, dass die Grundlage unseres Friedens
      nicht unsere Beständigkeit ist,
      sondern die Vollendung Christi.

      Es bedeutet, dass Jesus am Kreuz
      uns nicht nur ein Beispiel für Ausdauer gegeben hat.
      Er hat etwas für uns vollbracht,
      was wir niemals selbst vollbringen könnten.

      Wenn ich über diesen Ausspruch nachdenke,
      bin ich nicht in erster Linie beeindruckt
      von der Schärfe des Satzes,
      sondern von der Vollkommenheit Christi.

      Das sechste Wort lädt uns nicht dazu ein, Jesus
      nur aus der Ferne zu bewundern. Es fordert uns auf, ihm zu vertrauen.

      Derjenige, der sagte: „Es ist vollbracht“,
      ist derselbe, der vollbracht hat,
      was Sünder am meisten brauchten.

      Das Kreuz ist also nicht nur der Ort, an dem
      das Leiden seinen Tiefpunkt erreichte.
      Es ist der Ort, an dem die Erlösung ihr Ziel erreicht hat.

      Und das gibt uns einen stillen,
      aber beständigen Trost: Wenn das Werk Christi
      vollbracht ist, dann steht die Hoffnung der Gläubigen
      auf etwas Vollendetem.

      Unser Gehorsam darf nicht aus dem Gedanken kommen, dass wir uns unsere Erlösung verdienen müssen. Wir gehorchen als Antwort auf die Erlösung, die längst vollendet wurde, als Jesus sagte: TETELESTAI.


      by Jule with no comments yet
    • März 12th“Ich habe Durst“

      Das fünfte Wort Jesu am Kreuz
      bestand aus nur zwei Wörtern.

      „Ich habe Durst.“

      Nur zwei Wörter auf Englisch,
      aber Johannes hat sie nicht
      als nebensächliches Detail behandelt.

      Er schrieb:

      „Danach, als Jesus wusste, dass alles
      jetzt vollbracht war, sagte er
      (um die Schrift zu erfüllen):
      ‚Ich habe Durst‘“ (Johannes 19,28).

      Diese Zeile verdient es, genauer betrachtet zu werden.

      Johannes hat das nicht als
      einen Schrei aus Verwirrung
      oder als eine letzte Aussage
      ohne Bedeutung dargestellt.

      Er hat es sorgfältig formuliert.

      Jesus wusste, dass jetzt alles
      vollbracht war.
      Dann sprach er.

      Selbst hier,
      kurz vor dem Ende seines Leidens,
      verlor Jesus nicht das Bewusstsein
      für das, was geschah.

      Er handelte immer noch
      mit vollem Verständnis.
      Er bewegte sich immer noch
      im Willen des Vaters.
      Und Johannes sagt uns,
      dass auch dieser kleine Satz
      zur Erfüllung
      der Schrift gehörte.

      Das ist wichtig, weil es uns davon abhält,
      „Ich habe Durst“
      als bloße körperliche Beschwerde zu lesen.

      Es war sicherlich körperlich.
      Es kam von einem echten Körper,
      der an einem echten Kreuz hing.

      Johannes hatte schon in seinem ganzen Evangelium
      betont,
      dass das Wort Fleisch geworden ist
      und unter uns gewohnt hat (Johannes 1,14).

      Am Kreuz ist diese Wahrheit
      nicht mehr abstrakt.

      Jesus schien nicht zu leiden.
      Er litt wirklich.

      Die römische Kreuzigung brachte
      massiven Blutverlust,
      Kälte, Schock und starke Dehydrierung mit sich.
      Ein gekreuzigter Mensch hatte Mühe zu atmen,
      wurde schnell schwächer
      und spürte, wie sein Körper
      unter der Last der Schmerzen zusammenbrach.

      Als Jesus also sagte:
      „Ich habe Durst“,
      zeigte uns die Heilige Schrift
      etwas Notwendiges.

      Der Sohn Gottes hat uns nicht
      aus der Ferne erlöst.
      Er hat sich voll und ganz
      auf die Schwäche des menschlichen Fleisches eingelassen.

      Er nahm einen Körper an,
      der hungern,
      müde werden,
      bluten
      und Durst haben konnte.

      Johannes sagt uns auch,
      dass diese Aussage die Heilige Schrift erfüllte.

      Höchstwahrscheinlich verweist er damit
      auf Psalm 69,21:

      „Als ich Durst hatte, gaben sie mir
      sauren Wein zu trinken.“

      Dieser Zusammenhang ist wichtig.

      Jesus starb nicht einfach nur.
      Er starb als der gerechte Leidende,
      von dem in den Psalmen die Rede ist.

      Sein Leiden war kein Zufall.
      Es entfaltete sich innerhalb des Musters,
      das Gott bereits offenbart hatte.

      Selbst der Durst Christi
      lag nicht außerhalb
      der geschriebenen Absichten Gottes.

      Das macht diesen Moment noch schwerwiegender.

      Derjenige, durch den
      alle Dinge geschaffen wurden,
      hing nun in Schwäche.

      Derjenige, der einst sagte:
      „Wenn jemand Durst hat,
      der komme zu mir und trinke“
      (Johannes 7,37),
      sagt jetzt:
      „Ich habe Durst.“

      Das Johannesevangelium will, dass wir
      diese Spannung spüren.

      Der Geber des lebendigen Wassers
      trat in die Trockenheit des Todes ein.

      Derjenige, der andere sättigte,
      unterwarf sich selbst
      der völligen menschlichen Not.

      Und er tat dies nicht,
      weil ihm die Kraft fehlte.

      Weiter oben im Evangelium
      verwandelte Jesus Wasser in Wein.
      Er sprach von Wasser,
      das zum ewigen Leben sprudelt.
      Er sagte der samaritanischen Frau,
      dass jeder, der von dem Wasser trinkt,
      das er gibt,
      nie wieder Durst haben wird.

      Wenn Johannes also schreibt:
      „Ich habe Durst“,
      zeigt er uns nicht
      einen besiegten Christus.

      Er zeigt uns
      den Preis der Erlösung.

      Jesus blieb nicht dabei,
      nur Hilfe anzubieten.
      Er stieg hinab in die
      vollständige Lage
      derer, die er retten wollte.

      Er sah nicht nur
      das menschliche Leiden.
      Er trat in es ein.

      Er sprach nicht nur
      vom Fluch.
      Er trug ihn
      in seinem eigenen Körper.

      Und in diesem Körper
      war der Durst echt.

      Auffällig ist auch
      die Reihenfolge bei Johannes.

      Jesus sagt dies, nachdem er weiß,
      dass nun alles vollbracht ist.

      Das heißt nicht,
      dass das Leiden leichter geworden war.
      Es bedeutet, dass er sprach,
      weil er wusste,
      dass das Werk, das ihm gegeben worden war,
      sein bestimmtes Ende erreicht hatte.

      Selbst dieses letzte körperliche Detail
      war nicht unbedeutend.

      Die Schrift musste vollständig erfüllt werden,
      nicht nur in den großen Ereignissen
      des Verrats, des Prozesses und des Todes,
      sondern auch hier,
      in einem ausgetrockneten Mund
      und einem durstigen Körper.

      So sorgfältig
      erzählt Johannes die Geschichte.

      Nichts am Kreuz
      ist bedeutungslos.

      „Ich habe Durst“ offenbart daher
      mindestens zwei Wahrheiten,
      die zusammenbleiben müssen.

      Erstens:
      Jesus ist wahrhaft menschlich.

      Er litt nicht symbolisch,
      sondern körperlich.

      Zweitens:
      Jesus ist der gehorsame Messias,
      dessen Leiden
      die Heilige Schrift erfüllt.

      Sein Schmerz war echt,
      und sein Tod war zielgerichtet.

      Das Kreuz war keine
      tragische Unterbrechung.
      Es war der Ort, an dem
      der Sohn bereitwillig
      die ganze Realität des Leidens ertrug,
      um den Willen des Vaters zu erfüllen.

      Und vielleicht ist das der Grund, warum
      dieser kurze Satz
      eine solche Bedeutung hat.

      Er erinnert uns daran, dass
      unsere Erlösung nicht
      durch einen fernen Erlöser gesichert wurde,
      sondern durch einen, der uns so nahe kam,
      dass er Durst verspürte.

      Nah genug, um zu leiden.
      Nah genug, um zu bluten.
      Nah genug, um selbst in den Tod zu gehen.

      Derjenige, der
      Sündern lebendiges Wasser gibt,
      ertrug zuerst Durst
      um ihretwillen.

      Und Johannes lässt mit seiner üblichen Zurückhaltung
      dieses kleine Detail
      lange genug vor uns stehen,
      damit wir verstehen, was für ein Retter
      dort hing.


      by Jule with no comments yet
    • März 9th„Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein“

      Der Typ, der neben Jesus gekreuzigt wurde, hatte keine Zeit, sein Leben in Ordnung zu bringen.

      Keine Zeit, seine Vergangenheit ungeschehen zu machen.
      Keine Zeit, zu zeigen, dass er sich geändert hatte.
      Keine Zeit, das wieder aufzubauen, was die Sünde zerstört hatte.

      Er hatte nur Zeit,
      um Gnade zu bitten.

      Lukas hat diesen Moment
      mit beeindruckender Zurückhaltung festgehalten.

      Der eine Verbrecher verspottete Jesus.
      Aber der andere sprach anders.

      Er wies den Mann neben sich zurecht und sagte:
      „Wir bekommen die gerechte Strafe für unsere Taten;
      aber dieser Mann hat nichts Unrechtes getan“
      (Lukas 23,41).

      Dann wandte er sich an Jesus und sagte:
      „Jesus, denk an mich,
      wenn du in dein
      Reich kommst“ (Lukas 23,42).

      Und Jesus antwortete:
      „Wahrlich, ich sage dir:
      Heute wirst du mit mir
      im Paradies sein“
      (Lukas 23,43).

      Was mir auffällt,
      ist, wie wenig der Mann mitbrachte.

      Er brachte keine Wiedergutmachung.
      Er brachte kein verändertes Leben mit,
      das jetzt zu sehen war.
      Er brachte keine Jahre
      des Gehorsams oder des Dienstes mit.

      Er konnte nicht vom Kreuz herunterkommen,
      um Jesus als sichtbarer Jünger zu folgen.

      Er brachte Schuld,
      Angst, einen sterbenden Körper
      und eine verzweifelte Bitte mit.

      Dieses Detail verdient
      besondere Aufmerksamkeit.

      Wir lesen dies oft
      als eine bewegende Bekehrungsgeschichte,
      und das ist es auch.

      Aber es ist auch ein sehr klares Bild davon,
      was Erlösung nicht ist.

      Er hat sie sich in seiner letzten Stunde nicht verdient.

      Der Mann hatte keine Möglichkeit,
      das, was er kaputt gemacht hatte, wieder gut zu machen.

      Keine Zeit, anderen zu dienen.
      Keine Zeit, Beziehungen wiederherzustellen.
      Keine Zeit, ein Zeugnis aufzubauen.
      Keine Zeit, anders zu leben,
      auf eine Weise, die die Menschen beobachten konnten.

      Alles, was viele Menschen mit
      einer „Wende im Leben” verbinden,
      stand ihm nicht mehr zur Verfügung.

      Und doch antwortete Jesus
      mit absoluter Gewissheit.

      Nicht:
      „Wenn du beweisen kannst, dass das echt ist.”

      Nicht:
      „Wenn du deine Vergangenheit wiedergutmachen kannst.”

      Nicht:
      „Wenn du lange genug durchhältst.”

      Sondern:
      „Heute.”

      Dieses Wort hat Gewicht.

      Jesus stellte den Mann nicht
      auf Bewährung.

      Er verschob die Hoffnung nicht
      auf eine spätere Bewertung.

      Er gab einem schuldigen Mann,
      der nichts zu bieten hatte
      außer seinem Glauben an den,
      der neben ihm starb,
      sofortige Gewissheit.

      Der Kontext macht das
      noch eindrucksvoller.

      Die Kreuzigung war nicht nur eine Hinrichtung.
      Sie war eine öffentliche Schande.

      Der Mann näherte sich Jesus nicht
      aus einer Synagoge, einem Ort der Anbetung,
      oder einem Moment der Wiederherstellung seines Lebens.

      Er hing buchstäblich unter dem Urteil.

      Und von diesem Ort aus
      bekannte er zwei Dinge klar und deutlich.

      Erstens
      bekannte er seine eigene Schuld.

      „Wir bekommen,
      was wir für unsere Taten verdienen.“

      Zweitens
      gestand er die Unschuld
      und Königswürde Jesu.

      „Dieser Mann hat nichts Unrechtes getan.“

      „Denk an mich,
      wenn du in dein Reich kommst.“

      Das war keine ausgefeilte Theologie.
      Aber es war echter Glaube.

      Er sah genug, um zu wissen,
      dass der Mann neben ihm
      mehr war als nur ein weiteres
      verurteiltes Opfer.

      Er war ein König,
      selbst am Kreuz.

      An dieser Stelle gewinnt das Sprichwort
      an Tiefe.

      Der Dieb konnte nicht herunterkommen, um Jesus zu folgen.
      Also versprach Jesus, ihn zu sich zu holen.

      Er konnte sich die Nähe nicht verdienen.
      Jesus schenkte sie ihm.

      „Du wirst mit mir sein.“

      Diese Worte sind vielleicht
      der tiefste Trost
      im ganzen Satz.

      Das „Paradies“ ist wichtig.
      „Heute“ ist wichtig.
      Aber vor beidem
      steht dieses
      „bei mir“.

      Die Erlösung wurde nicht zuerst
      als Flucht vor der Strafe beschrieben,
      sondern als Hineinbringen
      in die Gegenwart Christi.

      Der Mann bat darum, in Erinnerung behalten zu werden.
      Jesus antwortete mit Gemeinschaft.

      Er bat um einen Platz
      im zukünftigen Reich.
      Jesus schenkte ihm sofortige Gemeinschaft.

      Das öffnet das Herz
      des Evangeliums.

      Der Dieb steht in der Geschichte
      als jemand, der sich nicht
      hinter Verdiensten verstecken kann.

      Er ist zu nah am Tod,
      um etwas vorzutäuschen.

      Er kann nicht
      auf eine gute Bilanz verweisen.
      Er kann sich nicht
      auf religiöse Werke berufen.
      Er kann nicht mit Gott verhandeln.

      Er kann sich nur
      Jesus anvertrauen.

      Und Jesus nimmt ihn auf.

      Das heißt nicht,
      dass Reue unnötig war.

      Der Mann hat echt Buße getan.
      Seine Worte machen das deutlich.

      Aber selbst seine Buße
      war keine Tat,
      die ihm die Erlösung verdient hätte.

      Es war die leere Hand,
      die sich nach Christus ausstreckte.

      Deshalb ist dieses Wort
      vom Kreuz so wichtig.

      Es zeigt, dass die Erlösung
      nicht davon abhängt, wie viel Zeit
      einem Sünder noch bleibt,
      sondern davon, dass der Erlöser, der rettet,
      ausreicht.

      Die letzte Stunde des Diebes
      reichte nicht aus,
      um ein neues Leben aufzubauen.

      Aber sie reichte aus,
      damit Jesus ihm eines schenkte.

      Wenn ich diesen Abschnitt langsam lese,
      wird mir bewusst, dass das Kreuz
      nicht nur Schuld offenbart.

      Es zeigt auch, wie frei Gnade geschenkt wird.

      Ein sterbender Mann bat darum, in Erinnerung zu bleiben.
      Und bevor der Tag zu Ende ging,
      wurde ihm das Paradies mit Christus versprochen.


      by Jule with no comments yet
    • März 9th„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“

      Bevor die Nägel rausgezogen wurden,
      bevor die Menge sich veränderte,
      bevor Gerechtigkeit geübt wurde,
      bevor irgendjemand öffentlich um Gnade bat,
      sprach Jesus Vergebung aus.

      Lukas schrieb die Worte einfach auf:

      „Vater, vergib ihnen,
      denn sie wissen nicht, was sie tun“
      (Lukas 23,34).

      Was mich beeindruckte, war nicht nur,
      dass Jesus vergab,
      sondern wann er es tat.

      Er wartete nicht darauf, dass die Soldaten aufhörten.
      Er wartete nicht darauf, dass die Spottrufe verstummten.

      Er wartete nicht darauf, dass zuerst Reue
      in der Menge aufkam.

      Er sprach Vergebung aus,
      während die Sünde noch begangen wurde.

      Dieser Zeitpunkt ist wichtig.

      Wir denken oft, dass Vergebung erst kommt,
      nachdem jemand was zugegeben, sich geändert oder sich entschuldigt hat.

      Aber hier hat Jesus gesprochen,
      bevor irgendwas davon zu sehen war.

      Das Gebet kam, während seine Hände
      noch durchbohrt wurden,
      während er öffentlich beschämt wurde,
      während die Leute um ihn herum
      seine Kleider unter sich aufteilten,
      als ob sein Leiden nichts bedeutete.

      Lukas wollte, dass wir
      diese Worte in genau dieser Situation hören.

      Das war keine Vergebung, die ausgesprochen wurde,
      nachdem der Schmerz vorbei war.

      Es war Vergebung, die ausgesprochen wurde,
      mitten in diesem Schmerz.

      Die Kreuzigung selbst macht
      diesen Moment noch schwerer.

      Die römische Kreuzigung war nicht nur
      eine Methode, um den Gekreuzigten zu töten.
      Sie sollte Schande bringen,
      demütigen und Macht demonstrieren.

      Das Opfer wurde entkleidet, öffentlich hochgehoben
      und vor den Zuschauern bloßgestellt.

      Die Römer hatten das Kreuz so gestaltet,
      um die Gekreuzigten zum Schweigen zu bringen und zu erniedrigen.

      Doch an diesem Ort
      antwortete Jesus nicht mit Flüchen.
      Er antwortete mit Fürbitte.

      Dieses Detail verdient besondere Aufmerksamkeit.

      Er sagte nicht:
      „Ich vergebe euch.“

      Vielmehr sagte er:
      „Vater, vergib ihnen.“

      Selbst während er litt,
      handelte er weiterhin
      als unser Mittler.

      Er ertrug nicht nur Gewalt.
      Er stand zwischen den Sündern
      und dem Urteil,
      das sie (wir) eigentlich verdient hätten.

      Das macht sein Gebet so bedeutungsvoll.

      Jesus ignorierte die Sünde nicht.
      Er benannte ihre Blindheit.

      „Sie wissen nicht, was sie tun.“

      Das war keine Leugnung der Schuld.
      Es war eine Aufdeckung derselben.

      Ihre Sünde war real,
      aber ihre Blindheit war es auch.
      Sie begingen
      die dunkelste Tat der Geschichte,
      ohne die Herrlichkeit desjenigen,
      den sie kreuzigten,
      vollständig zu erkennen.

      Und dennoch betete Jesus für sie,
      noch immer trat Jesus für sie ein.

      Am Kreuz
      starb Jesus nicht nur.
      Er tat genau das,
      was sein Tod bewirken würde.

      Er trug die Sünde
      und gewährte gleichzeitig Gnade.

      Bevor die Menge ihn verstand,

      Bevor die Menge ihn verstand,
      bevor der Hauptmann ihn bekannte,
      bevor sich einer der Diebe ihm zuwandte,
      wurde bereits
      vom Kreuz aus Vergebung ausgesprochen.

      Er wartete nicht darauf, dass sich die Welt
      änderte und Gnade verdiente.
      Er kam, weil sie es nicht tat
      und es niemals tun würde.

      Das macht
      dieses erste Wort so eindringlich.

      Das Gebet wurde nicht gesprochen,
      nachdem die Erlösung vollbracht war,
      sondern während sie erkauft wurde.

      Selbst hier offenbarte Jesus
      das Herzstück seiner Mission.

      Er kam nicht nur,
      um unter den Händen der Sünder zu leiden.

      Er kam, um an ihre Stelle zu treten
      und den Vater zu bitten, ihnen Gnade zu erweisen,
      eine Gnade, die sie sich niemals
      selbst verdienen konnten.

      Wenn ich das langsam lese,
      werde ich daran erinnert, dass das Kreuz
      nicht nur der Ort war,
      an dem der Zorn getragen wurde.

      Es war auch der Ort,
      an dem zum ersten Mal
      Vergebung über die Schuldigen
      von demjenigen ausgesprochen wurde, den sie durchbohrt hatten.

      Und irgendwie verändert das die Szene
      auf einer ganz anderen Ebene.

      Das Kreuz war immer noch grausam.
      Die Nägel waren immer noch echt.
      Die Schuld der Menschen war immer noch da.

      Aber bevor sich irgendetwas anderes änderte,
      ließ Jesus zuerst die Gnade sprechen.
      Vergebung war das erste seiner
      letzten sieben Worte am Kreuz.


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