
Wenn Worte mehr kosten, als wir denken
Unsere Geschichte steht im Buch der Richter 11,30–40 und spielt in einer der schwierigsten Zeiten in der Geschichte Israels. Die Bibel beschreibt diese Zeit mit einer sehr ehrlichen Aussage. In Richter 21,25 heißt es:
„In jenen Tagen hatte Israel keinen König; jeder tat, was er für richtig hielt.“
Dieser Satz sagt viel über den geistlichen Zustand des Volkes aus. Es herrschte Verwirrung. Es herrschte Unordnung. Die Menschen ließen sich oft von ihren eigenen Ideen leiten statt von Gottes Weisheit. In diesem Umfeld spielt die Geschichte von Jephthah und seiner Tochter.
Jephthah war kein gewöhnlicher Mann. Sein Leben war schon von Anfang an voller Schwierigkeiten. Er wurde von seinen eigenen Brüdern abgelehnt und musste sein Zuhause verlassen. Später, als Israel Hilfe brauchte, baten ihn genau die Leute, die ihn abgelehnt hatten, zurückzukommen und sie anzuführen. Gott nutzte ihn als Krieger, um das Volk gegen die Ammoniter zu verteidigen.
Bevor er in die Schlacht zog, machte Jephthah dem Herrn ein Versprechen. In Richter 11,30–31 sagte er: „Wenn du die Ammoniter in meine Hand gibst, soll alles, was mir bei meiner Rückkehr aus dem Kampf gegen die Ammoniter aus der Tür meines Hauses entgegenkommt, dem Herrn gehören, und ich werde es als Brandopfer darbringen.“
Das klang nach einem starken Versprechen. Es klang leidenschaftlich. Aber es war ein Gelübde, das ohne Weisheit gesprochen wurde.
Gott gab Jephthah den Sieg. Die Schlacht wurde gewonnen. Israel wurde befreit. Aber als Jephthah nach Hause zurückkehrte, passierte etwas Unerwartetes.
Die erste Person, die aus dem Haus kam, war kein Diener. Kein Tier. Es war sein einziges Kind. Seine Tochter kam tanzend vor Freude heraus und feierte den Sieg ihres Vaters.
Die Bibel erwähnt nicht einmal ihren Namen. Doch ihre Reaktion ist seit Jahrhunderten in Erinnerung geblieben.
Diese Passage wird seit vielen Jahren diskutiert. Hat Jephthah seine Tochter tatsächlich geopfert? Oder wurde sie dazu bestimmt, Gott für den Rest ihres Lebens ohne Heirat zu dienen?
Um die Geschichte besser zu verstehen, müssen wir uns ansehen, was die Bibel an anderer Stelle lehrt.
In den Gesetzen, die Israel gegeben wurden, waren Menschenopfer klar verboten. In Levitikus 18,21 heißt es: „Du sollst keines deiner Kinder dem Molech opfern, denn du sollst den Namen deines Gottes nicht entweihen. Ich bin der Herr.“
Auch in Deuteronomium 12,31 heißt es: „Ihr sollt den Herrn, euren Gott, nicht auf ihre Weise verehren, denn wenn sie ihre Götter verehren, tun sie alle möglichen abscheulichen Dinge, die der Herr hasst. Sie verbrennen sogar ihre Söhne und Töchter im Feuer als Opfer für ihre Götter.“
Gott lehnte diese Praxis eindeutig ab. Aus diesem Grund glauben viele Bibelwissenschaftler, dass Jephthah seine Tochter nicht buchstäblich opferte, sondern sie dem lebenslangen Dienst an Gott weihte.
Es gibt ein interessantes Detail in der Geschichte. Als Jephthahs Tochter von dem Gelübde hört, bittet sie um zwei Monate, um mit ihren Freundinnen in die Berge zu gehen. In Richter 11,37 sagt sie: „Gib mir zwei Monate, um mit meinen Freundinnen in den Bergen zu wandern und zu weinen, denn ich werde niemals heiraten.“
Beachte etwas Wichtiges. Sie trauert nicht um ihren Tod. Sie trauert um die Tatsache, dass sie niemals heiraten und niemals Kinder haben wird.
Später heißt es in der Bibel in Richter 11,39:
„Er tat mit ihr, wie er gelobt hatte. Und sie war jungfräulich.“
Der Fokus liegt wieder darauf, dass sie unverheiratet bleibt.
In der Kultur Israels war die Familienlinie echt wichtig. Nie zu heiraten und nie Kinder zu haben bedeutete, eine Zukunft aufzugeben, die die meisten Frauen erwarteten. Es bedeutete ein Leben voller Hingabe und Opfer.
Ob man nun glaubt, dass das Gelübde zu einem buchstäblichen Opfer oder zu lebenslanger Hingabe führte, die Botschaft ist klar. Jephthah sprach, ohne sorgfältig nachzudenken.
Er versuchte, einen Handel mit Gott zu machen.
Aber Gott hat ihn nie gebeten, dieses Versprechen zu geben.
Wie oft machen wir etwas Ähnliches?
Hast du jemals so etwas gebetet?
Herr, wenn du mir bei diesem Problem hilfst, verspreche ich, dass ich mich ändern werde.
Herr, wenn du mich segnest, werde ich dir mehr dienen.
Manchmal versuchen wir, mit Gott zu verhandeln. Aber echter Glaube verhandelt nicht. Echter Glaube vertraut und gehorcht.
Noch bevor Jephthah dieses Gelübde ablegte, war der Geist des Herrn bereits über ihn gekommen. In Richter 11,29 heißt es: „Da kam der Geist des Herrn über Jephthah.“
Der Sieg lag schon in Gottes Händen. Das Gelübde war nie nötig.
Schau dir jetzt noch mal die Tochter an. Ihre Reaktion ist echt bemerkenswert. In Richter 11,36 sagt sie zu ihrem Vater: „Mein Vater, du hast dem Herrn dein Wort gegeben. Tu mit mir, wie du versprochen hast, jetzt, wo der Herr dich an deinen Feinden, den Ammonitern, gerächt hat.“
Sie rebelliert nicht. Sie beschuldigt ihn nicht. Sie nimmt das Geschehene mit Mut und Glauben an.
In einer Zeit, in der viele Menschen in Israel taten, was sie wollten, zeigte diese junge Frau ein Herz der Hingabe.
Ihr stiller Glaube erinnert uns an eine andere junge Frau viele Jahrhunderte später. Im Lukasevangelium 1,38 sagt Maria: „Ich bin die Magd des Herrn. Dein Wort soll an mir geschehen.“
Beide Geschichten zeigen ein Herz, das bereit ist, Gott zu vertrauen, auch wenn die Zukunft ungewiss ist.
Die Geschichte von Jephthahs Tochter soll nicht sein Gelübde feiern. Sie soll uns warnen.
Gott will mehr Gehorsam als dramatische Versprechen.
Gott will mehr Weisheit als emotionale Worte.
Aus dieser Geschichte können wir drei wichtige Lektionen lernen.
Erstens: Unsere Worte sind wichtig. Was wir vor Gott versprechen, sollten wir nie leichtfertig sagen.
Zweitens kann Glaube Opfer mit sich bringen. Gott zu folgen bedeutet manchmal, persönliche Träume oder Erwartungen aufzugeben.
Drittens kann Gott auch durch menschliche Fehler wichtige Lektionen lehren.
Es gibt auch einen starken Kontrast, den wir beachten sollten.
Die Geschichte von Jephthah zeigt einen Vater, der seine einzige Tochter wegen eines törichten Gelübdes opferte.
Aber Jahrhunderte später gab unser himmlischer Vater seinen einzigen Sohn aus einem ganz anderen Grund.
Im Johannesevangelium 3,16 heißt es in der Bibel: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“
Das eine Opfer entstand aus menschlicher Impulsivität.
Das andere entstand aus vollkommener Liebe und einem geplanten Erlösungsplan.
Und die Geschichte von Jesus endete nicht in Trauer. Sie endete in Sieg.
Was wirklich mit Jephthas Tochter passiert ist, wird immer ein bisschen geheimnisvoll bleiben. Aber die Botschaft der Geschichte ist klar.
Ein Vater hat zu schnell geredet.
Eine Tochter musste dafür bezahlen.
Und Israel hat sich diese Lektion gemerkt.
Lasst uns also aus dieser Geschichte lernen.
Lasst uns vorsichtig sein, wenn wir vor Gott reden.
Lasst uns vermeiden, mit ihm zu verhandeln.
Und lasst uns daran denken, dass echte Hingabe nichts mit großen Versprechungen zu tun hat.
Echte Hingabe bedeutet, jeden Tag gehorsam zu sein.
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Wenn wir gemeinsam auf Gott vertrauen
Diese Botschaft kommt aus der schönen Geschichte im Lukasevangelium, Kapitel 1. Es ist die Geschichte von Zacharias und Elisabeth.
Ihr Leben zeigt uns, wie wir auf Gottes Plan vertrauen können, nicht alleine, sondern gemeinsam.
In Lukas 1,6 heißt es:
„Beide waren vor Gott gerecht und lebten untadelig nach allen Geboten und Vorschriften des Herrn.“
Das ist eine starke Beschreibung. Sie waren treu. Sie waren gehorsam. Sie ehrten Gott.
Aber dann heißt es in Vers 7:
„Sie hatten aber keine Kinder, weil Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren schon sehr alt.“
Treu.
Gehorsam.
Und trotzdem warteten sie.
Hast du das schon mal so empfunden? Du betest. Du dienst. Du gehorchst. Aber die Antwort kommt nicht.
Elisabeth lebte in einer Kultur, in der Kinder als Segen und Zeichen der Gunst angesehen wurden. Keine Kinder zu haben, brachte Schande mit sich. Zacharias war Priester. Er stand vor den Menschen und diente im Tempel, während er still seine eigene Enttäuschung trug.
Das zeigt uns etwas Wichtiges.
Man kann gerecht sein und trotzdem warten.
Man kann gehorsam sein und trotzdem das Gefühl haben, keine Antwort zu bekommen.
Man kann Gott dienen und trotzdem eine Last im Herzen tragen.
Aber sie haben sich nicht gegeneinander gewandt. Sie haben sich nicht gegenseitig Vorwürfe gemacht. Sie blieben vereint. Sie vertrauten gemeinsam auf Gott.
Wenn Versprechen auf sich warten lassen, kann es leicht passieren, dass Paare sich voneinander entfernen. Der Feind schafft gerne Spaltungen in Zeiten des Wartens. Aber Zacharias und Elisabeth blieben einander treu.
Dann, eines Tages, als Zacharias im Tempel diente, erschien ihm der Engel Gabriel. In Lukas 1,13 heißt es:
„Der Engel sagte zu ihm: ‚Fürchte dich nicht, Zacharias, dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihn Johannes nennen.‘“
Nach Jahren des Schweigens sprach endlich der Himmel.
Kannst du dir diesen Moment vorstellen? Jahrzehntelange Gebete. Jahrzehntelange stille Tränen. Und plötzlich eine Antwort.
Aber Zacharias hatte damit zu kämpfen. In Lukas 1,18 fragte er:
„Wie kann ich mir dessen sicher sein? Ich bin ein alter Mann und meine Frau ist schon in fortgeschrittenem Alter.“
Selbst gläubige Menschen können zweifeln. Selbst starke Gläubige können Gottes Zeitplan in Frage stellen.
Wegen seines Zweifels konnte Zacharias eine Zeit lang nicht sprechen. Aber beachte Folgendes: Gott hat seine Verheißung nicht zurückgenommen. Gott hat seinen Plan nicht geändert.
Unsere Schwäche macht seine Treue nicht zunichte.
Elisabeth reagierte anders. In Lukas 1,25 sagte sie:
„Der Herr hat das für mich getan“, sagte sie. „In diesen Tagen hat er mir seine Gnade erwiesen und meine Schande unter den Menschen weggenommen.“
Als der eine kämpfte, blieb der andere standhaft. Das ist es, gemeinsam auf Gott zu vertrauen.
Neun Monate lang konnte Zacharias nicht sprechen. Stell dir ihr Zuhause während dieser Zeit vor. Still. Nachdenklich. Wartend.
Manchmal lässt Gott Stille zu. Nicht, um uns zu schaden, sondern um uns zu formen. Stille kann den Glauben vertiefen. Sie kann uns Geduld lehren. Sie kann die Einheit stärken.
Ihre Stille war nicht umsonst. Sie war Vorbereitung.
Als das Baby geboren wurde, wollten die Leute es nach seinem Vater Zacharias nennen. Aber Elisabeth sagte in Lukas 1,60:
„Nein! Er soll Johannes heißen.“
Sie schauten Zacharias an, um Bestätigung zu bekommen. In Lukas 1,63 heißt es:
„Er bat um eine Schreibtafel und schrieb zur Überraschung aller: ‚Sein Name ist Johannes.‘“
Und sofort konnte er wieder sprechen.
Die Übereinstimmung mit Gott löste Lobpreis aus.
In der Einheit liegt Kraft. Wenn Mann und Frau mit Gottes Wort übereinstimmen, verändert sich etwas. Wenn Familien im Glauben zusammenstehen, bricht etwas. Wenn Gläubige sich im Vertrauen vereinen, fließt Segen.
Ihr Sohn, später bekannt als Johannes der Täufer, würde den Weg für Jesus bereiten. Was sie für eine private Enttäuschung hielten, war Teil eines größeren Plans.
Ihre Verzögerung trug Schicksal in sich.
Ihr Schmerz trug einen Sinn in sich.
Ihr Warten bereitete den Weg für den Erlöser.
Lass mich dich vorsichtig fragen.
Was wäre, wenn deine Zeit des Wartens mit etwas verbunden wäre, das größer ist als du selbst?
Was wäre, wenn die Verzögerung keine Ablehnung, sondern eine Vorbereitung wäre?
Was wäre, wenn Gott etwas aufbaut, das erfordert, dass ihr beide ihm gemeinsam vertraut?
Gemeinsam auf Gott zu vertrauen bedeutet, zu glauben, dass sein Zeitplan weiser ist als unserer.
Bleibt treu, während ihr wartet.
Lasst euch durch die Verzögerung nicht trennen.
Wenn einer schwach wird, soll der andere stark bleiben.
Zacharias und Elisabeth erinnern uns daran, dass Gott niemals zu spät kommt. Er vergisst nichts. Er sieht jede Träne und hört jedes Gebet.
Und wenn die Zeit gekommen ist, verwandelt sich Stille in Gesang.
In Lukas 1,64 heißt es:
„Sofort öffnete sich sein Mund, seine Zunge wurde gelöst, und er begann zu sprechen und Gott zu preisen.“
Der Gott, der ihre Geschichte geschrieben hat, schreibt auch weiterhin deine Geschichte.
Vertraue ihm.
Gemeinsam.

Hey Kumpel, es gibt Momente im Leben, in denen der Himmel dich unterbricht.
Nicht, wenn du fastest.
Nicht, wenn du auf einem Gebetsretreat bist.
Nicht, wenn du dich spirituell vorbereitet fühlst.
Einfach im normalen Leben. Maria war nicht wie Zacharias im Tempel. Sie hat kein Weihrauch verbrannt. Sie hat keinen Gottesdienst geleitet. Sie hat einfach ihr Leben in Nazareth gelebt, als der Engel Gabriel ihr erschien. Du kannst das in Lukas 1,26–28 nachlesen.
Denk mal darüber nach. Derselbe Engel war schon Zacharias erschienen. Derselbe Bote. Dieselbe Herrlichkeit. Dieselbe Autorität. Aber die Reaktionen waren total unterschiedlich.
Zacharias war Priester. Erfahren.
Ausgebildet. Er hatte jahrelang um ein Kind gebetet. Als Gabriel ihm sagte, dass Elisabeth schwanger werden würde, fragte er: „Woran soll ich das erkennen?“ Das steht in Lukas 1,18. Mit anderen Worten: Gib mir einen Beweis.
Und der Engel verschloss seinen Mund. In Lukas 1,19–20 steht, dass er stumm sein und nicht sprechen können würde, bis die Verheißung erfüllt sei.
Neun Monate lang war er stumm. Warum? Weil deine Worte wichtig sind, wenn Gott etwas durch dich hervorbringen will. Manchmal kann Zweifel das Schicksal zunichte machen. Und wenn Gott sieht, dass dein Mund dem entgegenwirken könnte, was er zu verwirklichen versucht, kann er dich zum Schweigen bringen, um das zu schützen, was er versprochen hat.
Schau dir nun Maria an. Der Engel sagt ihr, dass sie schwanger werden und einen Sohn gebären wird, der Sohn des Höchsten genannt werden soll. Das steht in Lukas 1,30–33. Sie hat nicht darum gebetet. Sie hat nicht dafür gefastet. Sie hat sich nicht darum beworben.
Die Gnade hat sie ausgewählt. Und ihre Frage war kein Widerstand. Es war Demut, die nach Verständnis suchte.
„Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Lukas 1,34.
Als die Erklärung kam, sagte sie etwas, das mich immer noch jedes Mal erschüttert, wenn ich es lese: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ Lukas 1,38.
Das ist keine einfache Aussage. Das ist Zustimmung zum Himmel. Mit ihren Worten besiegelte sie, was Gott vorhatte.
Sie verhandelte nicht. Sie fragte nicht nach ihrem Ruf. Sie fragte nicht, was Josef denken würde. Sie stimmte einfach zu.
Und hier ist die Lektion: Wenn Gott dir ein Versprechen gibt, kommt es darauf an, wie du es annimmst. Deine Reaktion kann dich entweder mit deinem Schicksal in Einklang bringen oder es verzögern.
Zacharias stellte Fragen und wurde vom Engel zum Schweigen gebracht. Maria gab sich hin, und Gott würdigte ihren Glauben.
Aber was mich noch mehr berührt, ist das, was danach geschah.
Sie ging zu Elisabeth. Das lesen wir in Lukas 1,39–40.
Stell dir das vor. Sie trägt den Retter der Welt in sich. Sie weiß, dass etwas Übernatürliches geschehen ist. Doch als sie das Haus von Elisabeth betritt, kündigt sie sich nicht an. Sie grüßt.
Und als sie grüßt, hüpft das Baby in Elisabeths Bauch. Lukas 1,41.
Das Schicksal erkennt das Schicksal.
Elisabeth fängt an, über sie zu prophezeien (Lukas 1,42–45) und nennt sie gesegnet unter den Frauen. Und dann fängt Maria an zu singen.
„Meine Seele preist den Herrn, und mein Geist freut sich über Gott, meinen Retter. Denn er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut.“ Das steht in Lukas 1,46–48.
Sie nennt sich selbst gering.
Sie sagt: „Der Mächtige hat Großes an mir getan.“ Lukas 1,49. Nicht ich habe es getan. Nicht ich habe es verdient. Er hat es getan.
Dann sagt sie etwas, das zeigt, wie tief sie Gottes Wesen verstanden hat: „Seine Barmherzigkeit währt von Generation zu Generation über alle, die ihn fürchten.“ Lukas 1,50.
Maria feierte nicht nur ihre Schwangerschaft. Sie feierte die Gnade.
Sie sprach davon, wie Gott die Hochmütigen in ihren Herzen zerstreut, wie er die Mächtigen von ihren Thronen stürzt und die Niedrigen erhöht. Lukas 1,51–52. Wie er die Hungrigen mit guten Gaben erfüllt und die Reichen leer ausgehen lässt. Lukas 1,53. Und sie sagt, dass er seinem Diener Israel geholfen hat, in Erinnerung an seine Gnade. Lukas 1,54–55.
In Erinnerung an seine Barmherzigkeit. Sie hat etwas Tiefgründiges verstanden. Es ging nicht um sie. Es ging um einen Gott, der sich erinnert.
Obwohl sie den König der Könige in sich trug, war sie nicht stolz. Sie hat sich selbst nicht groß gemacht. Sie hat den Herrn groß gemacht.
Und dann ist da noch Josef. Wir können nicht Maria feiern und Josef ignorieren.
Stell dir vor, du wärst er. Du planst deine Hochzeit. Du träumst von deiner Zukunft. Und plötzlich ist die Frau, die du liebst, schwanger.
In Matthäus 1,19 steht, dass er ein gerechter Mann war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte. Diese Reife bewahrte das Schicksal.
Dann sprach der Himmel in einem Traum zu ihm (Matthäus 1,20–21). Später, als Gefahr drohte, war es Josef, der angewiesen wurde, das Kind zu nehmen und nach Ägypten zu fliehen. Das siehst du in Matthäus 2,13–14.
Gott hat die Ordnung nicht umgangen. Maria trug die Verheißung. Josef beschützte die Verheißung.
Die Offenbarung der Empfängnis kam zu Maria.
Die Offenbarung des Schutzes kam zu Josef.
Das Schicksal braucht Partnerschaft. Du kannst etwas Mächtiges tragen und trotzdem jemanden brauchen, der von Gott hört, was du trägst.
Aber durch all das blieb Maria standhaft.
Keine Arroganz. Kein Lärm. Keine Show.
Sie hat sich einfach dem Prozess unterworfen.
Das habe ich gelernt: Wenn der Himmel dich unterbricht, sei vorsichtig mit dem, was du sagst. Wenn Gott zu dir spricht, richte deinen Mund nach seinem Wort aus.
Wenn die Gnade dich auswählt, bleib demütig.
Wenn Gott dir in dieser Zeit etwas verspricht, reagiere nicht mit Angst. Lass nicht zu, dass die Logik das erstickt, was der Himmel gesprochen hat. Sag, was Maria gesagt hat.
Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort.
Und dann verherrliche ihn. Denn El Rachum erinnert sich noch immer. Er erhebt noch immer die Niedrigen. Er sättigt noch immer die Hungrigen. Er ehrt noch immer die Demütigen.
Marias Ja hat die Geschichte verändert. Und dein Ja könnte deine Geschichte verändern.
Amen
by Jule with no comments yetBeim Bibelkurs heute Abend sind wir inzwischen bei Johannes angekommen
Nachdem wir uns nun gut 1,5 Jahre in 30 Lektionen mit dem AT aufgehalten haben, sind wir nun an dem Punkt angelangt, an dem die Juden waren, als Jehova alles vorbereitet hatte, dass Jesus auf die Erde kam
Wer zum Grundkurs kommt oder schon einmal da war, der kennt den Standartsatz „das wissen wir ja noch garnicht!“
Warum immer wieder dieser Satz?
Weil wir es gewohnt sind, beim Lesen gleich die Sachen „mit zu lesen“, die wir bereits zu wissen glauben.
Jeder von uns kommt aus irgendeiner christlichen Strömung, die uns geprägt hat. Viele kennen „die Bibel“ bzw die passenden Bibelstellen, die uns überzeugt haben, das zu glauben, was wir glauben
Einige sind es zB gewohnt, bei allem, was sie in der Bibel lesen, zu schauen, inwiefern das auf Jesus hinweist bzw wo wieder mal was ist, was wir tun müssen oder nicht tun dürfen
Wir wollen in dem Grundkurs „Auf festen Grund gebaut“ anders vorgehen. Wir wollen lesen, was da steht – ohne Interpretation. Denn einer der ersten Sätze, der in diesem Kurs prägend ist, kam gleich in der 1. Lektion: „Die Bibel ist Geschichte aus Gottes Sicht“. Wir wollen beim Lesen einmal das, was da steht, buchstäblich nehmen, es sei denn, es wird explizit darauf hingewiesen, dass es „etwas ist, wie…“ bzw ein Gleichnis.
Hast du deine Bibel schon mal aus dieser Perspektove gelesen? Vielleicht hast du ja Lust, dies einmal mit uns zu tun. Wir sind gerne bereit, einen weiteren Kurs zu starten, der wieder bei Lektion 1 und 1. Mose beginnt
Maleachi und Johannes
Letzte Woche hatten wir uns damit beschäftigt, warum Jehova eigentlich Propheten zu den Menschen schickte und warum er dazu Menschen benutzte und keine Engel
Das, was uns als erstes zu den Propheten einfällt, ist die Warnung (vor einem Strafgericht Gottes). Und das stimmt auch: die meisten Propheten Jehovas im AT warnen das Volk Israel davor, dass sie (wieder einmal) auf dem falschen Weg sind und dass sie sich ändern müssen. Sonst würde Jehova nicht weiter an ihrer Seite gehen. Nein, sie selbst werden sich gerade von IHM ab und da er dem Menschen einen freien Willen gegeben hat, darf dieser den auch so nutzen, wie er mag. Jehova lässt uns machen. Aber wenn wir uns von ihm abwenden, dann geht ER nicht mit. Es bedeutet, dass er uns ziehen lässt und es bedeutet auch, dass wir ohne IHN an unserer Seite nun auch nicht mehr den Segen genießen. Wir werden nun nur noch das erreichen, was wir aus eigener Kraft können, er unterstützt uns nicht dabei.
Genau dies ist das, was Jehova meint, wenn er sagt, dass er „dann einen Fluch über sie kommen lässt“. Nicht ER tut ihnen schlimmes, sondern er zieht lediglich seine Hand zurück und wir müssen alleine da durch. Aber das wollten wir ja, wir waren ja der Ansicht, dass wir es ohne ihn besser könnten 🤪
Aber Jehova schickte die Propheten nicht nur, um zu warnen, sondern auch, um die Menschen auf das Kommen des Messias vorzubereiten!
In diesem Zusammenhang haben wir uns heute Abend mit Maleachi beschäftigt, ganz besonders mit dem letzten Kapitel
Am besten, du liest die drei Kapitel mal für dich allein, damit du den Zusammenhang hast, wichtig waren heute Abend diese drei Verse für uns:
„Der Herr, der allmächtige Gott, antwortet: »Ich schicke meinen Boten voraus, der mein Kommen ankündigt und mir den Weg bereitet. Noch wartet ihr auf den Herrn, ihr wünscht euch den Boten herbei, der meinen Bund mit euch bestätigt. Ich sage euch: Er ist schon unterwegs! Ganz plötzlich werde ich, der Herr, in meinen Tempel einziehen. …
Dann aber redeten diejenigen miteinander, die noch Ehrfurcht vor dem Herrn hatten, und der Herr hörte ihnen genau zu. In einem Buch ließ er die Namen aller aufschreiben, die ihn achten und seinen Namen in Ehren halten. So sollten sie immer in Erinnerung bleiben. ,,,
Dann werdet ihr wieder den Unterschied sehen zwischen einem Menschen, der mir die Treue hält, und einem Gottlosen; ihr werdet erkennen, welche Folgen es hat, ob jemand mir dient oder nicht.“
Maleachi 3:1, 16, 18 HFA
Hier ist die Rede von einem Boten, der dem Messias vorausgehen würde und wir haben uns gefragt, ob denn dieser Bote bereits da war. Denn nachdem wir am Abend vom Gründonnerstag gemeinsam das Passah gefeiert hatten um nachzuempfinden, was Jesus und seine Jünger da an diesem Abend gefeiert hatten (und aus dem dann das hervorging, was wir heute als „Abendmahl des Herrn“ feiern), erinnerten wir uns alle an „den Becher Elias“, der auch heute noch bei den Juden mit auf dem Tisch steht, wenn sie das Passah feiern. Wir haben uns erinnert, dass bei der Feier immer ein Jude raus geht, um zu sehen, ob Elia schon kommt.
In diesem Zusammenhang kam die Frage auf, was es denn bedeutet, dass Jesus nun den Becher nimmt, davon trinkt und ihn weiter reicht. War denn er in irgendeiner Hinsicht Elia?
Bei weiterlesen in Lukas Kapitel 1 wurde schnell klar, dass wir die Antwort auf diese Frage sicherlich schon unzählige Male gelesen haben – ohne es zu bemerken…
Am Besten, die liest für dich persönlich mal das ganze erste Kapitel von Lukas. Hier aber schon mal die Lösung:
„Als Herodes König von Judäa war, lebte dort ein Priester namens Zacharias. Er gehörte zur Dienstgruppe Abija. Wie Zacharias stammte auch seine Frau Elisabeth aus der Familie von Aaron. Beide lebten nach Gottes Willen und hielten sich in allem genau an seine Gebote und Ordnungen. Sie hatten keine Kinder, denn Elisabeth konnte keine bekommen, und beide waren inzwischen alt geworden. Wieder einmal tat Zacharias seinen Dienst als Priester vor Gott, weil die Gruppe Abija an der Reihe war. Wie üblich wurde ausgelost, wer zur Ehre Gottes im Tempel den Weihrauch anzünden sollte. Das Los fiel auf Zacharias. Er betrat den Tempel, während die Volksmenge draußen betete. Plötzlich sah er auf der rechten Seite des Räucheropferaltars einen Engel des Herrn stehen. Sein Anblick flößte Zacharias Angst und Schrecken ein. Doch der Engel sagte zu ihm: »Fürchte dich nicht, Zacharias! Gott hat dein Gebet erhört. Deine Frau Elisabeth wird bald einen Sohn bekommen, den sollst du Johannes nennen! Du wirst über dieses Kind froh und glücklich sein, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen. Gott wird ihm eine große Aufgabe übertragen. Er wird weder Wein noch andere berauschende Getränke zu sich nehmen. Schon vor seiner Geburt wird er mit dem Heiligen Geist erfüllt sein, und er wird viele in Israel zum Herrn, ihrem Gott, zurückbringen. Erfüllt mit dem Geist und der Kraft des Propheten Elia wird er das Kommen Gottes vorbereiten: Er wird dafür sorgen, dass die Eltern sich wieder mit den Kindern versöhnen, und die Ungehorsamen werden wieder danach fragen, wie sie Gottes Willen erfüllen können. So wird er das ganze Volk darauf vorbereiten, den Herrn zu empfangen.«“
Lukas 1:5-17 HFA
Hier wird ganz klar gesagt, dass Johannes dieser „Elia“ ist, der Bote, der in Maleachi 3 angekündigt wurde
„Der Herr, der allmächtige Gott, antwortet: »Ich schicke meinen Boten voraus, der mein Kommen ankündigt und mir den Weg bereitet. Noch wartet ihr auf den Herrn, ihr wünscht euch den Boten herbei, der meinen Bund mit euch bestätigt. Ich sage euch: Er ist schon unterwegs! Ganz plötzlich werde ich, der Herr, in meinen Tempel einziehen.“
Maleachi 3:1 HFA
Wir hatten darüber gesprochen, was es bedeutet, „den Weg zu bereiten“: damals gab es noch keine Asphaltwege, überall lagen Steine und so mussten diese erst mal aus dem Weg geräumt werden, bevor der König kommen konnte. Dies verstanden die Juden zur Zeit Maleachis, als er von einem „Wegbereiter“ sprach.
Hier in Lukas wird nun erklärt, was Jehova damit meinte:
„Im Geist und in der Kraft des Propheten Elija wird er dem Herrn als Bote vorausgehen. Er wird die Herzen der Väter zu ihren Kindern umkehren lassen und Ungehorsame zur Gesinnung von Gerechten zurückführen, um so das Volk für das Kommen des Herrn bereit zu machen.““
Lukas 1:17 NBH
Wir haben uns angesehen, was in Lukas über die Eltern von Johannes gesagt wird: sie sind nicht nur beide Leviten, sondern kommen aus der Linie Aarons, der Priesterlinie. Zudem waren sie „hardcore“ Juden, denen es wichtig war, Jehova genau so anzubeten, wie ER es für diese Zeit angeordnet hatte (was bedeutet, dass es zu einem anderen Zeitpunkt andere Vorgaben Jehovas gab und wieder geben würde)
Zur damaligen Zeit gab es so viele Priester, dass man auslosen musste, wer Dienst im Tempel tun durfte. Dieser Dienst bestand darin, dass der Priester zwei mal am Tag Räucherwerk im Heiligsten – dem Wohnzimmer Jehovas – darbrachte, während das Volk draußen im Vorhof betete. Danach kam der Priester wieder raus und sprach den Segen (dazu später mehr)
Nun war also Zacharias an der Reihe. Dies ist sein griechischer Name, im Hebräischen lautet er Sacharja und beides bedeutet „an den Jehova gedacht hat“, der Name seiner Frau Elisabeth bedeutet „die bei Gott schwört“ und der Name Johannes bedeutet „Jehova ist gnädig“
Als Sacharja das Räucherwerk darbringt, erschrickt er und fürchtet sich. Warum? Warum hat er Angst vor dem Engel Jehovas?
Vielleicht denkt er an die Söhne von Aaron, die unerlaubt Räucherwerk dargebracht hatten und die Jehova dafür mit dem Tod strafte.
„»Woran kann ich erkennen, dass deine Worte wahr sind?«, fragte Zacharias erstaunt den Engel. »Ich bin ein alter Mann, und auch meine Frau ist schon alt!«“
Lukas 1:18 HFA
Der Engel kündigt ihm an, dass Jehova seine Gebete erhört hat und er mit seiner Frau Elisabeth einen Sohn haben wird. Zacharias kann es nicht so recht glauben, denn seine Frau ist bereits aus dem gebärfähigem Alter heraus, vom rein menschlichen her ist dies unmöglich
Warum zweifelt er hier? Als gottesfürchtiger Mann ist er ja mit den Schriften bestens vertraut. Mussten ihm nicht die zahlreichen Paare einfallen, die mit der Hilfe Jehovas auch im hohen Altern noch Kinder bekommen haben? Wir denken da an Abraham und Sarah, an Isaak und Rebekka, an die Eltern von Simson, an Erkana und Hanna, die Eltern von Samuel. Es fällt auf, dass Jehova meist durch ein Wunder den Mutterschoß einer Frau öffnet, wenn er etwas Besonderes vor hat
„Der Engel antwortete: »Ich bin Gabriel und stehe unmittelbar vor Gott als sein Diener. Er gab mir den Auftrag, dir diese gute Nachricht zu überbringen. Was ich gesagt habe, wird sich erfüllen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Aber weil du meinen Worten keinen Glauben geschenkt hast, wirst du so lange stumm sein und nicht mehr sprechen können, bis es eintrifft.«“
Lukas 1:19-20 HFA
Der Engel „legt Zacharias ein Schweigegelübde auf“, er wird stumm sein, bis sich das Angekündigte erfüllt hat.
„Inzwischen wartete die Menschenmenge draußen auf Zacharias. Alle wunderten sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er endlich herauskam, konnte er nicht zu ihnen sprechen. Daran erkannten sie, dass er im Tempel eine göttliche Erscheinung gehabt haben musste. Zacharias verständigte sich durch Handzeichen mit ihnen und blieb stumm. Als die Zeit seines Tempeldienstes vorüber war, kehrte er nach Hause zurück.“
Lukas 1:21-23 HFA
Warum wartete das Volk auf ihn?
Weil es eigentlich immer gleich lang dauerte, bis der Priester das Räiucherwerk dargebracht hatte und wieder raus zu ihnen kam
Nun hätten sie ja auch einfach gehen können, warum taten sie es nicht? Ach ja, richtig, sie warteten ja auf den Segen, den der Priester immer sprechen sollte, wenn er raus kam und der auch immer gesprochen wurde.
Hier haben wir also auch die Lösung auf die Frage, woran sie denn erkannt hatten, dass er stumm war. Anstatt den Segen wie gewohnt zu sprechen, verständigte er sich durch Handzeichen.
„Als seine Dienstwoche vorüber war, ging er wieder nach Hause. Bald darauf wurde seine Frau Elisabet schwanger und zog sich fünf Monate völlig zurück. Sie sagte: „Der Herr hat mir geholfen. Er hat meinen Kummer gesehen und die Schande meiner Kinderlosigkeit von mir genommen.““
Lukas 1:23-25 NBH
Obwohl Zacharias stumm war und so nicht mehr für den Dienst im Tempel geeignet war, bleibe er auch noch den Rest seiner Dienstwoche vor Ort und machte Zuarbeiten für die anderen. Wir erinnern uns, dass jemand, an dem irgendeine Behinderung war, nicht für den Priesterdienst geeignet war
Nachdem die Woche um war, ging er nach Hause zu seiner Frau und zeugte mit ihr den verheißenen Sohn
Soviel zu heute
Wie ihr seht: es ist und bleibt spannend 🤗
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