
Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der Sucht und Alkohol stärker waren als meine Versprechen, stärker als meine Disziplin, stärker als meine Gebete. Ich sagte mir immer, dass es das letzte Mal sei. Ich versprach Gott, dass ich mich bessern würde. Und dann fiel ich wieder zurück. Dieser Kreislauf war echt anstrengend. Die Scham war schwerer als die Sucht. Und darunter lag die Angst. Die Angst, dass ich vielleicht wirklich so war, wie ich war. Angst, dass ich vielleicht zu weit gegangen war. Angst, dass ich, selbst wenn Gott mir vergeben würde, nie wirklich frei sein würde.
Dann war Psalm 34 nicht mehr nur ein schöner Vers, sondern wurde zu meiner Rettungsleine. „Ich suchte den Herrn, und er antwortete mir und befreite mich von all meinen Ängsten“ (Psalm 34,4, ESV). Beachte, was David nicht sagt. Er sagt nicht: Ich habe mich selbst in Ordnung gebracht, und dann hat Gott reagiert. Er sagt: Ich habe den Herrn gesucht. Dort beginnt die Gnade. Nicht mit deiner Kraft. Sondern mit deiner Umkehr. Ich kam nicht beeindruckend zu Gott. Ich kam verzweifelt. Und er antwortete mir.
Der Vers sagt, dass er mich von all meinen Ängsten befreit hat. Bei Sucht geht es nicht nur um Substanzen. Es geht um Angst. Angst, nüchtern mit Schmerzen konfrontiert zu werden. Angst, allein mit seinen Gedanken zu sitzen. Angst, bloßgestellt zu werden. Angst, nicht gut genug zu sein. Als Gott begann, mich zu befreien, hat er nicht nur mein Verhalten geändert. Er hat angefangen, meine Angst zu heilen. Er hat mir gezeigt, dass ich nicht verlassen war. Er hat mir gezeigt, dass das Kreuz meine schlimmsten Momente bereits getragen hatte. Er hat mir gezeigt, dass ich geliebt wurde, bevor ich clean war.
Dann sagt David: „Die auf ihn schauen, strahlen vor Freude, und ihre Gesichter werden niemals beschämt werden“ (Psalm 34,5, ESV). Früher lebte ich mit gesenktem Blick. Ich vermied Augenkontakt. Ich trug meine private Schuld mit mir herum. Aber wenn man auf ihn schaut, verändert sich etwas. Strahlkraft ist nicht Perfektion. Es ist die Abwesenheit von Scham. Es ist das Vertrauen, dass deine Vergangenheit keine rechtliche Autorität mehr über deine Identität hat. Jesus hat mir nicht nur meine Sünden vergeben. Er hat meine Scham beseitigt. Er hat mich nicht toleriert. Er hat mich wiederhergestellt.
Und dann kommt die Einladung, die mein Herz jedes Mal zum Schmelzen bringt. „Schmeckt und seht, wie gut der Herr ist! Wohl dem, der auf ihn vertraut!“ (Psalm 34,8, ESV). Sucht verspricht Erleichterung, lässt dich aber leerer zurück. Sie bietet Trost, verlangt aber Kontrolle. Gott bietet Zuflucht. Keine Leistung. Keine Bewährungsstrafe. Zuflucht. Einen sicheren Ort für die Schwachen. Eine Decke für die Entblößten. Einen Vater für die Verlorenen.
Als ich endlich seine Güte schmeckte, wurde mir klar, dass ich mich mit falschem Trost zufriedengegeben hatte. Seine Gegenwart war besser als der Rausch. Sein Friede war tiefer als die Flucht. Seine Liebe war stärker als das Verlangen. Die Gnade hat mich nicht aus meiner Sucht herausgeschämt. Die Gnade hat mich aus ihr herausgeliebt. Die Gnade flüsterte mir zu: Du bist immer noch mein Sohn. Die Gnade erinnerte mich daran, dass das Blut Jesu nicht zerbrechlich war. Die Gnade stellte sich zwischen mich und meine Vergangenheit und erklärte: Vollständig bezahlt.
Wenn Gott das für mich getan hat, kann er es für jeden tun. Ich bin keine Ausnahme. Ich bin der Beweis. Du bist nicht zu sehr gefesselt. Du bist nicht zu beschämt. Du bist nicht zu weit gegangen. Derselbe Herr, der David antwortete, antwortet immer noch. Derselbe Herr, der ihn von der Angst befreite, befreit immer noch. Derselbe Herr, der Gesichter strahlen lässt, nimmt immer noch die Scham weg.
Wenn du dich gerade festgefahren fühlst, suche ihn. Nicht mit ausgefeilten Worten. Mit Ehrlichkeit. Schau zu ihm auf, auch wenn deine Augen tränen vor Reue. Suche Zuflucht bei ihm, auch wenn du dich unwürdig fühlst. Seine Güte ist nicht den Starken vorbehalten. Sie offenbart sich den Verzweifelten.
Probier es aus und sieh selbst. Er ist immer noch gut.
This entry was posted in Ermunterung, Fundstücke, Gemeinsam die Bibel in einem Jahr lesen, Psalm and tagged Psalm 34 by Jule with no comments yet
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.