
Als Jesus das Gleichnis von den zehn Jungfrauen erzählt, will er damit aufrichtige Gläubige nicht erschrecken. Er deckt vielmehr ein Missverständnis hinsichtlich der Bereitschaft auf. „Dann wird das Himmelreich wie zehn Jungfrauen sein, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegen gingen“ (Matthäus 25,1, ESV). Alle zehn sind eingeladen. Alle zehn warten. Alle zehn haben Lampen. Von außen sehen sie identisch aus. In diesem Gleichnis geht es nicht um offensichtliche Rebellion gegenüber Gehorsam. Es geht um die innere Realität.
Fünf werden als weise bezeichnet. Fünf werden als töricht bezeichnet. Der Unterschied liegt nicht in der Moral. Es ist das Öl. Die Törichten nahmen Lampen mit, aber kein Öl. Die Weisen nahmen Öl in Krügen mit ihren Lampen mit. Öl steht in der Heiligen Schrift durchweg für Leben, Intimität und den Geist Gottes. Lampen stehen für das äußere Bekenntnis. Öl steht für die innere Versorgung. Man kann vorbereitet aussehen und dennoch das vermissen, was einen erhält.
Dann geschieht etwas sehr Wichtiges. „Da der Bräutigam sich verspätete, wurden sie alle müde und schliefen ein“ (Matthäus 25,5, ESV). Beachten Sie dies sorgfältig. Sie alle schliefen ein. Das Schlafen ist nicht das Problem. Die Verspätung ist nicht das Problem. Jesus verurteilt nicht die Ruhe. Er zeigt, dass die Zeit das Wahre offenbart. Wenn das Warten lange dauert, geht die Kraft irgendwann zur Neige. Nur die Versorgung bleibt.
Um Mitternacht ertönt der Ruf. Mitternacht ist die Stunde der Überraschung, nicht der Planung. „Hier ist der Bräutigam! Kommt heraus, um ihn zu empfangen“ (Matthäus 25,6, ESV). Alle wachen auf. Alle trimmen ihre Lampen. Aber plötzlich wird der Unterschied offenbar. Die törichten Lampen gehen aus. Nicht weil sie nie gebrannt haben, sondern weil sie nie versorgt wurden. Geliehenes Licht verblasst immer.
Die Törichten bitten um Öl. Die Antwort klingt hart, aber sie ist ehrlich. Öl kann nicht geteilt werden. Beziehungen können nicht übertragen werden. Intimität kann nicht ausgeliehen werden. Man kann nicht von der Offenbarung eines anderen, vom Glauben eines anderen oder von der Geschichte eines anderen mit Gott leben. Jeder Mensch muss selbst Öl erhalten.
Hier ist die Offenbarung, die viele übersehen. Die Törichten werden nicht abgelehnt, weil sie unmoralisch sind. Sie werden abgelehnt, weil sie unbekannt sind. „Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht“ (Matthäus 25,12, ESV). Hier geht es nicht um den Verlust der Erlösung durch Versagen. Es geht darum, dass man von vornherein nie aus einer Beziehung gelebt hat. Das Wissen in der Schrift ist eine Sprache der Beziehung, keine Sprache der Leistung.
Durch das vollendete Werk Jesu Christi wird dieses Gleichnis klarer und sanfter. Öl ist nichts, was man sich durch Anstrengung verdient. Es ist etwas, das man empfängt, indem man bleibt. Der Geist wird nicht denen gegeben, die härter arbeiten, sondern denen, die glauben. Die klugen Jungfrauen sind keine ängstlichen Leistungsträger. Sie sind diejenigen, die gelernt haben, aus der Versorgung statt aus dem Schein zu leben.
Die Tür wird nicht geschlossen, weil Gott grausam ist, sondern weil die Ankunft stattgefunden hat. Die Vorbereitung endet, wenn die Erfüllung beginnt. Die Tragödie der törichten Jungfrauen besteht nicht darin, dass sie zu spät kamen. Sie besteht darin, dass sie die ganze Zeit außerhalb der Intimität lebten.
Die Anwendung besteht nicht darin, sich mehr anzustrengen, um wach zu bleiben. Sie besteht darin, jetzt Öl zu empfangen. Hören Sie auf, Intimität durch Aktivität zu ersetzen. Hören Sie auf, äußere Bereitschaft mit innerem Leben zu verwechseln. Der Bräutigam sucht nicht nach perfekten Lampen. Er sucht nach Herzen, die mit Öl gefüllt sind.
This entry was posted in Fundstücke, Gemeinsam die Bibel in einem Jahr lesen and tagged Matthäus 25, Zehn Jungfrauen by Jule with 1 commentDu musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
When Jesus tells the parable of the ten virgins, He is not trying to frighten sincere believers. He is exposing a misunderstanding about readiness. “Then the kingdom of heaven will be like ten virgins who took their lamps and went to meet the bridegroom” (Matthew 25:1, ESV). All ten are invited. All ten are waiting. All ten have lamps. From the outside, they look identical. This parable is not about obvious rebellion versus obedience. It is about inward reality.
Five are called wise. Five are called foolish. The difference is not morality. It is oil. The foolish took lamps but no oil. The wise took oil in jars with their lamps. Oil in Scripture consistently points to life, intimacy, and the Spirit of God. Lamps represent outward profession. Oil represents inward supply. You can look prepared and still lack what sustains you.
Then something deeply important happens. “As the bridegroom was delayed, they all became drowsy and slept” (Matthew 25:5, ESV). Notice this carefully. All of them slept. Sleeping is not the issue. Delay is not the problem. Jesus is not condemning rest. He is showing that time exposes what is real. When the wait is long, performance eventually runs out. Only supply remains.
At midnight the cry goes out. Midnight is the hour of surprise, not scheduling. “Here is the bridegroom! Come out to meet him” (Matthew 25:6, ESV). Everyone wakes. Everyone trims their lamps. But suddenly the difference is revealed. The foolish lamps are going out. Not because they never burned, but because they were never sustained. Borrowed light always fades.
The foolish ask for oil. The answer sounds harsh, but it is honest. Oil cannot be shared. Relationship cannot be transferred. Intimacy cannot be borrowed. You cannot live on someone else’s revelation, someone else’s faith, or someone else’s history with God. Each person must receive oil for themselves.
Here is the revelation many miss. The foolish are not rejected for being immoral. They are rejected because they are unknown. “Truly, I say to you, I do not know you” (Matthew 25:12, ESV). This is not about loss of salvation through failure. It is about never having lived from relationship in the first place. Knowing in Scripture is relational language, not performance language.
Through the finished work of Jesus Christ, this parable becomes clearer and gentler. Oil is not something you earn by striving. It is something you receive by abiding. The Spirit is not given to those who work harder, but to those who believe. The wise virgins are not anxious achievers. They are those who have learned to live from supply rather than appearance.
The door is shut not because God is cruel, but because arrival has taken place. Preparation ends when fulfillment begins. The tragedy of the foolish virgins is not that they were late. It is that they lived on the outside of intimacy the entire time.
The application is not try harder to stay awake. It is receive oil now. Stop substituting activity for intimacy. Stop confusing outward readiness with inward life. The bridegroom is not looking for perfect lamps. He is looking for hearts filled with oil.