
Ohne Scham anklopfen
Jesus beginnt diese Geschichte in einem unangenehmen Moment. Es ist Mitternacht. Der Tag ist vorbei, das Haus ist verschlossen, und alle schlafen. Mitternacht ist die Stunde, in der die Kräfte schwinden und es keine Optionen mehr zu geben scheint. Jesus stellt eine Frage, die den Menschen unangenehm ist. Was wäre, wenn Sie zu dieser Stunde an die Tür eines Freundes klopfen und um Brot bitten müssten? „Angenommen, du hast einen Freund und gehst um Mitternacht zu ihm und sagst: ‚Freund, leihe mir drei Brote‘“ (Lukas 11,5).
Der Mann bittet nicht für sich selbst. Ein Gast ist in seinem Haus angekommen und hat nichts zu essen. Er möchte ihm etwas anbieten, hat aber nichts. Das macht die Bitte persönlicher. Der Bedarf ist real und die Verantwortung fühlt sich schwer an. Viele Menschen können diesen Moment nachvollziehen. Man möchte jemandem helfen, ihn lieben oder unterstützen, aber man merkt, dass man selbst nicht genug hat.
Die Antwort aus dem Haus klingt kalt. Die Tür ist bereits verschlossen. Die Familie schläft. Die Unannehmlichkeit ist real. Doch Jesus zeigt uns keinen widerwilligen Gott. Er zieht einen Vergleich. Er erklärt, dass der Freund aufstehen wird, nicht wegen der Freundschaft, sondern wegen seiner Kühnheit. „Wegen seiner schamlosen Kühnheit wird er aufstehen und ihm geben, was er braucht“ (Lukas 11,8). Diese Kühnheit ist nicht unhöflich. Es ist Selbstvertrauen ohne Scham.
Die Lektion besteht nicht darin, Gottes Widerstand zu überwinden. Es geht darum, unsere Verlegenheit abzulegen. Der Mann klopft weiter, weil die Not dringend ist und die Beziehung sicher ist. Er entschuldigt sich nicht für den Zeitpunkt. Er verbirgt seine Bitte nicht. Er vertraut darauf, dass die Tür geöffnet werden kann.
Gleich danach spricht Jesus klar und deutlich: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan“ (Lukas 11,9). Das ist keine Methode, um Gott unter Druck zu setzen. Es ist eine Einladung, ihm zu vertrauen. Bitten bedeutet, dass man glaubt, dass es Versorgung gibt. Suchen bedeutet, dass man eine Antwort erwartet. Anklopfen bedeutet, dass man weiß, dass jemand zuhört.
Jesus weist dann auf das Herz des Vaters hin. Er vergleicht Gott mit einem liebenden Elternteil. „Welcher Vater unter euch würde seinem Sohn, wenn er ihn um einen Fisch bittet, stattdessen eine Schlange geben?“ (Lukas 11,11). Selbst unvollkommene Eltern wissen, wie man Gutes gibt. Gottes Güte ist weitaus größer.
Dann offenbart Jesus die größte Verheißung. „Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen den Heiligen Geist geben, die ihn bitten“ (Lukas 11,13). Die Gabe ist nicht nur Versorgung. Es ist Gottes Gegenwart. Er erfüllt nicht nur Bedürfnisse. Er gibt sich selbst.
Dank Jesus klopfen wir nicht an die Tür eines Fremden. Wir kommen zu unserem Vater. Die Tür ist nicht verschlossen. Durch das Kreuz wurde der Zugang geöffnet. Du störst Gott nicht. Du bist willkommen.
Komm also mit Zuversicht. Bitte mit Ehrlichkeit. Klopfe ohne Scham. Mitternacht disqualifiziert dich nicht. Not beleidigt Gott nicht. Mutiger Glaube ärgert ihn nicht. Du bettelst nicht um Reste. Du empfängst von einem Vater, der Freude daran hat, zu geben.
This entry was posted in Fundstücke, Gemeinsam die Bibel in einem Jahr lesen, Lukas and tagged Lukas 11 by Jule with 1 commentDu musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Knocking Without Shame
Jesus begins this story in an awkward moment. It is midnight. The day is over, the house is locked, and everyone is asleep. Midnight is the hour when strength is low and options feel gone. Jesus asks a question that makes people uncomfortable. What if you had to knock on a friend’s door at that hour and ask for bread? “Suppose you have a friend, and you go to him at midnight and say, ‘Friend, lend me three loaves’” (Luke 11:5).
The man is not asking for himself. A guest has arrived at his home with nothing to eat. He wants to serve, but he has nothing to offer. This makes the request more personal. The need is real, and the responsibility feels heavy. Many people understand this moment. You want to help, love, or support someone, but you realize you do not have enough on your own.
The answer from inside the house sounds cold. The door is already locked. The family is asleep. The inconvenience is real. Yet Jesus is not showing us a reluctant God. He is making a comparison. He explains that the friend will get up, not because of friendship, but because of boldness. “Because of his shameless boldness he will get up and give him whatever he needs” (Luke 11:8). This boldness is not rude. It is confidence without shame.
The lesson is not about pushing past God’s resistance. It is about laying down our embarrassment. The man keeps knocking because the need is urgent and the relationship is safe. He does not apologize for the timing. He does not hide the request. He trusts that the door can be opened.
Right after this, Jesus speaks clearly. “Ask and it will be given to you. Seek and you will find. Knock and the door will be opened to you” (Luke 11:9). This is not a method to pressure God. It is an invitation to trust Him. Asking means you believe provision exists. Seeking means you expect an answer. Knocking means you know someone is listening.
Jesus then points to the heart of the Father. He compares God to a loving parent. “Which of you fathers, if your son asks for a fish, will give him a snake instead?” (Luke 11:11). Even imperfect parents know how to give good things. God’s goodness is far greater.
Then Jesus reveals the greatest promise. “How much more will your Father in heaven give the Holy Spirit to those who ask him” (Luke 11:13). The gift is not just provision. It is God’s presence. He does not only meet needs. He gives Himself.
Because of Jesus, we are not knocking on a stranger’s door. We are coming to our Father. The door is not closed. Through the cross, access was opened. You are not interrupting God. You are welcome.
So come with confidence. Ask with honesty. Knock without shame. Midnight does not disqualify you. Need does not offend God. Bold faith does not annoy Him. You are not begging for leftovers. You are receiving from a Father who delights to give.