
In Johannes 20,11–18 kam Maria zum Grab, um nach einem toten Körper zu suchen. Sie rechnete nicht mit einer Auferstehung. Sie trauerte.
Sie hatte gesehen, dass der Stein weg war,
hatte es den Jüngern erzählt und war
unter Tränen zum Grab zurückgekehrt.
Johannes zeigt uns eine Frau, deren
Trauer echt und persönlich war.
Sie trauerte nicht um eine Idee.
Sie trauerte um den Herrn, den sie liebte,
und soweit sie es verstanden hatte,
hatte sie ihn komplett verloren.
Was mir auffällt, ist, dass
Maria in der Nähe des Grabes blieb,
auch nachdem die anderen gegangen waren.
Sie schaute an den Ort des Todes,
weil sie dachte, dass
Jesus immer noch dort war.
Selbst als sie die Engel sah,
verschwand ihre Trauer nicht sofort.
Sie sagte: „Sie haben meinen Herrn weggenommen,
und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben“
(Johannes 20,13). Sie nennt ihn immer noch „meinen Herrn“,
was ihre Liebe zeigt, aber sie redet
wie jemand, der glaubt, dass er weg ist.
Dann sagt Johannes, dass sie sich umdrehte und
Jesus dort stehen sah,
aber sie wusste nicht, dass es Jesus war.
Dieses Detail ist wichtig, weil Jesus
bereits in ihrer Nähe war, auch wenn
Maria ihn nicht erkennen konnte.
Das Problem war nicht seine Abwesenheit.
Es war ihre Trauer und ihr begrenztes
Verständnis in diesem Moment.
Sie dachte, er sei der Gärtner
und redete weiter, als würde sie
immer noch nach dem Leichnam ihres verstorbenen Herrn suchen.
Der Wendepunkt kommt, als
Jesus ein einziges Wort sagt: „Maria“ (Johannes 20,16).
Da erkennt sie ihn.
Sie kommt hier nicht zum Glauben,
weil sie alles selbst durchdenken kann.
Sie erkennt ihn, als
der auferstandene Christus sie beim Namen ruft.
Das passt so gut zu dem, was Jesus
zuvor in Johannes gesagt hat, dass der
gute Hirte seine
Schafe beim Namen ruft.
Der auferstandene Herr ist nicht nur lebendig.
Er ist persönlich. Er kennt seine Leute
und spricht zu ihnen.
Das macht diese Passage so rührend.
Maria dachte, sie hätte ihn komplett verloren,
aber der auferstandene Christus war näher, als sie dachte.
Sie kam, um einen toten Körper zu suchen,
und ging, nachdem sie ihren Namen
vom lebendigen Christus gehört hatte.
Jesus schämte sie nicht für ihr Weinen.
Er begegnete ihr in ihrer Trauer und verwandelte
ihre Trauer in Zeugnis.
Dann schickt Jesus sie zu den Jüngern
mit der Botschaft, dass er zu seinem Vater und ihrem Vater auffährt.
Maria, die unter Tränen kam,
Maria, die unter Tränen gekommen war,
wird die Erste in diesem Evangelium,
die verkündet: „Ich habe den Herrn gesehen“
(Johannes 20,18).
Ihre Trauer war nicht das Ende der Geschichte.
Der auferstandene Christus verwandelte sie
von einer Trauernden in eine Botschafterin.
Was mir am meisten in Erinnerung bleibt, ist Folgendes:
Maria schaute immer noch zum Grab,
während Jesus bereits neben ihr stand.
Das macht ihre Trauer nicht weniger echt,
aber es zeigt, dass Trauer nicht immer bedeutet,
dass Christus weit weg ist.
Manchmal sehen wir nicht klar, aber er ist schon näher, als wir denken. Diese Stelle erinnert uns daran, dass Jesus keine Erinnerung ist, die man bewahren muss. Er ist der lebendige Herr, der die Seinen kennt, sich den Trauernden nähert und sein Volk immer noch beim Namen ruft.
This entry was posted in Ermunterung, Fundstücke, Gemeinsam Bibellesen, Johannes and tagged Johannes 20 by Jule with no comments yet
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.