
Josua 6 erzählt von einer der ungewöhnlichsten Schlachten in der Geschichte Israels.
Die Stadt Jericho war total abgesperrt.
Ihre Mauern waren nicht nur symbolisch,
sondern echte Verteidigungsanlagen,
die das Eindringen verhindern sollten.
Menschlich gesehen hatte Israel weder
die Ausrüstung noch die Erfahrung,
um solche Befestigungsanlagen zu durchbrechen.
Aber der Herr gab ihnen keine
konventionelle Strategie.
Er befahl ihnen, zu Fuß zu gehen,
die Stadt sechs Tage lang einmal täglich zu umrunden
und am siebten Tag sieben Mal um sie herumzulaufen,
während die Priester vor der
Bundeslade Trompeten bliesen (Josua 6,3–5).
Die Lade, ein Symbol für die Gegenwart des Herrn,
stand im Mittelpunkt des Umzugs.
Der Kampf wurde daher nicht
als Kampf Israels gegen die Mauern Jerichos dargestellt,
sondern als Handeln des Herrn im Namen
seines Bundesvolkes.
Als das Volk schließlich schrie,
fiel laut Josua 6,20 die Mauer „flach“.
Der Schwerpunkt liegt hier nicht auf militärischer Strategie,
sondern auf der Erfüllung dessen, was Gott bereits
in Josua 6,2 versprochen hatte:
„Siehe, ich habe Jericho in deine Hand gegeben.”
Einige haben vermutet, dass die eingestürzten Mauern
eine Art Rampe in die Stadt gebildet haben könnten.
Und unabhängig davon, ob dieses Detail
historisch rekonstruiert werden kann oder nicht,
lenkt die Bibel selbst unsere Aufmerksamkeit
auf etwas anderes, etwas Wichtigeres.
Die theologische Bedeutung dieser Siegesgeschichte
liegt im vertrauensvollen Gehorsam.
Hebräer 11,30 reflektiert später dieses Ereignis
und sagt: „Durch den Glauben fielen die Mauern von Jericho.“
Das Neue Testament feiert nicht
den architektonischen Einsturz, sondern betont das Vertrauen in Gottes Wort.
Die Mauer, die Israel fernhalten sollte,
konnte sich letztendlich nicht gegen den Plan des Herrn behaupten.
Was wie ein Hindernis aussah,
wurde Teil des Sieges.
Die tiefere Lehre ist jedoch nicht, dass
jede Schwierigkeit sichtbar zu
Fortschritt oder sofortigem Erfolg führt.
Die tiefere Lehre ist, dass Gott
seine Ziele durch Gehorsam erreicht, der
vielleicht klein, sich wiederholend oder sogar unscheinbar wirkt.
Das Kreuz Christi ist das
deutlichste Beispiel für dieses Muster.
Was wie eine Niederlage aussah,
wurde zum Mittel der Erlösung.
Das Instrument der Hinrichtung wurde
zur Grundlage der Versöhnung.
In diesem Sinne verschwendet Gott nichts,
was wie ein Verlust aussieht.
Auch dort war der Weg mit Leiden,
Warten und Missverständnissen verbunden,
bevor das Licht der Auferstehung aufging.
Für uns bedeutet das eine ruhigere Art von Zuversicht.
Kämpfe fühlen sich vielleicht nicht immer wie
Brücken zu offensichtlichem Segen an.
Manchmal läutern, korrigieren oder demütigen sie uns.
Aber in den Händen eines souveränen
und treuen Gottes sind sie nicht leer.
Derselbe Herr, der die Mauern von
Jericho zum Einsturz brachte, bleibt auch jetzt
seinen Verheißungen treu.
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