
„Tod, wo ist dein Sieg?
Tod, wo ist dein Stachel?“
Dieser Vers wird nicht leise gesagt. Er wird laut gerufen. Er ist nicht sanft oder zaghaft oder höflich. Er ist trotzig. Es ist Paulus, der mitten in der Menschheitsgeschichte steht, direkt auf das schaut, wovor wir alle Angst haben, und sagt: „Ist das alles, was du drauf hast?“
Denn der Tod fühlt sich an, als hätte er einen Stachel. Jeder, der jemanden verloren hat, jeder, der an einem Grab gestanden oder einen Körper gehalten hat, der nicht mehr atmet, weiß das. Der Tod tut weh. Er verwundet. Er hinterlässt Spuren, die nicht so leicht verschwinden. Wenn du jemals geliebt hast, weißt du, dass dieser Stachel echt ist.
Aber der Vers leugnet den Schmerz nicht. Er verspottet die Macht. Paulus sagt nicht, dass der Tod nicht wehtut. Er sagt, dass der Tod nicht gewinnt. Der Stachel des Todes ist real, aber er ist nicht tödlich. Er ist wie eine Biene, die ihren Stachel schon verloren hat. Er kann dich erschrecken. Er kann dich aufschrecken. Er kann dein Herz zum Rasen bringen. Aber er kann dir nicht mehr den letzten Schlag versetzen.
Denn Jesus hat ihn bereits auf sich genommen.
Das Kreuz sah aus wie eine Niederlage. Es sah aus, als hätte der Tod das letzte Wort. Ein Körper in einem Grab, ein Stein, der davor gerollt wurde. Stille. Aber die Auferstehung hat alles auf den Kopf gestellt. Was der Tod als Zerstörung bedeutete, nutzte Gott als Tor.
Deshalb klingt dieser Vers nicht nach Trauer. Er klingt nach Sieg. Es ist die Art von Satz, die man ruft, wenn das Schlimmste vorbei ist. Die Art, die man sagt, wenn der Feind dachte, er hätte einen besiegt, und dann zu spät merkte, dass das nicht der Fall war. Es ist der Moment, in dem der Himmel das Mikrofon fallen lässt.
Und ja, es gibt immer noch Traurigkeit. Wir trauern immer noch. Wir haben immer noch Schmerzen. Der Stachel erinnert uns daran, dass die Liebe echt war. Dass diese Verbindung wichtig war. Selbst Jesus, der wusste, dass die Auferstehung kommen würde, weinte immer noch. Das sagt mir etwas Wichtiges: Der Glaube hebt die Trauer nicht auf. Er erlöst sie.
Der Tod kann uns nicht mehr mit seiner Endgültigkeit bedrohen.
Auch darin liegt Humor, auf eine heilige, umgekehrte Weise. Der Tod, der sich selbst sehr ernst nimmt, wird zu einer Verhöhnung. „Wo ist dein Stachel?“, als würde Paulus sich umsehen, den Boden absuchen und sich fragen, ob der Tod ihn irgendwo in der Nähe des leeren Grabes verlegt hat.
Dieser Vers tut nicht so, als sei das Leben einfach. Er erklärt, dass selbst das schwerste Ende nur vorübergehend ist. Der Tod mag immer noch wehtun. Aber er hat nicht mehr die Macht, die er einst beanspruchte.
Denn Christus lebt.
Und deshalb hat der Tod nicht das letzte Wort.
Das hatte er nie.
This entry was posted in 1. Korinther, Fundstücke, Gemeinsam die Bibel in einem Jahr lesen by Jule with no comments yet
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