
Schon auf den ersten Seiten der Bibel geht Gott gegen die menschliche Annahme vor, dass man durch seine Position Gunst erlangt. Immer wieder stellt er bewusst die Geburtsreihenfolge, den Rang und die Erwartungen auf den Kopf – nicht aus Bevorzugung, sondern als Urteil gegen den Stolz.
Kain war der Erstgeborene, doch Gott lehnte sein Opfer ab. Abels Opfer wurde nicht wegen der Reihenfolge angenommen, sondern wegen seines Gehorsams und seines Glaubens (1. Mose 4,3–7; Hebräer 11,4). Ismael wurde als Erster geboren, doch Gott erklärte eindeutig: „Durch Isaak wird deine Nachkommenschaft gezählt werden“ (1. Mose 21,12). Esau kam als Erster zur Welt, doch noch bevor einer der Brüder etwas unternommen hatte, sagte Gott: „Der Ältere wird dem Jüngeren dienen“ (1. Mose 25,23; Römer 9,10–13).
Das war kein Zufall. Die Bibel sagt ganz klar: Gott hat die Lüge entlarvt, dass natürliche Vorteile gleichbedeutend mit göttlicher Anerkennung sind.
Joseph, einer der Jüngsten, wurde von seinen Brüdern verraten und begraben – doch Gott machte ihn zum Werkzeug ihres Überlebens (Genesis 37–50). Jakob kreuzte absichtlich seine Hände, um Ephraim vor Manasse zu segnen, und lehnte damit kulturelle Normen ab, um göttlicher Einsicht zu folgen (Genesis 48,17–20). David wurde so sehr übersehen, dass nicht mal sein eigener Vater ihn rief, aber Gott sagte Samuel direkt: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“ (1. Samuel 16,7).
Die Botschaft ist klar: Gott passt sich nicht den menschlichen Hierarchien an.
Und dieses Muster erreicht seinen endgültigen, verheerenden Höhepunkt in Jesus Christus.
Israel erwartete einen siegreichen König, einen politischen Erben, eine sichtbare Macht. Stattdessen sandte Gott einen leidenden Diener, geboren in der Verborgenheit, abgelehnt von den Mächtigen, gekreuzigt wie ein Verbrecher. Jesus erbte keine Macht – er gehorchte bis zum Tod. „Obwohl er ein Sohn war, lernte er durch Leiden Gehorsam“ (Hebräer 5,8). Wegen dieses Gehorsams „hat Gott ihn hoch erhoben“ (Philipper 2,8–9).
Das ist die zentrale biblische Wahrheit, gegen die sich das moderne Christentum oft sträubt: Gott bevorzugt nicht den Status. Er bevorzugt die Hingabe.
4,6). „Viele, die die Ersten sind, werden die Letzten sein“ (Matthäus 19,30)
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Saul wurde in der Geschichte Israels nicht als Bösewicht vorgestellt, sondern vielmehr als Antwort auf Gebete.
Er wurde zu einer Zeit ausgewählt, als das Volk
Israel sich nach Stabilität, Sicherheit
und einem sichtbaren Anführer „wie die anderen Völker“ sehnte.
Nun, er sah dafür geeignet aus.
Er war groß, beeindruckend und äußerlich für das Königtum geeignet.
Die Schrift sagt uns sogar, dass er, als er zum ersten Mal vorgestellt wurde,
auf der Suche nach verlorenen Eseln war und nicht nach Macht.
Er zeigte früh Demut und eine
Zögerlichkeit, die fast bewundernswert wirkte
(1. Samuel 9–10).
Aber Sauls Tragödie besteht nicht darin, dass er schlecht angefangen hat.
Sondern dass er gut begann und langsam aufhörte, auf Gott zu hören.
Der Wendepunkt in Sauls Leben war nicht eine einzelne dramatische Sünde,
sondern ein Muster von teilweisem Gehorsam.
Als der Prophet Samuel ihm auftrug
auf das Wort des Herrn zu warten, wartete Saul,
aber nicht lange genug.
Er brachte das Opfer selbst dar und erklärte, dass das Volk
sich zerstreute und die Situation dringend sei.
Seine Argumentation klang praktisch, sogar verantwortungsbewusst.
Aber sie offenbarte etwas Tieferes: Saul hatte begonnen,
mehr auf Druck als auf Anweisungen zu vertrauen
und mehr auf Dringlichkeit als auf Gehorsam.
Von da an vertiefte sich dieses Muster.
Bei dem Befehl gegen Amalek
gehorchte Saul nur selektiv.
Er verschonte, was nützlich erschien, behielt, was dem Volk gefiel,
und verteidigte dann sein Handeln mit spiritueller Sprache.
„Ich habe den Befehl des Herrn ausgeführt“,
sagte er, während er neben seiner Ungehorsamkeit stand.
Samuels Antwort ist immer noch still, aber bestimmt
„Gehorsam ist besser als Opfer.“
Wenn man dies betrachtet, hat Saul Gott nicht rundweg abgelehnt.
Er definierte Gehorsam neu, um ihn seiner Angst vor den Menschen
und seinem Wunsch, die Kontrolle zu behalten, anzupassen.
An dieser Stelle wird Sauls Geschichte unangenehm nachvollziehbar.
Sauls Untergang hatte seine Wurzeln nicht
im Atheismus oder in Rebellion, sondern in Unsicherheit.
Saul fürchtete, das Volk zu verlieren.
Er fürchtete, an Bedeutung zu verlieren.
Er fürchtete, seine Position zu verlieren.
Mit der Zeit veränderte diese Angst seine Führungsqualitäten.
Als Gottes Gegenwart unsicher wurde,
griff Saul noch stärker nach der Kontrolle.
Als David auftauchte, tat Saul nicht Buße, sondern konkurrierte mit ihm.
Die Salbung, die einst auf ihm ruhte, wurde zu etwas,
das er zu schützen versuchte, anstatt sich ihm hinzugeben.
Die tragischste Zeile in Sauls Leben
wird nicht von ihm gesprochen, sondern über ihn
„Der Geist des Herrn wich von Saul“
(1. Samuel 16,14).
Dies geschah nicht plötzlich und überraschend.
Es folgte auf wiederholte Momente, in denen Saul
das Äußere über die Ausrichtung und den Ruf über die Reue stellte.
Er wollte Gottes Vorteile ohne Gottes Autorität.
Am Ende seines Lebens stand Saul als König da,
der zwar noch die Krone trug,
aber nicht mehr mit dem Herrn wandelte.
Er suchte Führung nicht bei Gott,
sondern bei verbotenen Quellen.
Der Mann, der sich einst in Demut versteckte,
jagte nun David in seiner Paranoia.
Sauls Leben warnt uns, dass die Nähe zu Gottes Werk
nicht dasselbe ist wie die Unterwerfung unter Gottes Stimme.
Und doch ist Sauls Geschichte nicht nur geschrieben, um ihn zu verurteilen.
Sie ist geschrieben, um etwas in uns aufzudecken.
Saul zeigt uns, welche Art von König die Menschheit von Natur aus hervorbringt:
einen, der mit Versprechungen beginnt, aber
unter dem Gewicht der Selbsterhaltung zusammenbricht.
Er offenbart, wie Führung ohne Hingabe
zerstörerisch wird und wie Religion
ohne Gehorsam hohl wird.
Saul war genau die Art von König, die Israel sich gewünscht hatte.
Und genau das ist das Problem.
Sein Leben weckt eine Sehnsucht.
Denn wenn Saul das Beste war, was die Menschheit zu bieten hatte,
stark, beeindruckend, religiös, dann brauchte Israel eine andere Art von König.
Diese Sehnsucht ist der Punkt, an dem Christus in die Geschichte eintritt.
Jesus ähnelte Saul in keiner Weise.
Nach weltlichen Maßstäben sah er nicht beeindruckend aus.
Er klammerte sich nicht an die Macht und fürchtete nicht, Anhänger zu verlieren.
Wo Saul in Panik Opfer brachte,
gehorchte Jesus dem Vater im Vertrauen.
Wo Saul nach der Königswürde griff,
legte Jesus seine nieder.
Und wo Saul durch Ungehorsam den Geist verlor,
lebte Jesus in vollkommener Einheit mit dem Vater
und goss den Geist frei aus.
Sauls Königreich endete in Angst und Isolation.
Das Reich Christi begann am Kreuz.
Saul zeigt uns, dass ein König, der sich selbst rettet,
sein Volk nicht retten kann.
Christus zeigt uns, dass ein König, der sich selbst hingibt,
die Welt retten kann.
Sauls Leben warnt uns davor, wohin ungebremste Unsicherheit führt.
Jesus lädt uns zu der Ruhe ein, die Saul nie gefunden hat.
Und in diesem Gegensatz findet die Geschichte von Saul endlich ihre Bedeutung,
nicht als ein Versager, den wir verspotten, sondern als ein Spiegel, den wir brauchen,
der uns auf den einzigen König hinweist, der nie
aufgehört hat, auf den Vater zu hören.
by Jule with 1 commentHeute lesen 1. Samuel 13 bis 16 . Wir wünschen euch noch einen schönen und gesegneten Tag 😘
Da wir die Kapitel bereits Anfang 2023 als Gruppe gemeinsam im AktivGottesdienst besprochen haben, hier für euch die Zusammenfassungen by Jule with 21 comments