
Lazarus aus seinem Grab holen
Als Jesus in Johannes 11 zum Grab von Lazarus ging, war er sich total sicher, was er tun würde. Er war nicht unsicher oder ängstlich. Er kam mit Autorität, Mitgefühl und einem klaren Ziel. Lazarus lag schon seit vier Tagen im Grab. Jeder wusste, was das bedeutete. Der Tod war sicher. Die Trauer war echt. Die Tränen waren echt. Der Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen lastete schwer auf den Herzen von Maria, Martha und allen, die daneben standen.
Aber Jesus sprach Worte, die alles veränderten.
In Johannes 11,25 (NIV) sagte Jesus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“
Denkt mal einen Moment darüber nach. Was für ein Mensch kann so etwas sagen? Wer hat die Autorität, so über Leben und Tod zu sprechen? Jesus tröstete sie nicht nur mit freundlichen Worten. Er offenbarte, wer er wirklich ist.
Dann passierte etwas Beeindruckendes.
Jesus stand neben dem Grab und rief mit lauter Stimme: In Johannes 11,43 (NIV) lesen wir: „Lazarus, komm heraus!“
Und das Unmögliche passierte. Der Mann, der seit vier Tagen tot war, kam aus dem Grab heraus. Die Stimme Jesu drang bis in den Tod selbst vor. Das Leben antwortete auf den Ruf desjenigen, der das Leben geschaffen hatte.
Doch die Geschichte endet hier nicht.
Johannes beschreibt etwas sehr Wichtiges. Lazarus kam heraus, aber er war immer noch in Grabtücher gewickelt. Seine Hände und Füße waren gefesselt, und sein Gesicht war mit einem Tuch bedeckt. Stell dir vor, du würdest diesen Moment sehen. Ein lebender Mann steht da, aber immer noch in die Zeichen des Todes gehüllt.
Dann sagte Jesus etwas Unerwartetes.
In Johannes 11,44 (NIV) sagte Jesus zu den Menschen um ihn herum: „Nehmt ihm die Grabtücher ab und lasst ihn gehen.“
Ist dir etwas Interessantes aufgefallen? Jesus hatte die Macht, Lazarus von den Toten auferstehen zu lassen. Aber er wickelte Lazarus nicht selbst aus. Stattdessen bat er die Menschen, die dort standen, ihm zu helfen.
Warum tat Jesus das?
Dieser Moment zeigt uns etwas Schönes über das Herz Gottes. Nur Jesus kann Leben geben. Keine menschliche Stimme hätte Lazarus aus dem Grab rufen können. Niemand sonst konnte die Kraft der Auferstehung bringen. Dieses Wunder gehörte allein Christus. Aber sobald Lazarus wieder lebte, ließ Jesus andere an diesem Prozess der Befreiung teilhaben.
Lazarus war am Leben, aber er war immer noch in die Grabtücher gewickelt. Der Tod hatte keine Macht mehr über ihn, aber die Spuren des Todes hafteten noch an ihm.
Ist das nicht manchmal auch in unserem eigenen Leben so?
Die Bibel lehrt uns, dass etwas Unmittelbares passiert, wenn wir zu Christus kommen. Das Leben beginnt in dem Moment, in dem wir glauben. In Epheser 2,4–5 (NIV) heißt es: „Aber wegen seiner großen Liebe zu uns hat Gott, der reich an Barmherzigkeit ist, uns mit Christus lebendig gemacht, obwohl wir in unseren Verfehlungen tot waren – aus Gnade seid ihr gerettet worden.“
Achte auf dieses Wort. Lebendig. Gott macht uns nicht langsam lebendig. Er schenkt uns Leben in dem Moment, in dem wir auf ihn reagieren. Wenn Christus ruft, beginnen die geistlich Toten zu leben.
Aber viele Gläubige verlassen das Grab immer noch mit alten Ängsten, alter Scham und alten Denkgewohnheiten. Sie sind in Christus lebendig, doch Teile ihres Verstandes und ihres Herzens fühlen sich immer noch in der Vergangenheit gefangen.
Hast du dich jemals so gefühlt?
Du glaubst an Jesus. Du weißt, dass er dich gerettet hat. Doch manchmal versuchen die alten Gedanken, sich festzuhalten. Alte Etiketten aus der Vergangenheit versuchen zu definieren, wer du bist. Alte Wunden flüstern Lügen über deinen Wert.
Aber Jesus lehnt Menschen nicht ab, weil sie noch in Grabtücher gehüllt sind. Stattdessen erklärt er ihr Leben und lädt dann andere ein, dabei zu helfen, das zu entfernen, was nicht mehr dazugehört.
Hier wird Liebe sichtbar.
Gottes Liebe zeigt sich nicht nur, wenn Tote zum Leben erweckt werden. Sie zeigt sich auch in der geduldigen Arbeit, den Lebenden zu helfen, in Freiheit zu leben. Jesus hat Lazarus nicht dafür beschämt, dass er in Leichentücher gehüllt war. Er sagte nicht: „Das hättest du schon längst in Ordnung bringen sollen.“ Stattdessen wandte er sich an die Menschen in seiner Nähe und forderte sie auf, zu helfen.
So wirkt Gott oft unter seinem Volk.
Er erweckt uns durch Gnade zum Leben. Dann bringt er uns in eine Gemeinschaft, wo Menschen uns ermutigen, uns lehren und uns auf unserem Weg begleiten können. Unsere Identität ändert sich sofort, aber es dauert oft eine Weile, bis sich unser Denken ändert.
Die Bibel spricht klar darüber. In 2. Korinther 5,17 (NIV) heißt es: „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden!“
Das ist es, was wir jetzt sind. Eine neue Schöpfung. Doch der Prozess der Erneuerung des Denkens geht weiter. Römer 12,2 (NIV) erinnert uns daran: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken.“
Das Leben wird in einem Augenblick geschenkt. Das Wachstum geschieht auf dem Weg.
Deshalb sind Gläubige dazu aufgerufen, einander zu helfen. Anstatt Menschen an ihre Vergangenheit zu erinnern, helfen wir ihnen, in ihre Zukunft zu gehen. Anstatt Lügen zu wiederholen, sprechen wir die Wahrheit.
Galater 6,1 (NIV) gibt diese Anweisung: „Brüder und Schwestern, wenn jemand in eine Sünde verstrickt ist, solltet ihr, die ihr im Geist lebt, diesen Menschen sanft wieder zurechtbringen.“
Ist dir das Wort „sanft“ aufgefallen? Jemanden zu entwirren erfordert Geduld und Freundlichkeit. Es geht nicht um Kontrolle oder Urteilsvermögen. Es geht um Liebe.
Kolosser 3,9–10 (NIV) sagt auch: „Lügt einander nicht an, da ihr doch das alte Wesen mit seinen Gewohnheiten abgelegt und das neue Wesen angezogen habt, das in der Erkenntnis nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird.“
Diese Sprache zeigt uns etwas Wichtiges. Das alte Ich wird abgelegt. Das neue Ich wird uns geschenkt. Aber zu lernen, in dieser neuen Identität zu leben, braucht Zeit, Ermutigung und Wahrheit.
Und alles beginnt mit Liebe.
Gott hat uns geliebt, als wir noch verloren waren. In Römer 5,8 (NIV) heißt es: „Gott aber hat seine Liebe zu uns darin gezeigt, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“
Dieselbe Liebe soll jetzt durch unser Leben fließen.
Wir helfen Menschen nicht dabei, sich zu befreien, damit wir sie kontrollieren können. Wir tun es, damit sie in Freiheit leben können. Wir erinnern Menschen nicht ständig daran, wo sie früher waren. Stattdessen helfen wir ihnen zu sehen, wohin Gott sie führt.
Erinnern Sie sich daran, was Jesus an diesem Tag gesagt hat. Er sagte Lazarus nicht, er solle sich reinigen. Er sagte einfach: „Nehmt die Grabtücher ab und lasst ihn gehen.“
Freiheit ist nichts, was wir alleine erreichen. Sie wächst in einer Gemeinschaft, die in Wahrheit und Liebe verwurzelt ist.
Wenn also jemand in Christus lebendig geworden ist, denk daran: Er gehört nicht mehr ins Grab. Das Grab hat keine Macht mehr über ihn.
Unsere Berufung ist einfach, aber kraftvoll. Als Gottes Volk helfen wir dabei, das zu entfernen, was den Menschen einst umhüllte. Wir sprechen Leben dort, wo einst Scham herrschte. Wir erinnern die Menschen daran, wer sie in Christus wirklich sind. Und wir gehen geduldig neben ihnen her, während sie wachsen.
So sieht das Evangelium im Alltag aus.
Jesus schenkt Leben. Und Liebe hilft anderen, darin zu leben.
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