
Nach der Überquerung des Roten Meeres kam Israel nicht zur Ruhe. Die Erzählung in Exodus 15 geht direkt von der Befreiung zur Prüfung über.
Auf das Siegeslied folgt
fast sofort die Realität
der Wüste.
Die Erlösung war da,
aber die Reise mit Gott hatte gerade erst angefangen.
Drei Tage nach dem Verlassen des Meeres
kam das Volk nach Mara und
fand Wasser (2. Mose 15,22–23).
Der Text betont, dass
das Wasser zwar da war, aber bitter schmeckte.
Es war sichtbar, zugänglich und trotzdem unbrauchbar.
Was wie eine Versorgung aussah, konnte das Leben nicht erhalten.
Dieses Detail zeigt die Krise:
Das Problem war nicht, dass es kein Wasser gab,
sondern dass das Wasser nicht
das geben konnte, was das Volk brauchte.
Das Volk beschwerte sich bei Mose.
Diese Reaktion ist nicht überraschend.
Die Heilige Schrift zeigt immer wieder,
wie Israel darum kämpft, Gott zu vertrauen,
in der Zeit zwischen Befreiung
und Erfüllung.
Was mehr Aufmerksamkeit verdient,
ist nicht die Beschwerde selbst,
sondern wie Gott mit der Situation umging.
Mose schrie zum Herrn,
und der Herr zeigte ihm einen Baum.
Moses warf den Baum ins Wasser,
und das Wasser wurde trinkbar
(2. Mose 15,25).
Der Text gibt keine wissenschaftliche Erklärung.
Es besteht kein Interesse an den chemischen Eigenschaften
des Holzes oder an natürlichen Ursachen. ‚
Der Schwerpunkt liegt ganz auf
göttlicher Anweisung und Gehorsam.
Gott offenbarte das Mittel, und Moses
handelte gemäß dem, was Gott ihm gezeigt hatte.
Dieses Muster ist wichtig.
Der Baum hatte an sich keine Kraft.
Die Schrift stellt ihn nicht
als von Natur aus wirksam dar.
Er fungierte als das von Gott bestimmte Mittel,
nicht als Quelle der Heilung.
Die Verwandlung des Wassers
kam vom Herrn, auch wenn
sie durch
etwas Gewöhnliches und Sichtbares vollbracht wurde.
An dieser Stelle öffnet sich die Passage
zu einem umfassenderen biblischen Muster.
In der gesamten Heiligen Schrift verbindet Gott
sein Heilswerk immer wieder mit unerwarteten
und unscheinbaren Mitteln.
Er tut dies auf eine Weise, die verhindert,
dass die Mittel selbst
in den Mittelpunkt rücken.
Die Aufmerksamkeit wird stattdessen auf seine Autorität,
seine Anweisungen und seine Treue
gerichtet, sein Volk zu erhalten.
Hier kann man eine sorgfältige christologische Lesart machen,
ohne dem Text mehr zu unterstellen, als er sagt,
sondern indem man schaut, wie er in das
größere Bild der Erlösungsgeschichte passt.
Der Baum wurde in die Bitterkeit gesetzt,
damit das, was kein Leben geben konnte,
in etwas Lebenserhaltendes verwandelt würde.
Als die Zeit reif war,
setzte Gott seinen Sohn in eine Welt,
die schon von Sünde, Tod und Fluch geprägt war.
Christus blieb nicht außerhalb des menschlichen Leidens.
Er ging voll und ganz hinein. Das Kreuz, wie der Baum in Mara,
wirkte schwach und unscheinbar,
doch Gott bestimmte es als das Mittel,
durch das der Tod überwunden werden würde.
Das Neue Testament identifiziert Mara nicht ausdrücklich
als Prophezeiung Christi,
aber ich glaube nicht, dass die Schrift verlangt,
dass dieser Zusammenhang ausdrücklich erwähnt werden muss.
Dennoch ist das Muster konsistent.
Gott schenkt Leben durch das, was unwirksam erscheint.
Er schenkt Heilung durch Gehorsam, nicht durch Spektakuläres.
Er wirkt durch Mittel, die die Aufmerksamkeit
von sich selbst weg und auf
seinen Heilsplan lenken.
Es ist auch wichtig, dass dieses Ereignis passierte,
nachdem Israel schon erlöst worden war.
Das Volk hatte das Meer durchquert.
Es gehörte zum Herrn.
Trotzdem stieß es immer noch auf Bitterkeit.
Bei Mara ging es nicht um die Rettung aus Ägypten,
sondern um die Unterweisung im Leben der Erlösten.
Gott lehrte sein Volk, wie er es
zwischen Befreiung und Ruhe versorgen würde.
Dies wird in 2. Mose 15,25–26 deutlich,
wo der Herr das Ereignis als Prüfung beschreibt
und seinen Namen als „der Herr, der heilt” offenbart.
Diese Heilung war konkret.
Sie war nicht symbolisch oder abstrakt.
Sie führte zu Wasser, das das Volk trinken konnte.
Gottes Fürsorge war nicht so dramatisch wie die
Durchquerung des Meeres, aber sie war nicht weniger wichtig.
In diesem Licht zeigt die Erzählung von Mara,
dass Gottes Erlösungswerk nicht
mit der Befreiung endete.
Er begegnet seinem Volk weiterhin an Orten,
an denen Versorgung vorhanden ist, aber noch nicht ausreicht,
an denen der Glaube geprüft wird und an denen Abhängigkeit
gelernt werden muss.
Seine Heilung geschieht oft still,
durch Gehorsam gegenüber seinem Wort,
und nicht durch die Demonstration
überwältigender Macht.
Die Passage lädt daher eher zum Nachdenken
als zu einer Lösung ein.
Die Bitterkeit von Mara war kein Zeichen dafür,
dass Gott sein Volk verlassen hatte.
Es war der Kontext, in dem er offenbarte,
wie er heilt und wie er diejenigen erhält,
die er bereits erlöst hat.