
Manchmal ist das Mächtigste, was du Gott bringen kannst, nicht Stärke, Talent oder Leistung. Manchmal ist das Mächtigste, was du bringen kannst, einfach deine Not. Das Evangelium zeigt was Überraschendes darüber, wie Gott wirkt. Er wartet nicht, bis die Menschen satt sind, bevor er handelt. Immer wieder in der Bibel greift Gott in Situationen ein, in denen nichts mehr da ist, und dort beginnt seine Versorgung.
Eines der deutlichsten Beispiele dafür findet sich in der Geschichte einer Witwe zur Zeit des Propheten Elisa. Ihre Lage war verzweifelt. Ihr Mann war gestorben und hatte so hohe Schulden hinterlassen, dass die Gläubiger im Begriff waren, ihre beiden Söhne als Sklaven mitzunehmen. Ihr Leben war von Angst und Unsicherheit geprägt. Als Elisa sie fragte, was sie in ihrem Haus habe, antwortete sie ehrlich: „Deine Magd hat nichts im Haus außer einem Krug Öl“ (2. Könige 4,2). Sie präsentierte keine Liste ihrer Ressourcen. Sie gab zu, dass sie fast nichts hatte.
Dann gab Elisa ihr eine ungewöhnliche Anweisung. Er sagte zu ihr: „Geh hinaus und leih dir von allen deinen Nachbarn Gefäße, leere Gefäße und nicht zu wenige“ (2. Könige 4,3). Das Wunder begann nicht mit Überfluss. Es begann mit leeren Krügen.
Die Witwe und ihre Söhne gingen von Haus zu Haus und sammelten Gefäße. Als sie nach Hause kamen, fing sie an, die kleine Menge Öl, die sie hatte, in die Krüge zu gießen. Da passierte was ganz Besonderes. Das Öl floss einfach weiter. Ein Krug wurde voll, dann noch einer und noch einer. In der Bibel steht, dass das Öl so lange floss, bis jedes einzelne Gefäß voll war. Erst als es keine leeren Krüge mehr gab, hörte das Öl auf zu fließen (2. Könige 4,6). Der Vorrat ging nicht zur Neige. Er reichte aus, bis es keine Gefäße mehr gab, in die man das Öl füllen konnte.
Jahre später gibt es einen weiteren Moment, der dieses Muster widerspiegelt. Zu Beginn seines Wirkens nahm Jesus an einer Hochzeit in Kana teil. Während der Feier ging dem Gastgeber der Wein aus, was in dieser Kultur sehr peinlich gewesen sein muss. Jesus gab den Dienern eine Anweisung. In der Bibel steht, dass dort sechs steinerne Wasserkrüge für die jüdischen Reinigungsriten standen, von denen jeder zwanzig oder dreißig Gallonen fasste (Johannes 2,6). Das waren normale Gefäße, die zum Waschen und nicht zum Feiern benutzt wurden. Trotzdem wählte Jesus diese Krüge für sein erstes Wunder.
Die Diener füllten die Krüge mit Wasser, wie er es gesagt hatte. Dann sagte Jesus ihnen, sie sollten etwas davon schöpfen und es dem Festleiter bringen. Als das Wasser probiert wurde, war es zu Wein geworden. Was einst normale Gefäße gewesen waren, enthielten plötzlich etwas viel Größeres als das, was zuvor in ihnen gewesen war.
Wenn man diese Geschichten zusammen betrachtet, ergibt sich ein schönes Muster. In beiden Fällen haben die Gefäße selbst das Wunder nicht bewirkt. Die Krüge hatten nicht die Fähigkeit, Öl zu erzeugen. Die Steinkrüge hatten nicht die Kraft, Wasser in Wein zu verwandeln. Das Wunder kam von demjenigen, der sie füllte.
Dieser rote Faden weist stillschweigend auf das vollendete Werk Jesu Christi hin.
Viele Menschen denken, dass sie sich erst mit genug Gerechtigkeit, Disziplin oder geistlicher Kraft füllen müssen, bevor Gott wirklich in ihrem Leben wirken kann. Aber das Evangelium zeigt was ganz anderes. Das Leben Gottes kommt nicht durch menschliche Anstrengung. Es kommt von Christus. In der Bibel steht: „Und von seiner Fülle haben wir alle Gnade um Gnade empfangen“ (Johannes 1,16). Die Quelle von allem, was der Gläubige bekommt, ist nicht sein eigener Vorrat, sondern der von Gott.
Das heißt, unsere Leere macht uns nicht für Gottes Werk geeignet, und unsere Anstrengungen bringen es auch nicht hervor. Das Kreuz hat uns schon die Gnade gesichert, die wir brauchen. Jesus hat schon die Fülle bereitgestellt, aus der Gläubige jetzt leben. Durch seinen Tod und seine Auferstehung wurde die Barriere zwischen Gott und den Menschen weggenommen, und das Leben Gottes wird jetzt denen, die glauben, einfach geschenkt.
Als die Witwe die Krüge sammelte, schuf sie nicht das Wunder. Sie nahm einfach nur an, was Gott bereitgestellt hatte. Als die Diener die Steingefäße füllten, produzierten sie nicht den Wein. Sie wurden Zeugen dessen, was Jesus verwandelte. Genauso geht es im christlichen Leben nicht darum, aus eigener Kraft geistliches Leben zu produzieren. Es geht darum, das Leben anzunehmen, das aus Christus fließt.
Deshalb verändert das vollendete Werk Jesu alles. Gläubige müssen nicht mehr beweisen, dass sie genug haben. Wir leben aus der Fülle dessen, was Christus bereits vollbracht hat. Die Gnade Gottes beginnt nicht, wenn wir endlich stark genug sind. Sie beginnt, weil Jesus das Werk bereits vollendet hat.
Was einst in unserem Leben leer schien, wird zu dem Ort, an dem sich seine Versorgung zeigt. Nicht weil Leere das Wunder verdient, sondern weil Christus selbst die Quelle von allem ist, was sie füllt.
Das Öl der Witwe reichte aus, bis alle Krüge voll waren. Das Wasser in Kana wurde zum besten Wein des Festes. Beide Geschichten flüstern leise dieselbe Wahrheit, die das Evangelium laut verkündet.
Die Versorgung durch Christus ist größer als die Leere des Kruges. Und aufgrund des vollendeten Werkes Jesu Christi wird das Leben, das du jetzt von ihm empfängst, niemals versiegen.
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