
Als Johannes das erste Wunder beschrieb, das Jesus bei einer Hochzeit in Kana vollbrachte, erwähnte er ein Detail, das auf den ersten Blick vielleicht unwichtig wirkt.
Er schrieb:
„In der Nähe standen sechs steinerne Wasserkrüge,
wie sie die Juden für ihre Waschungen benutzten,
jeder fasste zwanzig bis dreißig Gallonen.“
(Johannes 2,6)
Beim ersten Lesen scheint diese Aussage einfach nur zu beschreiben,
was bei der Hochzeit vorhanden war.
Aber Johannes fügt selten Details ohne Grund ein.
Er hätte einfach sagen können, dass Krüge da waren,
und es dabei belassen können.
Stattdessen erzählte er uns genau, was für Krüge das waren.
Es waren keine gewöhnlichen Behälter.
Es waren Steinkrüge, die für zeremonielle Waschungen benutzt wurden.
In der jüdischen Welt des ersten Jahrhunderts
waren diese Krüge mit ritueller Reinigung verbunden.
Gemäß den Traditionen, die sich um das Gesetz rankten,
wurde Wasser zum Waschen der Hände und Gefäße verwendet,
um die zeremonielle Reinheit zu wahren.
Diese Praktiken sollten
die Heiligkeit im täglichen Leben bewahren.
Die Krüge in Kana hatten also eine religiöse Bedeutung.
Sie waren Teil eines Systems, das die Leute immer daran erinnerte,
dass sie vor Gott rein sein mussten.
Johannes erwähnte auch ihre Größe.
Jeder Krug fasste zwanzig bis dreißig Gallonen.
Insgesamt konnten die sechs Krüge
weit über hundert Gallonen Wasser fassen.
Es waren große, schwere Gefäße,
die vielen Menschen dienen und
während einer Versammlung wiederholte Waschungen ermöglichen sollten.
Als der Wein bei der Hochzeit ausging,
gab Jesus eine einfache Anweisung.
„Füllt die Krüge mit Wasser.“
Die Diener füllten sie bis zum Rand.
Erst dann sagte Jesus ihnen, sie sollten etwas davon schöpfen
und es dem Gastgeber bringen.
Als das Wasser probiert wurde, war es zu Wein geworden.
Johannes beschrieb dieses Ereignis als den Moment,
in dem Jesus „seine Herrlichkeit offenbarte“ und in dem
seine Jünger begannen, an ihn zu glauben (Johannes 2,11).
Aber die Art und Weise, wie sich das Wunder ereignete, regt zum Nachdenken an.
Jesus schuf den Wein nicht in gewöhnlichen Weingefäßen.
Er benutzte Gefäße, die mit ritueller Reinigung in Verbindung standen.
Auf diese Weise ereignete sich das Wunder in einem Umfeld,
das bereits von der Sprache der Reinigung geprägt war.
Im gesamten Johannesevangelium im Neuen Testament tauchen
die Themen Reinigung und Erneuerung immer wieder auf.
Später sprach Jesus davon,
aus Wasser und Geist geboren zu werden (Johannes 3,5).
Er bot lebendiges Wasser an, das
den spirituellen Durst stillt (Johannes 4,14).
Das Evangelium bewegt sich ständig von äußeren Ritualen
hin zu innerer Verwandlung.
In diesem größeren Zusammenhang betrachtet, haben die Krüge in Kana
eine Bedeutung, die über ihre physische Funktion hinausgeht.
Sie standen für ein System der Reinigung,
das auf wiederholtem äußerem Waschen beruhte.
Das Wasser, das sie enthielten, konnte Hände und Gefäße reinigen,
aber es konnte letztlich nicht das menschliche Herz verändern.
In dieselben Krüge brachte Jesus etwas Neues ein.
Das Wasser, das für rituelle Waschungen gedacht war, wurde zu Wein für die Feier.
Die Veränderung ist hier echt auffällig.
Was mit Reinigung verbunden war,
wurde zur Quelle der Freude bei einem Hochzeitsfest.
Das Johannesevangelium zeigt oft die Identität Jesu
durch Zeichen, die mehrere Bedeutungsebenen haben.
Das Wunder in Kana ging nicht nur darum,
eine peinliche Situation bei einer Hochzeit zu vermeiden.
Es wies stillschweigend auf die Art der Erneuerung hin,
die Jesus gebracht hatte.
Die Krüge selbst waren Teil der Geschichte.
Sie erinnern den Leser daran, dass das Wirken Jesu
nicht einfach nur bestehende Rituale verbesserte.
Es wies über sie hinaus.
Die Reinigung, die die Menschen durch
wiederholtes Waschen suchten, würde letztendlich
auf eine tiefere Weise durch ihn erfüllt werden.
In Kana füllten die Diener die Reinigungsgefäße mit Wasser.
Als der Gastgeber des Festmahls es probierte,
hatte etwas Neues begonnen.
Und durch diesen stillen Anfang
ließ Johannes seine Leser erkennen, dass derjenige,
der bei dieser Hochzeit anwesend war, nicht nur gekommen war,
um das zu geben, was fehlte, sondern um zu verändern,
was Reinigung selbst bedeutete.
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.