
Als ich Johns Bericht über die Auferstehung las, fiel mir auf, wie zurückhaltend er schreibt.
Er fing nicht mit einer Erklärung
oder einer theologischen Schlussfolgerung an.
Er schrieb genau auf, was er gesehen hatte,
in der Reihenfolge, in der er es gesehen hatte, und ließ
die Details für sich sprechen.
Als Petrus das Grab betrat,
sagt uns Johannes, dass er die
Leinentücher dort liegen sah.
Dann fügt Johannes ein spezifisches
und scheinbar unbedeutendes Detail hinzu.
Das Tuch, das den Kopf Jesu bedeckt hatte,
lag nicht bei den anderen Tüchern.
Es war gefaltet und separat beiseite gelegt worden.
Zuerst schien dieses Detail nicht wichtig zu sein.
Man hätte es leicht übersehen können.
Aber im ganzen Johannesevangelium
sind Details nie zufällig.
Johannes fügt immer konkrete
Beobachtungen an wichtigen Stellen ein,
oft bevor ihre Bedeutung
vollständig verstanden wird.
Dieses Muster hat mich innehalten lassen
und mich fragen lassen, warum dieses Detail festgehalten wurde.
Die jüdischen Bestattungsbräuche im
ersten Jahrhundert helfen, die Szene zu verstehen.
Der Leichnam des Verstorbenen wurde
zusammen mit Grabbeigaben fest in Leinentücher gewickelt.
Diese Wickel waren keine
vorübergehenden Hüllen.
Sie markierten die Endgültigkeit des Todes.
Einmal angelegt, sollten die Tücher
an ihrem Platz bleiben.
Vor diesem Hintergrund
wird der Zustand des Grabes
bedeutungsvoll.
Wäre der Leichnam Jesu gestohlen worden,
wie manche Leute damals vermuteten,
hätte es keinen Grund gegeben,
die Tücher zu entfernen.
Den Leichnam ohne die Tücher mitzunehmen,
wäre unpraktisch
und geradezu respektlos gewesen.
Wenn die Auferstehung
in Verwirrung oder Eile stattgefunden hätte, wären die Tücher
wahrscheinlich
zerzaust oder verstreut zurückgelassen worden.
Aber Johannes sagt uns, dass nichts davon passiert ist.
Die Grabtücher blieben liegen.
Das Gesichtstuch war gefaltet.
Nichts im Grab deutete auf
Panik, Unterbrechung oder Kampf hin.
Was Johannes beschreibt, deutet
stattdessen auf Absicht und Ordnung hin.
Das passt zu der Art und Weise, wie Johannes
Jesus im gesamten Evangelium darstellt.
Jesus sagt wiederholt, dass
er sein Leben freiwillig hingeben wird
und dass er die Macht hat,
es wieder aufzunehmen.
Die Auferstehung wird nicht
als Flucht vor dem Tod dargestellt,
sondern als eine Handlung, die
auch nach dem vollständigen Eintritt in den Tod
unter seiner Macht bleibt.
Die gefalteten Leichentücher
unterstützen stillschweigend diese Darstellung.
Sie zeigen, dass der Bestattungsprozess
sein ordentliches Ende gefunden hat und dass
der Anspruch des Todes erschöpft war.
Der Körper war weg,
nicht weil er weggenommen worden war,
sondern weil er sowieso nicht mehr
in dieses Grab gehörte.
Dieses Detail passt auch zu den letzten Worten Jesu
am Kreuz: „Es ist vollbracht.“
Im Johannesevangelium signalisieren diese Worte
Vollendung, nicht Unterbrechung.
Die Auferstehung hat das Kreuz nicht rückgängig gemacht,
sondern bestätigt, dass das dort vollbrachte Werk
vollendet ist.
Die ruhige Ordnung des Grabes
spiegelt diese Endgültigkeit wider.
Nichts ist überstürzt.
Nichts bleibt ungelöst.
Johannes lässt physische Details sprechen,
bevor Erklärungen gegeben werden.
Bevor Engel erscheinen
und bevor die Jünger
verstehen, was passiert ist,
legt das Grab selbst Zeugnis ab.
Der Leser wird aufgefordert, genau hinzuschauen,
genau wie die Jünger.
Johannes erwähnt die Details
der gefalteten Leichentücher,
weil sie wichtig sind.
Sie prägen das Verständnis der Auferstehung.
Was passierte, war kein Chaos, gefolgt von einer Korrektur.
Es war Vollendung, gefolgt von stiller Autorität.
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