
Als Lukas die Anweisungen Jesu vor dem Einzug in Jerusalem aufschrieb, fügte er ein Detail hinzu, das auf den ersten Blick vielleicht unnötig erscheint.
Jesus sagte zu zwei seiner Jünger:
„Geht in das Dorf, das vor euch liegt,
und wenn ihr dort ankommt, werdet ihr
ein Fohlen finden, das dort angebunden ist und auf dem noch nie jemand
geritten ist. Bindet es los und bringt es her.“
(Lukas 19,30)
Der Befehl selbst war schon ungewöhnlich genug.
Die Jünger sollten ein Eselchen finden,
es losbinden und zu ihm bringen.
Aber Lukas hielt eine kleine Beobachtung fest,
die genauer betrachtet werden sollte.
„Das Fohlen war noch nie geritten worden.“
Auf den ersten Blick mag das wie
eine einfache Beschreibung erscheinen.
Doch die Evangelisten fügen selten
Details ohne Zweck hinzu.
Wenn Lukas erwähnt, dass das Tier
noch nie benutzt worden war, ordnet er die Szene stillschweigend
einem bekannten
Muster aus der Heiligen Schrift zu.
In der Welt des Alten Testaments
wurden Tiere, die
für heilige Zwecke ausgesondert waren, oft
auf die gleiche Weise beschrieben.
Es handelte sich um Tiere, die noch nie
ein Joch getragen hatten oder für gewöhnliche Arbeiten eingesetzt worden waren.
Zum Beispiel musste die rote Kuh, die
zur Reinigung verwendet wurde, eine sein,
„auf die noch nie ein Joch gekommen ist“
(4. Mose 19,2).
Der Wagen, mit dem die Bundeslade
von den Philistern zurückgebracht wurde, wurde von Kühen gezogen,
„die noch nie unter dem Joch standen“
(1. Samuel 6,7).
Das Prinzip dahinter war einfach.
Was für einen heiligen Zweck bestimmt war,
wurde nicht zuerst für gewöhnliche Aufgaben verwendet.
Es wurde ausgesondert.
So betrachtet, gewinnt die Beschreibung
des Fohlens an Bedeutung.
Das Tier, das Jesus für seinen Einzug
in Jerusalem wählte, war nicht einfach nur verfügbar,
es war auch nicht durch gewöhnlichen Gebrauch beeinträchtigt.
Gleichzeitig erfüllte diese Handlung
eine Prophezeiung, die schon lange
mit dem kommenden König Israels verbunden war.
Sacharja hatte zuvor geschrieben:
„Freue dich sehr, Tochter Zion!
Juble, Tochter Jerusalem!
Siehe, dein König kommt zu dir,
gerecht und siegreich,
demütig und auf einem Esel reitend,
auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.“
(Sacharja 9,9)
Als Jesus auf einem Fohlen in Jerusalem einreitet,
war das nicht nur eine
spontane, dramatische Geste.
Er hat bewusst eine Szene nachgestellt,
die schon Jahrhunderte zuvor in der Bibel beschrieben wurde.
Die Details, die Lukas festgehalten hat, zeigen,
dass sich das Ereignis genau
nach dem Muster dieser Verheißung abspielte.
Die Art und Weise des Einzugs zeigte aber auch, was für ein König Jesus war.
Zum Kontext: In der Antike ritten Könige, die einer Stadt im Krieg näher kamen, normalerweise auf Pferden. Pferde standen für Eroberung und militärische Macht.
Aber ein König, der auf einem Esel ritt, signalisierte was ganz anderes. Es war eine Haltung des Friedens.
Jesus kam nicht als Eroberer mit Armeen nach Jerusalem, sondern als König, dessen Macht nicht auf Gewalt beruhte.
Jesus kam nicht als Eroberer
mit einer Armee nach Jerusalem, sondern als König,
dessen Macht nicht auf Gewalt beruhte.
Das unberührte Fohlen, das ruhig
vor der Stadt wartete, wurde zum Mittel,
durch das sich dieser Moment abspielte.
Dieses kleine Detail bei Lukas erinnert uns daran,
dass die Ereignisse der letzten Woche Jesu
nicht zufällig oder improvisiert waren.
Sogar das Tier, auf dem er ritt, war
in der Heiligen Schrift vorhergesagt und
auf seine Rolle vorbereitet worden.
Der König kam genau so, wie es die Propheten
gesagt hatten, nicht spektakulär, sondern in Demut.
Und durch diesen stillen Einzug kam derjenige, der bald sein Leben geben würde, in die Stadt, in der die Erlösung vollbracht werden sollte.
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