
Jesus erzählte mal eine Geschichte über einen Diener, der seinem König eine riesige Schuld schuldete. Die Summe war so groß, dass er sie niemals hätte zurückzahlen können. Als der König den Diener zur Rede stellte, fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat um Geduld. Der König war so gerührt, dass er ihm die ganze Schuld erließ, anstatt die Rückzahlung zu verlangen. In einem einzigen Moment war der Diener frei. Seine Schulden waren getilgt. Seine Last war weg. Alles, was einst gegen ihn sprach, war ausgelöscht.
Aber als der Diener wegging, traf er einen anderen Diener, der ihm einen sehr kleinen Betrag schuldete. Im Vergleich zu der Schuld, die ihm gerade erlassen worden war, war das fast nichts. Doch statt ihm die gleiche Gnade zu gewähren, die er selbst erfahren hatte, packte er den Mann und verlangte sofort die Zahlung. Der Mann fiel nieder und bat um Geduld, aber der Diener lehnte ab und ließ ihn ins Gefängnis werfen.
Als der König hörte, was passiert war, rief er den Diener zurück und erinnerte ihn an die Gnade, die ihm bereits zuteil geworden war. Der Diener war von einer unmöglichen Schuld befreit worden, doch sein Herz war durch die Gnade, die er empfangen hatte, nicht verwandelt worden. Aus diesem Grund wurde der Diener den Folterern übergeben.
Für viele Menschen wurde dieser Teil der Geschichte so interpretiert, dass Gott Gläubige bestrafen wird, wenn sie mit Vergebung zu kämpfen haben. Wenn wir diese Parabel aber im Licht des vollbrachten Werks von Jesus Christus betrachten, wird ihre Bedeutung viel klarer.
Diese Parabel wurde vor dem Kreuz erzählt.
Zu dieser Zeit lebten die Menschen noch unter dem Gesetz, wo Schulden, Rückzahlung und Leistung die Beziehung bestimmten, die die Menschen glaubten, zu Gott zu haben. Jesus benutzte oft Geschichten wie diese, um aufzuzeigen, wie schwer und unmöglich dieses System war. Die Parabel zeigt, wie erdrückend es ist, in einem System zu leben, in dem alles auf Schulden und Rückzahlung basiert.
Aber das Kreuz hat alles verändert.
Durch das vollendete Werk Jesu Christi wurde unsere gesamte Schuld getilgt. Die Bibel sagt, dass die Anklagen, die einst gegen uns standen, weggenommen und ans Kreuz genagelt wurden. Dank Jesus steht der Gläubige nicht mehr als jemand vor Gott, der versucht, eine Schuld zurückzuzahlen. Die Schuld ist bereits vollständig beglichen. Unsere Stellung vor Gott basiert nun vollständig auf dem, was Jesus vollbracht hat.
Was symbolisieren die Folterer nach dem Kreuz?
Sie stehen für die innere Qual, die entsteht, wenn jemand außerhalb der Realität der Gnade lebt, die er empfangen hat. Wenn jemand sich weigert, Gnade zu gewähren, kann sein Herz in Bitterkeit, Wut und Groll gefangen sein. Diese Bitterkeit wird zu einer eigenen Form der Qual. Es ist nicht Gott, der den Gläubigen bestraft. Es ist die schmerzhafte Erfahrung, etwas zu tragen, wofür Jesus bereits bezahlt hat.
Das vollendete Werk zeigt eine andere Art zu leben.
Wir geben anderen keine Gnade, um Gnade von Gott zu bekommen. Wir geben Gnade, weil uns durch Jesus Christus bereits Gnade in vollem Umfang geschenkt wurde. Wenn jemand die Größe der Gnade erkennt, die er bekommen hat, wird sein Herz weich. Vergebung und Gnade gegenüber anderen fließen ganz natürlich aus einem Leben, das das Kreuz versteht.
Die Parabel zeigt letztendlich auf diese Wahrheit.
Jesus hat die Schuld getilgt.
Die Gnade wurde uns frei geschenkt.
Und aufgrund des vollendeten Werkes Christi sind wir nun frei, aus dieser Gnade zu leben, anstatt zu versuchen, sie uns zu verdienen.
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