
In Johannes 12,9–11, nach dem Bericht über die Auferweckung des Lazarus, hielt Johannes ein Detail fest, das leicht übersehen werden kann.
„Die Hohenpriester beschlossen, auch Lazarus
zu töten, denn wegen ihm
wandten sich viele Juden ab
und glaubten an Jesus.“
Dieses Detail ließ mich beim Lesen innehalten.
Lazarus war bereits einmal gestorben.
Er stritt sich nicht mit den religiösen Führern.
Er predigte nicht öffentlich.
Es wurde nicht beschrieben,
dass er irgendetwas organisierte.
Er war einfach nur da.
Doch seine Anwesenheit reichte aus,
dass die Hohenpriester ihn als Bedrohung ansahen.
Der Grund wurde klar genannt.
„Wegen ihm …
glaubten viele an Jesus.“
Lazarus musste nicht sprechen.
Sein Leben selbst wurde zum Zeugnis.
Das war es, was ihn gefährlich machte.
Zuvor in der Erzählung, in Johannes 11,
erweckte Jesus Lazarus, nachdem
er vier Tage im Grab gelegen hatte.
Das Wunder war kein Geheimnis.
Viele sahen es. Viele hörten davon.
Und Johannes erzählte uns, dass von diesem Zeitpunkt an
die religiösen Führer begannen zu planen,
wie sie mit Jesus umgehen sollten.
Doch in Kapitel 12 weitete sich der Blickwinkel aus.
Es war nicht mehr nur Jesus,
den sie beseitigen wollten.
Es war auch Lazarus.
Dieses Detail enthüllte etwas Wichtiges.
Der Widerstand beschränkte sich nicht
auf denjenigen, der das Wunder vollbracht hatte.
Sie erstreckte sich auch auf den Beweis des Wunders.
Lazarus war ein lebender Widerspruch
zu dem, was sie aufrechtzuerhalten versuchten.
Solange er lebte,
blieb die Realität dessen, was Jesus
getan hatte, sichtbar.
Die Reaktion der Hohenpriester
bestand nicht darin, das Wunder genauer zu untersuchen.
Sie bestand darin, die Erinnerung daran zu beseitigen.
Dort verschärfte sich die Spannung.
Die Auferweckung des Lazarus sollte das Leben offenbaren.
Doch statt alle zum Glauben zu führen,
verstärkte sie den Widerstand bei anderen.
Dasselbe Ereignis löste zwei Reaktionen aus.
Manche glaubten. Andere verhärteten sich.
Johannes hatte dieses Muster bereits zuvor aufgezeigt.
Das Licht leuchtete nicht nur. Es deckte auch auf.
Und das Aufdecken führte oft nicht zur Umkehr, sondern zur Ablehnung.
Wenn man diesen Abschnitt sorgfältig liest,
wird deutlich, dass Lazarus nicht
wegen eines Fehlverhaltens ins Visier genommen wurde.
Er wurde ins Visier genommen, weil er verkörperte,
was man nicht einfach leugnen konnte.
Er war tot gewesen.
Jetzt war er lebendig.
Diese Tatsache hatte Gewicht.
Sie wies über sich selbst hinaus.
Sie wies auf Jesus hin.
Theologisch gesehen offenbarte dieser Moment,
dass das Wirken Christi nicht neutral bleibt.
Es ruft eine Reaktion hervor.
Das von Jesus geschenkte Leben
tröstet nicht nur.
Es konfrontiert auch.
Lazarus suchte keine Aufmerksamkeit.
Doch sobald er auferweckt war,
konnte sein Leben nicht mehr verborgen bleiben.
Und das allein wurde schon kostspielig.
Die Passage erzählt uns nicht,
was danach mit Lazarus geschah.
Sie lässt das Detail offen, still, aber deutlich.
Jesus nachzufolgen bedeutete nicht nur, Leben zu empfangen.
Es bedeutete auch, ein Zeuge dafür zu werden.
Und manchmal war genau das Leben,
das geschenkt wurde,
der Grund, warum andere sich dagegen wehrten.
Wenn ich das langsam lese, erinnert es mich daran,
dass das Wirken Christi
nicht immer zu Akzeptanz führt.
Manchmal offenbart es Herzen.
Und in dieser Offenbarung kann sogar ein wiederhergestelltes Leben
zum Grund für Widerstand werden.
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