
DIE FRAU AM BRUNNEN
Johannes 4,7–26
Mittags, als die Sonne hoch stand und die Straßen leer waren, ging eine Frau allein zum Brunnen. Sie wählte diese Zeit absichtlich – um dem Getuschel, den Blicken und der Scham zu entgehen. Sie trug ihren Krug, aber sie trug auch ihre Vergangenheit mit sich.
Und dort, am Brunnen sitzend, war Jesus.
Er wich nicht zurück. Er schaute nicht angewidert. Er ignorierte sie nicht.
Stattdessen sprach er sie an.
„Gibst du mir etwas zu trinken?“
Derjenige, der die Ozeane erschaffen hatte, bat eine Frau, die sich unsichtbar fühlte, um Wasser. Der Retter der Welt wartete auf jemanden, den die Welt mied. Er sah über ihren Ruf hinaus. Er sprach zu ihrem Herzen. Er offenbarte ihre Geschichte – nicht, um sie zu verurteilen, sondern um sie zu heilen.
„Ich, der ich mit dir rede, bin es.“
In diesem Moment verlor die Scham ihre Macht. Die Frau, die sich versteckt hatte, ging schreiend davon. Sie ließ ihren Krug fallen und rannte zurück in die Stadt, die sie einst gemieden hatte, und verkündete: „Kommt und seht einen Mann, der mir alles gesagt hat, was ich jemals getan habe!“
Jesus begegnete ihr in ihrer Einsamkeit. Er bot ihr lebendiges Wasser an – Akzeptanz, Wahrheit und neues Leben.
Und auch heute wartet er noch immer am Brunnen.
Er sieht dich.
Er kennt deine Geschichte.
Und er geht nicht weg.
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