
DIE JÜNGER: GRUNDLAGEN DER EKKLESIA
TAG 3: PHILIP
Der persönlich berufene Jünger und das Spannungsfeld zwischen Logik und Offenbarung
„Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa gehen, und er fand Philippus und sagte zu ihm: ‚Folge mir nach!‘“ (Johannes 1,43)
Philippus ist der erste Jünger in der Bibel, den Jesus persönlich suchte und direkt berief.
Andreas folgte ihm, weil er ihn erkannte.
Petrus folgte ihm, weil er zu ihm gebracht wurde.
Philippus folgte ihm, weil Jesus ihn fand.
Das allein offenbart eine Wahrheit des Reiches Gottes.
Manche werden zu Jesus hingezogen.
Andere werden von ihm gerufen.
Philippus‘ Berufung begann mit einem direkten Wort, nicht mit einem Prozess.
Ohne Vermittler.
Ohne Vorstellung.
Nur ein Befehl.
Folge mir nach!
Philipps Stärke war sein Verstand.
Er dachte tiefgründig nach.
Er berechnete Ergebnisse.
Er schätzte Situationen ein.
Philippus steht für Gläubige, die erst verstehen wollen, bevor sie handeln.
Als er mit der hungrigen Menge konfrontiert wurde, rechnete Philippus sofort nach. „Brot im Wert von zweihundert Denar reicht nicht aus.“
Er war nicht ungläubig.
Er war analytisch.
Philippus zeigt uns, dass Logik nicht der Feind des Glaubens ist, aber ein schlechter Ersatz für Offenbarung.
Hier liegt die Spannung in Philippus‘ Leben: Er wurde durch Offenbarung berufen, aber er lebte oft nach Vernunft.
Als Jesus ihn fragte, wie man die Menge ernähren könne, wäge Philippus das Problem ab, anstatt den Versorger wahrzunehmen.
Später sagte Philippus: „Herr, zeige uns den Vater, und das genügt uns.“
Selbst dann wollte Philippus Klarheit, Erklärung, Beweis.
Die Antwort Jesu ist aufschlussreich.
„Bin ich schon so lange bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt?“
Philippus ging mit Jesus, hatte aber immer noch Schwierigkeiten, ihn vollständig wahrzunehmen.
Philippus‘ Schwäche war nicht Unglaube.
Es war ein übermäßiges Vertrauen auf sein Verständnis.
Er lehrt uns, dass die Nähe zu Jesus nicht automatisch zur Wahrnehmung Jesu führt.
Philippus steht für den Jünger, der lernen muss, über das Offensichtliche hinauszugehen und eine Begegnung zu suchen.
Aber Philippus hatte auch eine wichtige Rolle im Reich Gottes.
Er brachte Nathanael mit.
Philippus wusste, wie man einlädt.
„Komm und sieh.“
Er diskutierte nicht.
Er debattierte nicht.
Er lud einfach dazu ein, etwas zu erleben.
Das ist der entscheidende Moment.
Philippus konnte Jesus nicht immer erklären, aber er wusste, wie er andere zu ihm führen konnte.
Philippus steht für die Ekklesia, die eine Brücke zwischen Theologie und Zeugnis schlägt.
Der Denker, der lernt, zu vertrauen.
Der Rechner, der lernt, sich hinzugeben.
Derjenige, der sagt: „Ich kann nicht alles erklären, aber komm und sieh.“
Die Kirche braucht Petrus, um zu verkünden.
Andreas, um zu verbinden.
Und Philippus, um einzuladen.
In dieser Stunde erheben sich Philippusse.
Nachdenklich. Analytisch. Hungrig nach Klarheit. Und doch auserwählt.
Wenn du das bist, hör mir zu.
Du brauchst nicht alle Antworten, um Jesus nachzufolgen.
Du musst nur seinem Ruf gehorchen.
Was du nicht vollständig erklären kannst, kannst du dennoch treu einladen.
Morgen wenden wir uns Nathanael zu und entdecken, warum Ehrlichkeit ohne Arglist zu einem Tor zur Offenbarung wird.
Pastor Scott
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