
In der Parabel, die oft als „Der verlorene Sohn“ bezeichnet wird, dachte der jüngere Sohn, dass das Leben in Fülle irgendwo außerhalb des Hauses seines Vaters zu finden sei. Obwohl er bereits an einem Ort lebte, an dem er versorgt war, Identität und Zugehörigkeit fand, bat er um sein Erbe und ging fort. In seinen Augen schien das Leben mit seinem Vater einschränkend zu sein, während das Leben fernab vom Vater aufregend und voller Möglichkeiten erschien. Doch die Geschichte offenbart eine tiefe Wahrheit über das menschliche Herz. Viele Leute denken, dass Erfüllung, Freiheit und Freude irgendwo außerhalb der Gegenwart des Vaters zu finden sind, obwohl ihnen das Leben in Fülle, nach dem sie suchen, eigentlich schon gegeben wurde.
Bevor der jüngere Sohn wegging, lebte er schon in Fülle. Er hatte einen Vater, der ihn liebte, ein Zuhause, Versorgung und ein Erbe, das auf ihn wartete. Aber weil er den Wert dessen, was er schon hatte, nicht erkannte, ging er auf die Suche nach etwas, von dem er glaubte, dass es ihm fehlte. Jesus sagte: „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu zerstören. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Johannes 10,10). Der jüngere Sohn nahm an, dass dieser Reichtum woanders zu finden sei, aber in Wirklichkeit war dieser Reichtum schon immer im Haus seines Vaters vorhanden.
Das gleiche Muster findet sich oft im Leben von Gläubigen. Viele Christen glauben insgeheim, dass in ihrem Leben etwas fehlt. Sie haben das Gefühl, dass sie irgendwo außerhalb von Christus nach mehr Akzeptanz, mehr Frieden, mehr Identität oder mehr Erfüllung suchen müssen. Doch das Evangelium offenbart etwas Außergewöhnliches. Alles, was wir brauchen, wurde uns bereits durch Jesus gegeben. In der Schrift heißt es: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid in ihm erfüllt worden“ (Kolosser 2,9–10). Die Fülle Christi lebt bereits im Gläubigen. Es fehlt nichts.
Der jüngere Sohn ist nicht gegangen, weil es seinem Vater an Versorgung mangelte. Er ist gegangen, weil er der Lüge geglaubt hat, dass es außerhalb der Beziehung etwas Besseres gäbe. Viele Gläubige tappen heute in dieselbe Falle, wenn sie vergessen, was sie in Christus bereits haben. Der Apostel Petrus erinnert uns daran, dass „seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat, was zum Leben und zur Frömmigkeit gehört“ (2. Petrus 1,3). Achte auf die Wortwahl. Nicht einige Dinge. Nicht die meisten Dinge. Alle Dinge. Durch Jesus hat Gott bereits alles bereitgestellt, was für ein Leben voller Sinn, Freude und geistlicher Vitalität notwendig ist.
Die Tragödie des jüngeren Sohnes bestand nicht darin, dass es keinen Überfluss gab. Die Tragödie bestand darin, dass er ihn nicht mehr sah. Er war jeden Tag davon umgeben im Haus seines Vaters, doch seine Augen waren auf ein fernes Land gerichtet. Genauso können Gläubige vergessen, wie reichhaltig das ist, was Christus schon erreicht hat. Paulus betete, dass die Gemeinde die Augen für diese Realität öffnen möge: „Die Augen eures Herzens erleuchtet, damit ihr wisst, zu welcher Hoffnung er euch berufen hat, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen ist“ (Eph 1,18).
Das Leben in Fülle ist nichts, was Gläubige woanders suchen müssen. Es ist etwas, zu dem sie erwachen. Jesus sagte nicht, dass das Leben in Fülle durch Streben oder Suchen kommen würde. Er sagte: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch“ (Johannes 15,4). Das Wort „bleiben“ bedeutet, an dem Ort zu verweilen, zu bleiben, zu leben, der bereits zu einem gehört. Fülle entsteht dadurch, dass man im Leben Christi bleibt, nicht dadurch, dass man sich auf die Suche nach etwas Neuem begibt.
Die gute Nachricht des Evangeliums ist, dass Gläubige keine leeren Menschen sind, die versuchen, sich selbst zu füllen. Sie sind Menschen, die mit Christus erfüllt sind. Paulus schrieb: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kolosser 1,27). Die Fülle, die der jüngere Sohn in dem fernen Land zu finden hoffte, war eigentlich schon im Haus seines Vaters vorhanden. Genauso ist das Leben, das viele Gläubige zu vermissen glauben, aufgrund von Jesus bereits in ihnen vorhanden.
Das Leben in Fülle beginnt in dem Moment, in dem wir uns an diese Wahrheit erinnern. Es fehlt nichts Wesentliches. Christus muss nichts hinzugefügt werden. Im Leben eines Gläubigen geht es nicht darum, Erfüllung außerhalb Gottes zu suchen, sondern darum, die Fülle zu erkennen, die bereits in ihm wohnt. Wenn das Herz sich daran erinnert, dass Christus selbst unser Leben ist, endet die Suche und das Leben in Fülle beginnt von innen heraus gelebt zu werden.
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Viele von euch, die diese Andachten lesen, lieben Jesus wirklich. Ihr wollt eng mit ihm zusammen sein. Ihr wollt, dass euer Leben seine Güte widerspiegelt. Und an manchen Tagen fühlt es sich auch wirklich so an. Euer Herz fühlt sich mit Gott verbunden. Ihr seid dankbar und voller Hoffnung. Das Beten fällt euch leicht. Ihr spürt seine Gegenwart und es scheint, als würde er eure Schritte klar leiten. Aber dann gibt es auch andere Tage. Tage, an denen euch das Leben schwer fällt. Tage, an denen euch die Umstände verwirren. Tage, an denen ihr euch zum Beten hinsetzt und nicht mal wisst, was ihr sagen sollt. In solchen Momenten kann es sich anfühlen, als wäre euer Glaube eine Achterbahnfahrt. An einem Tag fühlt ihr euch stark und spirituell fokussiert, und am nächsten Tag fühlt ihr euch still, müde oder unsicher, ob ihr überhaupt etwas von Gott hört.
Wenn ihr diese Spannung schon mal gespürt habt, möchte ich euch etwas Wichtiges sagen. Es ist nicht seltsam, dass du das fühlst. Du bist ein Mensch. Und ich will ehrlich zu dir sein. Ich erlebe das auch. Es gibt Tage, an denen mein Herz Gottes Güte sehr bewusst wahrnimmt. Aber es gibt auch Momente, in denen der Lärm des Lebens oder der Druck der Verantwortung die Dinge schwer erscheinen lassen. In solchen Momenten lenkt der Heilige Geist mein Herz sanft zurück zu etwas, das sich nie verändert. Er erinnert mich an das vollendete Werk Jesu.
Denn die Stabilität unserer Beziehung zu Gott sollte nie darauf basieren, wie stabil unsere Gefühle sind. Sie basiert auf dem, was Jesus bereits vollbracht hat. Die Schrift sagt, dass wir durch Christus ein Erbe erhalten haben, nachdem wir nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Ratschluss seines Willens wirkt, vorherbestimmt worden sind (Epheser 1,11). Das heißt, selbst wenn das Leben verwirrend ist, versucht Gott nicht, die Dinge hastig in Ordnung zu bringen. Er wirkt bereits innerhalb eines Plans, der durch Christus festgelegt wurde. An Tagen, an denen du nicht verstehst, was geschieht, wird diese Wahrheit unglaublich tröstlich. Das vollendete Werk Jesu hat nicht nur deine Vergebung gesichert. Es hat dir auch deinen Platz in Gottes Plan gesichert.
Es gibt auch Momente, in denen Gläubige den Druck verspüren, perfekt zu beten, als ob die Kraft ihres Gebets darüber entscheidet, wie nah Gott ihnen ist. Aber die Schrift gibt uns eine sehr sanfte Gewissheit. Der Geist hilft uns in unserer Schwachheit, denn wir wissen nicht, worum wir beten sollen, wie es sich gehört (Römer 8,26). Selbst wenn sich deine Gebete unvollständig oder leise anfühlen, bist du darin nicht allein. Der Heilige Geist selbst hilft dir. Das gibt mir so viel Trost. Es gibt Tage, an denen ich still vor Gott sitze und das Gefühl habe, nicht einmal die richtigen Worte zu finden. Und in diesen Momenten erinnert mich der Heilige Geist daran, dass meine Beziehung zum Vater nicht von der Perfektion meines Gebetslebens abhängt. Sie beruht auf dem vollbrachten Werk Jesu.
Eine weitere schöne Erinnerung findet sich in einem Vers, den viele Gläubige übersehen. Die Heilige Schrift sagt, dass wir durch Christus in einem Geist Zugang zum Vater haben (Eph 2,18). Achte auf die Gewissheit in dieser Formulierung. Es heißt nicht, dass wir an unseren besten Tagen Zugang haben könnten. Es heißt, dass wir Zugang haben. Jesus hat diese Tür ein für alle Mal geöffnet. Wenn du dich also emotional ausgeglichen und fröhlich fühlst, hast du Zugang zum Vater. Und wenn dein Herz schwer ist und deine Gebete still sind, hast du immer noch denselben Zugang. Deine Gefühle mögen wie Wellen kommen und gehen, aber das Werk Jesu ändert sich nicht mit ihnen.
Es gibt noch eine andere stille, aber kraftvolle Erinnerung in der Schrift, die mir Frieden schenkt, wenn mir das Leben zu viel wird. Dort heißt es: „Der Herr wird sein Vorhaben für mich erfüllen; deine Gnade, o Herr, währt ewig“ (Psalm 138,8). Das vollendete Werk Jesu bedeutet, dass Gottes Plan für dein Leben nicht zerbrechlich ist. Seine Liebe zu dir ist nicht vorübergehend. Sie währt ewig.
Wenn sich dein Weg mit Gott manchmal wie eine Achterbahnfahrt anfühlt, lass dich nicht entmutigen. Viele aufrichtige Gläubige erleben denselben Rhythmus von starken Tagen und ruhigen Tagen. Und wenn mein eigenes Herz sich überfordert fühlt, bringt mich der Heilige Geist immer wieder sanft zu dieser Wahrheit zurück. Jesus hat das Werk vollbracht. Das heißt, dass der Vater dir an deinen starken Tagen nicht näherkommt und sich an deinen schwierigen Tagen von dir entfernt. Durch Christus bist du bereits voll und ganz willkommen, voll und ganz geliebt und voll und ganz in der Gegenwart deines Vaters geborgen. Selbst an den ruhigen Tagen. Selbst an den schweren Tagen. Selbst an den Tagen, an denen du nicht weißt, was du beten sollst. Du gehörst immer noch zu ihm.
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Als Jesus sagte: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Johannes 10,10 ESV), meinte er damit was viel Tieferes als nur ein bequemes oder stressfreies Leben. Viele Leute lesen diesen Vers und denken an ein Leben, in dem alle Probleme verschwinden und alles einfacher wird. Aber das hat Jesus nicht versprochen. Das Leben in Fülle ist kein stressfreies Leben. Es ist ein Leben mit einem Vater. Es ist das Leben von jemandem, der weiß, dass er zum Vater gehört und von ihm umsorgt, geführt und gestützt wird.
In Johannes 10,10 ist das Wort, das mit „Leben“ übersetzt wird, das griechische Wort zoē (ζωή). Dieses Wort ist wichtig, weil es nicht einfach nur physisches Leben oder Überleben bedeutet. Die griechische Sprache hatte ein anderes Wort für biologisches Leben, bios, das sich auf das normale menschliche Dasein bezieht. Jesus wählte jedoch das Wort zoē, das das Leben Gottes selbst beschreibt. Zoē spricht vom göttlichen Leben, dem ewigen Leben, dem Leben, das von Gott in sein Volk fließt. Es ist das Leben, das in dem Moment beginnt, in dem jemand an Christus glaubt, und für immer andauert. Mit anderen Worten: Jesus bot kein leicht verbessertes menschliches Leben an. Er bot die Teilhabe am Leben Gottes an.
Jesus sagt auch, dass dieses Leben in Fülle gegeben wird, was bedeutet, dass es überfließend, unermesslich und mehr als genug ist. Das heißt, das Leben in Fülle hat nichts mit perfekten Umständen oder dem Fehlen von Druck zu tun. Es geht darum, im überfließenden Leben Gottes selbst zu leben. Durch das vollendete Werk Jesu werden Gläubige sofort in dieses Leben gebracht. Die Schrift sagt: „Gott hat uns ewiges Leben gegeben, und dieses Leben ist in seinem Sohn“ (1. Johannes 5,11 ESV). Beachte die Vergangenheitsform. Gott hat dieses Leben gegeben. Ewiges Leben ist nicht etwas, das Gläubige langsam verdienen oder irgendwann erreichen. Es ist etwas, das uns durch Christus bereits gegeben wurde.
Eines der schädlichsten religiösen Missverständnisse ist jedoch der Glaube, dass wir nach der Erlösung irgendwie etwas leisten oder uns anstrengen müssen, um in dieses Leben in Fülle einzutreten. Viele Gläubige leben still unter einem Druck, den sie niemals tragen sollten. Sie gehen davon aus, dass sie Fülle durch Disziplin, Beständigkeit oder moralische Verbesserung erreichen müssen. Wenn sie genug beten, genug dienen, genug Fehler vermeiden und sich als genug treu erweisen, dann werden sie vielleicht endlich das Leben in Fülle erfahren. Aber Jesus hat das nie gelehrt. Als Jesus sagte, dass er gekommen sei, um ein Leben in Fülle zu geben, verkündete er, was sein Werk vollbringen würde, nicht was die Gläubigen erreichen müssen.
Das Leben in Fülle ist nicht etwas, wonach wir nach der Erlösung streben. Es ist etwas, aus dem wir aufgrund der Erlösung leben.
Die Religion sagt: „Wenn du genug leistest, wird Gott dir irgendwann Fülle schenken.“ Das Evangelium sagt etwas ganz anderes. Durch Jesus bist du bereits in die Fülle des Lebens Gottes gebracht worden. Die Schrift bestätigt diese Wahrheit: „Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns in Christus mit jedem geistlichen Segen im Himmel gesegnet hat“ (Epheser 1,3 ESV). Beachte, dass der Vers nicht sagt, dass Gott uns irgendwann segnen wird, wenn wir gut genug sind. Er sagt, dass er uns in Christus bereits gesegnet hat.
Diese Wahrheit nimmt vielen Gläubigen den erschöpfenden Druck. Durch das Kreuz hat Jesus nicht einfach nur deine Sünden vergeben. Er hat dich zum Vater zurückgebracht. Die Bibel sagt: „Denn durch ihn haben wir beide in einem Geist Zugang zum Vater“ (Epheser 2,18 ESV). Das Evangelium bietet keine Distanz zu Gott. Es bietet Zugang zu ihm. Keine Bewährungszeit. Familie.
Das Kreuz hat nicht nur die Sünde beseitigt. Es hat unsere Vaterlosigkeit beendet.
Vor Christus lebte die Menschheit wie geistliche Waisen, die versuchten zu überleben, ihren Wert zu beweisen und Anerkennung zu erlangen. Aber durch Jesus haben wir „den Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: ‚Abba! Vater!‘“ (Römer 8,15 ESV). Das bedeutet, dass unsere Beziehung zu Gott nicht mehr auf Leistung basiert, sondern auf Kindschaft.
Ein Waisenkind fragt: „Wie überlebe ich?“ Ein Sohn fragt: „Was hat mein Vater bereits für mich bereitgestellt?“
Deshalb ist ein Leben in Fülle nicht die Abwesenheit von Druck, sondern die Gegenwart eines Vaters. Ein Sohn mag immer noch Herausforderungen, Unsicherheiten und Schwierigkeiten durchleben, aber er tut dies in dem Wissen, dass er zu Hause gehört. Er kämpft nicht darum, sich einen Platz am Tisch zu verdienen. Er hat bereits einen.
Jesus selbst hat so gelebt. Er hat Ablehnung, Widerstand und schließlich das Kreuz erlebt, aber er hat in tiefem Frieden gelebt, weil er ständig in der Liebe des Vaters ruhte. Er sagte: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur das, was er den Vater tun sieht“ (Johannes 5,19 ESV). Jesus hat nie wie ein Waisenkind gelebt, das sich beweisen muss. Er lebte als Sohn, der wusste, woher er kam und wer sein Vater war.
Durch das vollendete Werk Jesu gehört diese Realität jetzt auch uns. Der Feind versucht nicht immer, Gläubige aus dem Haus Gottes zu entfernen. Oft versucht er einfach, sie davon zu überzeugen, dass sie nicht dorthin gehören. Wenn er dir das Gefühl geben kann, ein Außenseiter im Haus des Vaters zu sein, wirst du wie ein Diener statt wie ein Sohn leben. Du wirst dich abmühen, statt dich auszuruhen.
Aber das Evangelium sagt uns etwas Besseres. „Seht, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen – und wir sind es auch“ (1. Johannes 3,1 ESV).
Das Leben in Fülle bedeutet, jeden Tag mit dem Wissen aufzuwachen, dass du bereits geliebt, bereits angenommen und bereits durch das Blut Jesu nahe gebracht bist. Es ist die Freiheit zu wissen, dass du nicht für das Leben arbeitest, sondern aus dem Leben heraus lebst. Das Leben in Fülle ist keine spirituelle Ebene, die reife Gläubige irgendwann erreichen. Es ist das Leben, das jeder Gläubige in dem Moment empfängt, in dem er an Christus glaubt.
Du strebst nicht nach Fülle.
Du lebst aus dem überfließenden zoē-Leben Gottes, das dir durch Jesus Christus geschenkt wurde. Und genau das hat das vollendete Werk Jesu gesichert. Alles, was für dein Leben mit Gott notwendig ist, wurde bereits von ihm vollbracht.
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Es gibt Momente im Leben, in denen man auf seine Geschichte zurückblickt und sich von der Last der vergangenen Ereignisse überwältigt fühlt. Zeiten des Schmerzes, des Verlusts und Entscheidungen, die man getroffen hat, während das Herz verletzt war, können tiefe Spuren in der Seele hinterlassen. Selbst nachdem man zu Gott zurückgekehrt ist, selbst nach Jahren des Dienstes für ihn, kann die Scham still im Hintergrund weiterleben. Man mag sagen, dass man glaubt, dass Gott einem vergibt, doch innerlich fragt man sich immer noch, ob er einen wirklich mit den gleichen Augen sieht. Er sehnt sich danach, ihn klar und deutlich sagen zu hören: „Ich vergebe dir. Ich liebe dich.“
Die schöne Wahrheit des Evangeliums ist, dass Gott diese Worte bereits durch Jesus gesprochen hat.
Am Kreuz flüsterte Gott die Vergebung nicht in einer stillen Ecke des Himmels. Er verkündete sie offen durch das vollendete Werk seines Sohnes. Als Jesus die Sünden der Menschheit auf sich nahm und sein Leben für uns gab, befasste er sich nicht nur mit den Sünden, die begangen wurden, bevor jemand glaubte. Er hat ein für alle Mal die gesamte Last der Sünde auf sich genommen. Die Schrift sagt, dass wir in Christus die Erlösung durch sein Blut haben, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade (Epheser 1,7). Diese Vergebung ist nicht zerbrechlich. Sie ist nicht teilweise. Sie ist nicht etwas, das verschwindet, wenn jemand fällt und dann wieder zurückkommt. Sie ist verwurzelt in dem, was Jesus vollbracht hat, nicht darin, wie perfekt die Geschichte eines Menschen gewesen ist.
Viele Gläubige kehren zu Gott zurück, tragen aber immer noch Scham mit sich herum, als stünden sie vor der Tür und hofften, wieder hereingelassen zu werden. Aber das Kreuz erzählt eine andere Geschichte. Als Jesus starb und wieder auferstand, beseitigte er die Barriere zwischen Gott und seinen Kindern. Die Schrift sagt, dass wir jetzt mit Zuversicht Zugang zum Vater haben (Epheser 3,12). Das bedeutet, dass die Beziehung nicht auf einer Leistungsbilanz beruht. Sie beruht auf der Gerechtigkeit Jesu selbst.
Der Feind flüstert uns gerne zu, dass Gott uns zwar rechtlich vergeben hat, aber emotional immer noch von uns enttäuscht ist. Doch das Evangelium räumt mit dieser Lüge komplett auf. Gott geht mit seinen Kindern nicht aufgrund ihrer schlimmsten Zeiten um. Er geht mit ihnen aufgrund von Christus um. Und Christus ist perfekt, akzeptiert und vom Vater voll und ganz geliebt.
Denk mal über das Herz Gottes nach, das durch Jesus offenbart wurde. Immer wieder in den Evangelien waren es die Menschen, die sich am meisten schämten, denen er sich näherte und von denen er sich nicht abwandte. Die Frau, die beim Ehebruch erwischt wurde, erwartete Steine, erhielt aber Gnade (Johannes 8,3–11). Der verlorene Sohn erwartete Ablehnung, aber er bekam ein Gewand, einen Ring und ein Fest (Lukas 15,20–24). Petrus verleugnete Jesus dreimal und dachte, seine Geschichte sei vorbei, aber der auferstandene Christus stellte ihn wieder her und vertraute ihm die Leitung an (Johannes 21,15–17). Diese Geschichten sind keine Ausnahmen vom Charakter Gottes. Sie zeigen sein Herz.
Scham sagt einem Menschen, dass sein Versagen die lauteste Stimme im Raum ist. Aber das Kreuz verkündet etwas Lauteres. Jesus ging nicht widerwillig ans Kreuz. Die Schrift sagt, dass er uns liebte und sich für uns hingab (Galater 2,20). Das bedeutet, dass er, als er deine Sünden trug, die ganze Geschichte kannte und sich dennoch für das Kreuz entschied. Nichts in deiner Vergangenheit überraschte ihn. Nichts in deiner Vergangenheit disqualifizierte die Liebe, die er bereits beschlossen hatte, dir zu schenken.
Manchmal warten Menschen auf einen besonderen emotionalen Moment, in dem sie spüren, dass Gott sagt: „Ich vergebe dir.“ Die gute Nachricht ist jedoch, dass Gott dies bereits auf die klarste Weise durch das Evangelium selbst gesagt hat. Das Kreuz ist Gottes Erklärung. Die Auferstehung ist Gottes Bestätigung. Die Gegenwart des Heiligen Geistes im Leben eines Gläubigen ist Gottes ständige Erinnerung daran, dass er zu ihm gehört (Epheser 1,13–14).
Wenn du zu ihm zurückgekehrt bist, ist diese Rückkehr selbst ein Beweis für seine Gnade, die in dir wirkt. Die Schrift sagt, dass es die Güte Gottes ist, die uns zur Umkehr führt (Römer 2,4). Dieselbe Gnade, die dich zurückgebracht hat, ist die Gnade, die dich jetzt hält.
Gott sieht dich nicht durch die Brille deiner schlimmsten Jahre. Er sieht dich durch die Gerechtigkeit Jesu. In Christus bist du nicht die Person, die durch diese Zeiten des Schmerzes und der Zerbrochenheit definiert ist. Du bist ein geliebtes Kind, das vom Vater willkommen geheißen wird.
Und wenn du die Stimme des Himmels klar hören könntest, würdest du die Botschaft hören, die bereits durch das Kreuz verkündet wurde:
Dir ist vergeben.
Du wirst geliebt.
Und durch Jesus bist du in der Gegenwart Gottes voll und ganz willkommen.

Viele Gläubige leben mit einer stillen Annahme, die sie nie laut aussprechen würden: Gott dulde sie. Er habe sie zwar gerettet, aber nur mit einem Seufzer. Sie dürften zwar in seine Nähe, aber nur, weil es seine Gnade so wollte. Die Heilige Schrift stützt dieses Bild nicht. Sie ersetzt es durch etwas viel Bewussteres: „In Liebe hat er uns vorherbestimmt zur Sohnschaft durch Jesus Christus“ (Epheser 1,4–5).
Annahme ist keine Toleranz. Annahme ist ein Wunsch. Niemand nimmt ein Kind zufällig an. Es ist ein bewusster, aufwändiger und gezielter Akt. Paulus sagt nicht, Gott habe dir nur erlaubt, in seiner Nähe zu sein. Er sagt, Gott wollte dich in seiner Familie haben. Und er benennt das Motiv klar: Liebe. Nicht Pflicht. Nicht Mitleid. Nicht Widerwillen. Liebe.
Hier liegt die Erkenntnis, die die meisten Gläubigen übersehen: Gott hat dich nicht angenommen, nachdem er gesehen hat, wie gut du dich benimmst. Er hat dich angenommen, bevor du dich überhaupt wie ein Sohn oder eine Tochter verhalten hast. Annahme in der Heiligen Schrift ist nicht Gottes Reaktion auf deinen Fortschritt. Es ist Gottes Bestätigung deiner Stellung. Dein Platz kam vor deiner Leistung.
Das bedeutet, dass das Evangelium dich nicht auf Probe in Gottes Familie aufgenommen hat. Du bist kein Gast, der darauf wartet, wieder gehen zu müssen. Du wurdest durch Jesus Christus als Sohn aufgenommen. Und Söhne verdienen sich ihren Platz am Tisch nicht. Sie essen, weil sie dazugehören.
Leistungsdenken gedeiht, wenn die eigene Identität unklar ist. Wenn Gläubige sich nur knapp akzeptiert fühlen, wird Gehorsam zum Versuch, dazuzugehören. Paulus aber nimmt ihnen diese Angst. Gott hat die Adoption vorherbestimmt. Das heißt, dies war sein Plan, keine Notlösung. Er wollte eine Familie. Und er wollte, dass du dazugehörst.
Beachte, wie all dies in Christus verankert ist. Adoption geschieht durch Jesus Christus, nicht durch Anstrengung, Reife oder geistliche Disziplin. Jesus starb nicht, damit du aus der Ferne geduldet wirst. Er starb, damit du ihm nahe sein und als sein Kind anerkannt werden kannst. Das vollbrachte Werk Christi hat Gott nicht dazu gebracht, dich zu lieben. Es hat offenbart, dass er dich bereits geliebt hat.
Wenn du verstehst, dass du auserwählt bist, verändert sich dein Gehorsam. Er entspringt nicht länger der Angst vor Ablehnung, sondern der Geborgenheit. Du gehorchst nicht, um deine Zugehörigkeit zu beweisen, sondern weil du bereits dazugehörst. Und selbst wenn du strauchelst, fällst du nicht aus der Familie. Söhne mögen fallen, aber sie werden dadurch nicht wieder zu Fremden.
Gott hat dich nicht widerwillig angenommen. Er hat dich bewusst erwählt. Er wollte dich. Er hatte einen Plan für dich. Und er hat dich durch das vollbrachte Werk Jesu Christi heimgeholt, nicht als jemanden, dem man nur erlaubt hat zu bleiben, sondern als einen Sohn, der dazugehört.
by Jule with 1 commentDiese Frage wurde mir zugeschickt:
Liest gerade Epheser Kapitel 1 und stolpert über den Text jn Vers 11
„Und so spontan stellte sich mir die Frage: „Äh, welches Erbe habe ich zugewiesen bekommen?“ Eine Erbe kriegt man ja meist erst, wenn der andere tot ist. Gott stirbt ja nicht.“
Damit hast du sicherlich Recht. Allerdings gibt es auch Menschen, die ihre Sachen vererben, bevor sie sterben. So können Eltern ihren Kindern bereits vorher das Haus überschreiben, damit diese keine Erbschaftssteuer zahlen müssen; und meine Mutter hat mir letztes Jahr ein Schmuckstück mitgebracht, von dem sie wollte, dass ich es bekomme, weil es viel über mich aussagt und wie das Verhältnis seinerzeit wirklich zu meinen Eltern war (ich hatte sehr viele Jahre ein mehr als gestörtes Verhältnis zu ihnen).
Zum anderen muss man auch den Zusammenhang beachten und mir kommt hier in den Sinn, dass Gott seinerzeit mit Abraham einen Bund schloss und er sagte, dass sich dadurch, dass Abraham Gehorsam war, auch seine Nachkommen segnen würden und er hatte damit auf den Messias hingewiesen und dass dieser für uns und unsere Sünden sterben würde (frei nach Pape). Abraham ist schon lange tot und das Erbe war der Sühnetod von Jesus, der auch bereits stattgefunden hatte. Das ist unser Erbe: wir können uns ganz einfach Gott nahen, so wie wir sind – weil die Sünde nicht mehr zwischen uns und Gott steht, da ja Jesus dafür gestorben ist
Nun zum nächsten Punkt:
„Und überhaupt, bin ich gemeint? Paulus hat dies ja an die Gemeinde in Ephesus geschrieben, also die ganze Gemeinde gemeint und nicht nur ein paar Ausgewählte.“
Richtig: er hatte das an die Gemeinde in Ephesus geschrieben und damals war es üblich, dass die Gemeinden die Briefe untereinander weiter reichten. Eigentlich hatte Paulus das an alle Christen geschrieben – und da Jesus für die Sünden aller gestorben ist, gilt dies selbstverständlich auch für dich ❣️
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