
Jesus sagt: „Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen geht, wenn er sein Haus verlässt und seinen Dienern die Verantwortung überträgt, jedem seine Arbeit, und dem Türhüter befiehlt, wachsam zu bleiben“ (Markus 13,34, ESV). Auf den ersten Blick klingt diese Parabel wie Druck. Bleibt wachsam. Seid bereit. Vermasselt es nicht. Aber Jesus will keine Angst schüren. Er offenbart Zuversicht. Der Besitzer geht weg, weil das Haus sicher ist. Er überträgt Verantwortung, weil die Diener fähig sind. Dies ist keine Geschichte über Misstrauen. Es ist eine Geschichte über Vertrauen.
Beachten Sie, was der Herr tut, bevor er geht. Er weist jedem Diener seine Aufgabe zu. Niemand ist in Eile. Niemand rät. Jeder hat seinen Platz. Der Herr mischt sich nicht in Kleinigkeiten ein. Er droht nicht. Er vertraut einfach und geht. Das sagt uns etwas Wichtiges über das Reich Gottes. Gott schwebt nicht über Ihrem Leben und sucht nach Fehlern. Er hat Ihnen bereits alles gegeben, was Sie brauchen, um in seiner Abwesenheit treu zu leben.
Jesus sagt dann: „Darum wacht, denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt“ (Markus 13,35, ESV). Wachen wird oft als ständige Wachsamkeit gegen Versagen interpretiert. Aber Wachsamkeit in der Schrift ist keine hektische Alarmbereitschaft. Es ist eine gelassene Bereitschaft. Den Dienern wird nicht gesagt, sie sollen regungslos an der Tür stehen. Ihnen wird gesagt, sie sollen ihre zugewiesene Arbeit verrichten. Treue bedeutet nicht, nervös zu warten. Es bedeutet, verantwortungsbewusst zu leben.
Hier liegt die Erkenntnis, die viele übersehen. Das Schlafen in diesem Gleichnis ist keine körperliche Ruhe. Jesus schlief. Die Jünger schliefen. Es geht nicht um Ruhe. Es geht um Nachlässigkeit. Hier zu schlafen bedeutet, das aufzugeben, was dir anvertraut wurde. Es geht nicht darum, die Augen zu schließen. Es geht darum, dein Herz für Verantwortung zu verschließen. Wachsamkeit bedeutet nicht, angespannt zu bleiben. Es bedeutet, engagiert zu bleiben.
Jesus zählt die möglichen Zeiten auf, zu denen der Herr zurückkehren könnte. Am Abend. Um Mitternacht. Wenn der Hahn kräht. Oder am Morgen. Diese Zeiten stehen für jede Jahreszeit. Behaglichkeit. Dunkelheit. Wandel. Neuanfang. Es geht nicht um den Zeitpunkt. Es geht um Beständigkeit. Treue hängt nicht von den Umständen ab. Sie ändert sich nicht, je nachdem, wie spät es ist oder wie müde man ist.
Dann sagt Jesus etwas, das alles in einen neuen Zusammenhang stellt. „Was ich euch sage, sage ich allen: Bleibt wachsam“ (Markus 13,37, ESV). Das ist keine Warnung an die Ängstlichen. Es ist eine Einladung an die Vertrauten. Der Aufruf zur Wachsamkeit dient nicht dazu, Strafe zu vermeiden. Es geht darum, Vertrauen zu ehren. Der Herr erwartet Treue, weil er an seine Diener glaubt.
Durch das vollendete Werk Jesu Christi wird diese Parabel noch sicherer. Jesus hat euch nicht machtlos zurückgelassen. Er hat euch seinen Geist hinterlassen. Er hat euch keine Aufgaben übertragen, ohne euch dafür auszurüsten. Er ist nicht gegangen, ohne zu versprechen, wiederzukommen. Und seine Wiederkunft soll diejenigen, die zu ihm gehören, nicht erschrecken. Sie soll das vollenden, was er begonnen hat.
In diesem Gleichnis geht es nicht darum, in Angst zu leben, beim Begehen einer falschen Tat erwischt zu werden. Es geht darum, mit einem Ziel vor Augen zu leben, denn was ihr tut, ist wichtig. Treue ist nicht Perfektion. Es ist Präsenz. Es ist, da zu sein. Es ist, sich mit Freude und nicht mit Furcht um das zu kümmern, was Gott euch anvertraut hat.
Die Anwendung ist einfach und befreiend. Tut die Arbeit, die vor euch liegt. Liebt die Menschen um euch herum. Verwaltet, was Gott euch anvertraut hat. Ruht euch ohne Schuldgefühle aus. Lebt ohne Panik. Wenn er wiederkommt, wird er nicht kommen, um zu sehen, ob ihr genug Angst hattet. Er wird kommen, um zu sehen, ob ihr treu wart.
by Jule with 1 comment