
War der Gnadenthron eine Vorahnung dessen, was Maria Magdalena im Grab gesehen hat?
Ich wusste, dass die Antwort nicht
nur auf Symbolik beruhen konnte.
Sie musste aus dem Text selbst kommen,
langsam gelesen und im biblischen Kontext.
In Johannes 20,12 berichtet Johannes, dass
Maria Magdalena zwei Engel in weißen Gewändern sah,
die dort saßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte,
einer am Kopfende und einer am Fußende.
Johannes erklärte nicht, warum sie so positioniert waren.
Er lenkte die Aufmerksamkeit nicht auf ihre Worte.
Er beschrieb einfach, was Maria sah.
Dieses Detail war nicht notwendig,
um die Auferstehung zu beweisen,
aber Johannes nahm es auf.
Das gemeinsame Lesen der Auferstehungsberichte
half mir, dieses Detail richtig einzuordnen.
Die Verfasser der Evangelien versuchten nicht,
eine genaue Anzahl von Engeln anzugeben.
Matthäus und Markus konzentrierten sich auf
einen Engel, weil ein Engel sprach.
Lukas und Johannes erwähnten zwei,
damit der Leser mehr von der Szene sehen konnte.
Aber ich glaube, dass dies keine Widersprüche waren,
sondern vielmehr die erzählerischen Entscheidungen der Autoren.
Als die Berichte nebeneinander gelesen wurden,
ergab sich ein vollständigeres Bild: Es waren
zwei Engel anwesend, auch wenn nicht
jeder Autor darauf einging, beide zu erwähnen.
Was den Bericht des Johannes besonders machte,
war die Haltung und Position der Engel.
Sie saßen, sie standen nicht.
Und sie saßen an den gegenüberliegenden Enden
des Ortes, an dem der Leichnam Jesu gelegen hatte.
Diese Anordnung erinnerte sofort an
die Beschreibung des Gnadenthrons
in Exodus 25,17–22.
Der Gnadenthron befand sich oben auf der Bundeslade,
mit zwei Cherubim an seinen Enden, die nach innen blickten.
Zwischen ihnen, so sagte Gott, würde er sich mit seinem Volk treffen.
Dieser Raum war eng mit der Sühne verbunden,
wo Jahr für Jahr
am Versöhnungstag Blut dargebracht wurde.
Johannes hat die Bundeslade nie erwähnt.
Er hat den Zusammenhang nie erklärt.
Und dieses Schweigen ist wichtig.
Aber für Leser, die mit den Schriften Israels vertraut sind,
wäre die visuelle Parallele nicht fremd gewesen.
Zwei himmlische Wesen, die am Kopf- und Fußende platziert waren
und einen Raum markierten, in dem Sühne stattgefunden hatte.
Die Ähnlichkeit mag nicht exakt sein,
aber sie war stark genug, um zum Nachdenken anzuregen,
anstatt eine Interpretation zu erzwingen.
Die Funktion des Gnadenthrons
half mir, den Zusammenhang zu verstehen.
Der Gnadenthron war nie ein Selbstzweck.
Er wies nach vorne. Er markierte den Ort,
an dem die Sünde vorübergehend bedeckt wurde,
in Erwartung von etwas Vollständigerem.
Am Grab gab es keinen Leichnam,
kein Blut, das erneut geopfert werden musste,
und keinen Priester, der einmal im Jahr eintrat.
Das Opfer war bereits gebracht worden.
Die Engel bewachten den Zugang nicht.
Sie markierten die Vollendung.
Was am meisten auffiel, war die Abwesenheit.
Im Allerheiligsten bedeckte der Gnadenthron
die Bundeslade, und Blut wurde
wiederholt darauf gesprengt.
Im Grab war der Platz zwischen den Engeln leer.
Diese Leere war kein Verlust. Sie war ein Zeugnis.
Das Werk, das der Gnadenthron vorweggenommen hatte, war vollbracht.
Daher würde ich zögern zu sagen, dass der Gnadenthron
ein verstecktes Symbol war, von dem Johannes erwartete, dass jeder es entschlüsseln würde.
Die Schrift behauptet das nicht ausdrücklich.
Aber ich konnte
die Verbindung auch nicht als Zufall abtun.
Johannes ließ die Geschichte Israels
leise in der Auferstehungsszene widerhallen.
Der Gnadenthron wies einst darauf hin,
wo Vergebung erwartet wurde.
Das leere Grab verkündete, wo
die Vergebung vollbracht worden war.
Johannes hat das nicht mit Argumenten erklärt.
Er vertraute darauf, dass aufmerksame Leser es bemerken würden.
Was einst ständige Opfer erforderte, war nun ein für alle Mal erfüllt. Und was über Generationen hinweg symbolisiert worden war, offenbarte sich nun in einem auferstandenen Christus.
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