
Heute ging es im Bibelgrundkurs um Abram (1. Mose 11 – 13)
Ein Grundgedanke zog sich durch alle drei Kapitel, ein Gedanke, auf den wir immer wieder in der Bibel treffen:
Jehova liebt uns, bevor wir irgendetwas tolles getan haben. „ER liebt uns zuerst“ und tut uns Gutes. Daraus entsteht eine Beziehung, Dankbarkeit und Liebe auf unserer Seite und aus dieser Liebe heraus kommt alles andere
Als wir Abram in Kapitel 11 begegnen, lebt er mit seiner Familie in Ur, einer reichen Stadt, wo es in den Häusern schon fließendes warmes Wasser gibt. Er ist zu diesem Zeitpunkt kein Anbeter Jehovas, sie beten noch andere Götter an:
„Dann redete Josua zum Volk: »So spricht der Herr, der Gott Israels: Vor langer Zeit lebten eure Vorfahren auf der anderen Seite des Euphrat: Terach mit seinen Söhnen Abraham und Nahor. Sie verehrten dort andere Götter.“
Josua 24:2 HFA
Dennoch spricht Jehova zu Abram und sagt ihm, er solle aus dem Land ausziehen und gibt ihm gleichzeitig ein Versprechen – Abram selbst hat bis hierhin noch nichts getan, womit er sich dessen als würdig erweist. Es ist die unverdiente Güte Jehovas
Es kam die Frage auf, ob Abram sich das nicht durch irgendeine Wesensart verdient haben könne – denn warum spricht Jehova ausgerechnet diesen Mann an? Waren nicht genug andere Menschen da, die ER hätte fragen oder bitten konnte?
Wir sind es aufgrund unserer Vergangenheit als ZJ gewohnt, beim Lesen der Bibel darauf zu achten, was die erwähnten Personen falsch oder richtig gemacht haben, also ist es für uns ganz klar: Abram war etwas besonderes und darum kam Jehova genau zu diesem Mann
Ist es uns schon einmal in den Sinn gekommen, dass Jehova evtl vorher bereits andere Männer angesprochen hatte – und nur Abram darauf reagiert hat?
Wir leiten beim Lesen immer für uns ab, was wir nun tun müssen oder auf gar keinen Fall tun dürfen. Immerhin ist die Bibel ja für uns so eine Art Ratgeber …
Versuchen wir das Ganze doch einmal mit anderen Augen zu sehen und die Bibel nicht in erster Linie als Ratgeber, sondern als „Geschichte aus Gottes Sicht“
Es geht nicht so sehr darum, was oder wie wir sind – auch wenn wir das so gelernt haben – sondern es geht um Jehova, wie ER ist
Schon sieht das alles ganz anders aus, er ist „der ganz andere“, er ist nicht so, wie wir denken, er ist kein harter und fordernder Gott – er ist ein Gott der Liebe, die Bibel sagt sogar, dass er Liebe ist!
Jehova liebt uns, einfach, weil wir seine Kinder sind. Darin besteht unsere Identität. Wir sind das geliebte Kind Gottes, egal, was wir auch tun mögen
Da wir mit Samuel einen Vater einer kleinen Tochter in der Gruppe hatten, kamen wir schnell auf ein Bild, das jeder verstehen wird:
Die Eltern lieben ihr Kind – auch dann, wenn es sich in die Windeln macht oder so noch einpullert (falls es bereits ohne Windel ist). Klar ist es ärgerlich, wenn die Eltern das Kind umziehen müssen und es vermehrte Wäsche bedeutet – aber es ändert nichts an ihrer Liebe, sie wissen, dass so etwas dazu gehört♥️
Jehova reicht jedem von uns immer wieder seine Hand, wir müssen sie nur ergreifen. Auch wenn dies Jahre dauert, so reicht ER sie uns dennoch ohne Unterlass
Gaby erzählte von Gesprächen mit Menschen, die obdachlos sind, seit Jahren Drogen nehmen und einfach nicht davon los kommen. Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass gerade diese Menschen an Gott glauben und fragte sich, warum sie nicht zu Jehova um Hilfe beten
Eine berechtigte Frage
Ich denke, das hat mit dem Bild zu tun, das sie von Gott haben und gerade darum liegt es uns auch so am Herzen, dieses Bild gerade zu rücken
Ein Obdachloser oder jemand, der Drogen nimmt oder was auch immer – du kannst hier gerne dein eigenes Problem einsetzen – so jemand schämt sich und fühlt sich nicht würdig, sich an den Schöpfer zu wenden —-> denn dieser wird ihn ja sicherlich verurteilen
N E I N !!!!!
Das ist eine Lüge!!!!
Das ist, was der Satan uns einreden will und das ist, was uns manche Menschen einreden wollen. Aber das ist NICHT Jehova!!!!
Er kennt dich, er kennt dein Herz und er kennt auch deinen Mangel, aus dem heraus du diese Dinge tust – und es schmerzt ihn. Nicht so sehr, dass du diese Dinge tust, sondern viel mehr, dass du denkst, es könne ihn so sehr abschrecken, dass du dich nicht mehr in seine Nähe traust
„Hä? Aber hatte er denn nicht auch sein Volk Israel verworfen und sogar in eine 70 jährige Gefangenschaft geschickt?“
„Aber die Bibel sagt doch, dass er Sünde verurteilt und dass man die Menschen an ihren Früchten erkennen würde…?“
Ja, das ist alles richtig. Aber bei dieser Argumentation wird das wichtigste außer Acht gelassen: das Herz und der Beweggrund
Jehova hasst es, wenn wir willentlich sündigen, wenn uns egal ist, wie er darüber denkt
Aber: ER verurteilt keinen Menschen, der bereut, was er getan hat und evtl noch tut, weil es sich zu einer Sucht entwickelt hat. Denken wir hierbei auch an das Gleichnis, das Jesus erzählt von dem Schriftgelehrten und dem Pharisäer: er verurteilt den Pharisäer, der sich voller Stolz an die Brust schlägt, weil er ja alles richtig macht und spricht voller Liebe über den Sünder, der sich schämt mit dieser Sünde vor ihn zu kommen
Die meisten negativen Dinge, die wir tun, tun wir, um den Mangel auszufüllen, der an uns nagt: wir alle sehnen uns nach bedingungsloser Liebe, nach nur einem Menschen, der uns so liebt, wie wir sind, dem wir wichtig sind, dessen Aufmerksamkeit und Anerkennung wir haben. Dies ist ein menschliches Grundbedürfnis, etwas womit wir erschaffen wurden
Auf der Jagt nach dem Glück suchen wir überall, an den unwahrscheinlichsten Orten, wir versuchen diesen Mangel, diese Lücke mit allem möglichen zu füllen: Drogen und Alkohol um zu vergessen, Sex, wechselnde Beziehungen, Reichtum und Macht, um Anerkennung zu bekommen und und und
Und Jehova weiß dies, er kennt uns und den Mangel, der an uns nagt
Wenn ich also zb in meiner Kindheit das Gefühl hatte, dass ich „zu kurz komme“, dass meine Eltern mich nicht lieben, dass ich mir die Anerkennung der Eltern verdienen müsse oder ähnliches, dann ist mein Mangel sehr groß. Ich versuche diesen zu füllen, indem ich auf eigene Faust versuche zu bekommen, was mir fehlt:
Meine Eltern haben mich nicht wichtig genommen, ich hatte das Gefühl, nie genug zu sein?
Manche kompensieren das, indem sie zum Workaholik werden, sie wollen unbedingt Karriere machen oder reich werden, weil sie hoffen, dass sie dann die erhoffte Anerkennung finden. Manche Männer gehen immer wieder fremd, um sich die Anerkennung bei Frauen zu holen und und und
Viele wissen nicht, warum sie dies tun. Ein großer Teil fühlt sich hinterher schlecht, das Gewissen schlägt ihnen, aber sie tun es immer wieder, weil es halt schon zur Sucht geworden ist
Da gibt es diejenigen, die diese Lücke füllen, indem sie in Alkohol und Drogen oder Spielsucht Vergessen suchen
Sie können sich selbst nicht leiden
Ok, nehmen wir mal den Mann, der immer wieder fremd geht. Er kann nicht erwarten, dass seine Frau Verständnis hat und das toleriert, vielleicht verlässt sie ihn sogar
Keine Frage, sein Verhalten ist falsch und es ist auch in Jehovas Augen falsch, wir wollen da nichts beschönigen
Aber: Jehova liebt ihn trotzdem.
Wie der Vater sein 3 jähriges Kind liebt, das zwar schon trocken ist, aber unter Stress nachts ab und an noch ins Bett macht – es gehört eben dazu
Ein Mensch, auch ein Christ (!!!), ist nicht vollkommen und so machen wir alle Fehler und jeder, der noch nicht begriffen hat, wie Jehova wirklich ist, wie sehr er bereits auch jetzt (in seiner Sünde) von Jehova geliebt ist, hat es sehr schwer, aus der Sünde heraus zu finden
Denn: so etwas können wir nicht allein, dies schaffen wir nur mit Jehova und dazu ist unter anderem auch das Gebet wichtig. Aber: wie soll das gehen, wenn derjenige sich nicht würdig fühlt, sich Jehova zu nahen?
Mich macht es unglaublich wütend, wenn ich höre, dass dann genau so ein Mensch von den Ältesten zu hören bekommt, dass er erst einmal seine Sünde (Sucht) ablegen müsse, dann könne er auch wieder mit Jehova versöhnt werden
N E I N !!!
Das ist eine Lüge!!!
Jehova liebt dich und er ist auch und gerade jetzt für dich da
Ja, er liebt dich auch jetzt, wo du verschämt in deiner Ecke sitzt
Ja, er liebt dich auch jetzt noch, wo du völlig verdreckt bist. Du darfst zu ihm kommen – denn genau dazu ist Jesus für dich und mich gestorben
Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen – auch nicht unsere Sucht
Auch nicht, wenn wir das so bei den ZJ gelernt haben
Die Bibel spricht eine andere Sprache ♥️
Und nein: ich rede jetzt hier nicht von denen, die bewusst sündigen, denen es egal ist – sondern von denen, die es allein nicht schaffen und die sich nicht trauen, Jehova um Hilfe zu bitten, weil sie jetzt ja noch nackt und verschmutzt sind
Jehova reicht jedem von uns seine Hand, jeden Tag und in jeder Situation – wir müssen sie „nur“ ergreifen
Ich weiß, dass das für jeden in dieser Situation nicht leicht ist und darum lasst uns für all jene beten, die sich selbst nicht trauen
Und bitte, lasst uns sie nicht verurteilen und ihnen nicht sagen, was sie tun müssen – helfen wir ihnen, zu erkennen, wie Jehova ist und beten wir für sie und mit ihnen
In diesem Sinne wünschen wir euch noch einen schönen Abend und eine ruhige und erholsame Nacht 😘
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