
Lukas erzählt uns, dass, als Jesus in ein Dorf kam, zehn Männer, die an Lepra litten, in einiger Entfernung standen und laut riefen (Lukas 17,12–13).
Dieses Detail kann man leicht übersehen.
Sie kamen nicht nah an ihn ran.
Sie berührten ihn nicht.
Sie taten, was das Gesetz vorschrieb,
hielten Abstand (3. Mose 13,45–46).
Ihre Isolation war nicht nur physischer Natur.
Sie war auch sozial, religiös und emotional.
Sie baten um Gnade, nicht um Heilung.
„Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns.“
Sie sagten ihm nicht, wie er sie heilen sollte.
Sie baten einfach darum, gesehen zu werden.
Die Antwort von Jesus ist zurückhaltend.
Er heilte sie nicht sofort.
Er erklärte sie nicht sofort für rein.
Er sagte: „Geht und zeigt euch
den Priestern“ (Lukas 17,14).
Diese Anweisung machte nur Sinn, wenn die Heilung
bereits stattgefunden hatte oder wenn sie darauf vertrauten, dass sie stattfinden würde.
Nach dem Gesetz untersuchten die Priester
die Menschen nach der Reinigung, nicht davor (3. Mose 14).
Jesus bat sie, sich zu bewegen,
obwohl sich äußerlich noch nichts verändert hatte.
Lukas fügt einen leisen, aber entscheidenden Satz hinzu:
„Während sie gingen, wurden sie rein.“
Die Heilung geschah unterwegs.
Der Gehorsam kam vor der Bestätigung.
Alle zehn wurden geheilt.
Alle zehn erhielten Gnade.
Aber die Geschichte verlangsamt sich wieder,
als einer von ihnen bemerkt,
was geschehen ist.
Er kehrt um, lobt Gott
mit lauter Stimme und fällt
Jesus zu Füßen (Lukas 17,15–16).
Lukas erzählt uns, dass er ein Samariter war,
ein Außenseiter selbst unter Außenseitern.
Jesus stellt dann drei Fragen,
von denen keine im Text beantwortet wird:
„Wurden nicht alle zehn gereinigt? Wo sind die anderen neun?
Hat sich außer diesem Fremden niemand gefunden, der zurückkam, um Gott zu preisen
?“ (Lukas 17,17–18).
Das Schweigen ist beabsichtigt.
Die Schrift lässt die Abwesenheit
der neun unerklärt.
Was dann passiert, ist echt krass.
Jesus sagt zu dem, der zurückgekommen ist:
„Steh auf und geh! Dein Glaube
hat dich geheilt“ (Lukas 17,19).
Dabei waren doch alle zehn schon geheilt.
Das lässt vermuten, dass derjenige, der zurückgekommen ist,
etwas Tieferes bekommen hat,
etwas, das weit über die körperliche Heilung hinausgeht.
Die anderen neun haben den Befehl von Jesus befolgt
und sind zu den Priestern gegangen.
Das war nicht falsch.
Gehorsam war wichtig.
Aber nur einer erkannte den Geber,
bevor er mit dem Geschenk weitermachte.
Nur einer hielt lange genug inne, um zurückzukehren.
In dieser Geschichte geht es nicht in erster Linie um Undankbarkeit.
Es geht vielmehr um Anerkennung.
Heilung kann uns so schnell vorwärtsbringen,
dass wir nie innehalten, um zurückzuschauen.
Barmherzigkeit kann unser Leben wiederherstellen,
ohne unser Bewusstsein wiederherzustellen.
Der Samariter hat kein anderes Wunder erlebt, sondern eine klarere Beziehung bekommen.
Und vielleicht hat Lukas deshalb diese Geschichte aufgeschrieben, nicht um die anderen neun zu beschämen, sondern um uns daran zu erinnern, dass Gehorsam ohne Nähe möglich ist und Segen ohne Nachdenken kommen kann.
Die tiefere Heilung beginnt, wenn wir zurückkehren, nicht weil wir dazu verpflichtet sind, sondern weil wir endlich erkannt haben, wer uns auf dem Weg begegnet ist.
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