
Hast du dich schon mal gefragt, warum Jesus so oft über Schafe und Hirten gesprochen hat? Für uns heute klingt das vielleicht wie eine einfache Bauernhofgeschichte. Aber für die Leute, die Jesus zuhörten, hatte das Bild eines Hirten eine starke Bedeutung. Es stand für Fürsorge, Schutz, Führung und große Verantwortung. Wenn wir die jüdische Tradition des Hirtenwesens verstehen, ist Jesus nicht mehr nur eine ferne religiöse Idee, sondern wird zu dem, was er wirklich ist – der Hirte, der persönlich gekommen ist, um sein Volk zu retten.
In biblischen Zeiten gehörte das Hirtenwesen zum Alltag in Israel. Hirten führten ihre Schafe zu grünem Gras, damit sie fressen konnten, und zu Bächen, damit sie trinken konnten. Sie schützten sie vor wilden Tieren und Dieben und führten sie durch unwegsames Gelände. Weil Hirten sich Tag und Nacht um ihre Herden kümmerten, wurde dieses Bild zu einer perfekten Beschreibung für Führung und Liebe. Deshalb tauchen Hirten überall in der Bibel auf. Abel hütete Schafherden. Abraham, Isaak und Jakob lebten alle als Hirten. Moses war Hirte, bevor Gott ihn berief, Israel zu führen. David, der später König wurde, war zunächst ein Hirtenjunge auf den Feldern.
Ein wichtiges Detail über das Hirtenwesen in Israel ist, dass die Hirten vor den Schafen hergingen, anstatt sie von hinten zu treiben. Die Schafe folgten dem Hirten, weil sie seine Stimme erkannten. Jesus benutzte dieses Bild aus dem echten Leben, um seine Beziehung zu seinem Volk zu erklären. Er sagte: „Er ruft seine eigenen Schafe mit Namen und führt sie hinaus … Er geht vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme“ (Johannes 10,3–4). Jesus zeigte damit, dass er die Menschen nicht aus der Ferne führt. Er kommt ihnen nahe. Er kennt seine Schafe persönlich und ruft sie mit Namen.
Schon lange vor Jesus haben die Leute in Israel Gott als Hirten beschrieben. Psalm 23 fängt mit den Worten an: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ (Psalm 23,1). Auch Jakob meinte, dass Gott sein ganzes Leben lang sein Hirte gewesen sei (1. Mose 48,15). Mose betete, dass Israel niemals wie Schafe ohne Hirten zurückgelassen werden möge (4. Mose 27,17). Später sprach sich der Prophet Hesekiel gegen Führer aus, die sich nicht um Gottes Volk kümmerten. Im selben Kapitel gab Gott ein unglaubliches Versprechen: „Ich selbst werde meine Schafe suchen und sie finden“ (Hesekiel 34,11). Als Jesus kam und sagte: „Ich bin der gute Hirte“ (Johannes 10,11), erklärte er, dass Gottes Verheißung endlich in Erfüllung gegangen war. Der Hirte war gekommen.
Das macht das Gleichnis vom verlorenen Schaf noch schöner. Jesus sagte, wenn ein Hirte hundert Schafe hätte und eines davon sich verirrte, würde er die neunundneunzig zurücklassen und so lange suchen, bis er das verlorene gefunden hätte (Lukas 15,4). Für die Zuhörer zeigte dies das Herz eines treuen Hirten. Jedes Schaf war wichtig. Wenn der Hirte das verlorene Schaf findet, bestraft er es nicht und lässt es auch nicht alleine zurücklaufen. Stattdessen hebt er es auf seine Schultern und trägt es voller Freude nach Hause (Lukas 15,5). Dies ist ein Bild für Jesus. Er wartet nicht darauf, dass verlorene Menschen sich selbst ändern und zu ihm zurückkehren. Er kommt, um sie zu suchen, und bringt sie nach Hause.
Die Bedeutung dieses Bildes wird noch eindrücklicher, wenn wir auf das Kreuz schauen. Jesus sagte: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe“ (Johannes 10,11). Hirten riskierten manchmal ihr Leben, um ihre Herden vor Wölfen zu schützen, aber Jesus ging noch weiter. Er gab sein Leben für uns. Am Kreuz nahm er das Urteil für die Sünde auf sich und bezahlte den vollen Preis für unsere Erlösung. Der Hebräerbrief nennt ihn „den großen Hirten der Schafe“, der durch das Blut des ewigen Bundes von den Toten auferweckt wurde (Hebräer 13,20). Das Kreuz beweist, dass seine Liebe nicht nur Worte sind. Sie ist vollendet, vollständig und sicher.
Dank des vollendeten Werks Jesu können Gläubige in Frieden statt in Angst leben. Jesus sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen“ (Johannes 10,27–28). Unsere Beziehung zu Gott basiert nicht darauf, dass wir versuchen, uns seine Liebe zu verdienen. Jesus hat unseren Platz beim Vater bereits durch sein vollendetes Werk am Kreuz gesichert. Der Hirte, der uns gerettet hat, ist auch der Hirte, der uns bewahrt.
Das heißt auch, dass unsere Hoffnung nicht darin liegt, dass wir selbst den Weg zurück zu Gott finden, wenn wir uns verirren. Unsere Hoffnung liegt in dem Hirten, der uns sucht. Jesus sagte, er sei gekommen, „um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lukas 19,10). Bei der Erlösung geht es nicht darum, dass Menschen Gott finden. Es geht darum, dass Gott kommt, um uns zu finden.
Wenn du Psalm 23, Hesekiel 34, Johannes 10 und Lukas 15 liest, siehst du, wie sich eine wunderschöne Geschichte entfaltet. Gott hat versprochen, dass er kommen würde, um seine Schafe zu holen. Jesus kam und sagte: „Ich bin der gute Hirte.“ Dann hat er es durch seinen Tod und seine Auferstehung bewiesen. Jetzt kann jeder Gläubige in dieser Wahrheit ruhen: Du gehörst zu dem Hirten, der dich kennt, dich sucht, dich führt und dich für immer hält. Dank Jesus hat der Hirte schon alles getan, was nötig ist, um seine Schafe sicher nach Hause zu bringen.
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