
Apostelgeschichte 20,7–10 (KJV)
Stell dir den oberen Raum in Troas vor, mit brennenden Lampen, aufgeschlagenen Schriften und Herzen, die sich um die Wahrheit versammelt haben.
Paulus hält keine beiläufige Predigt, sondern teilt den Menschen, die er vielleicht nie wieder sehen wird, den Reichtum Christi mit. Die Predigt geht weiter … und weiter … bis Mitternacht.
Dann schau dir Eutychus an.
Er sitzt am Fenster, hört zu, kämpft aber gegen die Schwäche des Fleisches. Während Paulus weiterredet, übermannt ihn der Schlaf.
Er fällt. Der Moment ist plötzlich, ernüchternd und menschlich. Er erinnert uns daran, dass selbst in der Gegenwart der Wahrheit der Körper müde werden kann, während die Seele zum Erwachen aufgerufen ist.
Paulus geht hinunter, umarmt ihn und sagt: „Macht euch keine Sorgen, denn er lebt.“ Die Versammlung wird fortgesetzt. Das Wort Gottes wird weiter verkündet. Christus bleibt im Mittelpunkt.
Ich denke darüber nach und sehe etwas, das für die Christen von heute bemerkenswert ist. Viele werden heute schon nach einer Stunde Predigt unruhig. Die Aufmerksamkeit schwindet, das Interesse lässt nach, und das Herz sagt: „Das dauert zu lange.“
Doch die Gläubigen in Troas blieben die ganze Nacht, weil sie sich nicht aus Bequemlichkeit versammelt hatten, sondern wegen Christus.
Eutychus steht nicht nur für einen Jungen, der eingeschlafen ist, sondern für den Kampf, mit dem wir alle konfrontiert sind.
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Die Lösung besteht nicht darin, Christus zu verkürzen, damit unsere Aufmerksamkeit erhalten bleibt. Die Lösung besteht darin, Christus so klar zu sehen, dass unsere Herzen erwachen.
Das Evangelium kann nicht reduziert werden, um unserer Ungeduld gerecht zu werden. Wenn ich wirklich die Herrlichkeit des Herrn, sein Kreuz, seine Barmherzigkeit, seine Auferstehung betrachte, frage ich nicht mehr: „Wie lange dauert die Predigt noch?“ Ich frage mich stattdessen: „Wie viel mehr kann ich über Christus erfahren?“
Die Herausforderung ist also eine persönliche:
Bin ich körperlich anwesend wie Eutychus am Fenster, oder bin ich im Herzen wach und empfange das Leben, das nur Christus schenkt?
Wo Christus geschätzt wird, ist Zuhören keine Last, sondern Gemeinschaft mit dem lebendigen Wort.
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