
„Martha glaubte, eilte aber dennoch zu Jesus“ 👰🏻♀️
Martha wird in der Bibel mehrfach erwähnt, und jedes Mal wird sie oft missverstanden.
Die meisten erinnern sich an sie als die Frau, die mit dem Bedienen beschäftigt war, während Maria zu Jesu Füßen saß (Lukas 10). Martha wird üblicherweise als zerstreut, ängstlich oder übermäßig praktisch orientiert beschrieben. Doch wenn wir ihre Geschichte aufmerksam lesen, insbesondere in Johannes 11, erkennen wir etwas Tieferes.
Als Lazarus starb, eilte Martha Jesus entgegen.
Ihre ersten Worte waren ehrlich und schmerzlich:
„Herr, wärst du hier gewesen, wäre mein Bruder nicht gestorben.“
Das war kein Unglaube.
Es war Enttäuschung, vermischt mit Glauben.
Dann sagt Martha etwas, das viele übersehen.
„Ich weiß, dass er am Jüngsten Tag auferstehen wird.“
Dieser Satz ist wichtig.
Martha glaubte an die Auferstehung. Sie glaubte an die Theologie. Sie glaubte an Gottes Verheißung für die Zukunft. Aber sie glaubte mit einer gewissen Distanz daran.
Und genau darin liegt die Spannung.
Martha glaubte, Gott könne handeln … nur nicht jetzt.
Jesus lenkt ihren Blick:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“
Nicht „Ich werde sein.“
„Ich bin.“
Jesus korrigierte Marthas Lehre nicht.
Er erweiterte ihre Erwartung.
Martha glaubte an ein zukünftiges Wunder, tat sich aber schwer, an ein gegenwärtiges zu glauben. Sie vertraute auf Gottes Macht für die Zukunft, zögerte aber, seinem Zeitpunkt jetzt zu vertrauen.
Am Grab wird dies noch deutlicher.
Als Jesus darum bittet, den Stein wegzunehmen, widersetzt sich Martha. Sie erinnert ihn daran, dass Lazarus schon vier Tage tot ist. Sie kennt den Geruch des Todes. Ihr Glaube versteht die Auferstehung, aber ihre Sinne verstehen den Verfall.
Das ist die stille Erkenntnis in Marthas Geschichte.
Sie glaubte an Gott, versuchte aber dennoch, ihn zu beherrschen.
Sie vertraute Jesus, drängte ihn aber dennoch.
Sie hatte Glauben, doch hielt sie ihn sorgsam zurück.
Und Jesus wies sie deswegen nicht zurück.
Stattdessen lud er sie ein, mehr zu sehen.
Hier liegt eine tiefe Ermutigung für Gläubige.
Man kann Jesus lieben und trotzdem mit dem richtigen Zeitpunkt hadern.
Man kann an die Wahrheit glauben und trotzdem mit Enttäuschungen kämpfen.
Man kann echten Glauben haben und trotzdem Grenzen setzen, was man von Gott erwartet.
Martha lehrt uns, dass Glaube nicht immer laut oder poetisch ist.
Manchmal ist Glaube praktisch, vorsichtig und ängstlich vor dem, was geschehen könnte, wenn der Stein weggerollt wird.
Aber Jesus beschämt Martha nicht.
Er begegnet ihr.
Er tadelt sie nicht für ihr Zögern.
Er offenbart sich ihr immer deutlicher.
Und am Ende sieht Martha etwas, was sie nie zu sehen erwartet hätte.
Leben, wo Tod war.
Hoffnung, wo Verfall war.
Manchmal glauben wir, wie Martha, an Gottes Verheißungen, zögern aber dennoch, wenn er uns bittet, ihm im Hier und Jetzt zu vertrauen. Wir glauben an seine Fähigkeiten, aber zögern, wenn er uns auffordert, die Kontrolle loszulassen.
Wenn du dich gerade in einer Situation befindest, in der sich dein Glaube echt, aber vorsichtig, stark, aber zurückhaltend anfühlt, dann höre gut zu:
Jesus hat Geduld mit wachsendem Glauben.
Er nimmt ehrliches Zögern nicht übel.
Und manchmal steht das Wunder, auf das wir warten, direkt vor uns und bittet uns, ihm jetzt zu vertrauen, nicht später. 🙏🏼
by Jule with 1 comment