Wie ihr wisst, lesen wir inzwischen gemeinsam das Bibelbuch Hiob – bisher haben wir die ersten 7 Kapitel gelesen und wissen, worum es eigentlich geht:
Es geht um einen Streit im Himmel. Jehova und Satan waren sich einig, dass Hiob ein besonders gottesfürchtiger Mann war, scheinbar der einzige überhaupt zu dieser Zeit. Aber es herrschte Uneinigkeit über seine Motivation, denn Satan behauptete, dass er dies nur aus Eigennutz tun würde, weil er von Gott gesegnet war und dass es ihm nicht um Gott selbst ginge (Kapitel 1). Um dies ein für alle mal zu klären, ließ Jehova den Satan machen, er durfte ihm alles nehmen, nur sein Leben war tabu. Und so nahm dieser ihm alles, seine Habe, seine Angestellten, seine Kinder; die Frau lehnte sich gegen ihn und Gott auf und als Krönung wurde er mit einer schlimmen Krankheit geschlagen.
Satan hatte Hiob wirklich alles genommen, trotzdem hielt dieser weiterhin an Gott fest, er war der Ansicht, dass man nicht nur das Gute annehmen müsse. Als er total am Ende war, bekam er Besuch von drei seiner engeren Freunden, die so geschockt über seinen desolatent Zustand waren, dass sie 7 Tage schweigend bei ihm saßen (Kapitel 2).
Nach dieser Zeit brach Hiob sein Schweigen und alle waren betroffen, wie deprimiert er war, er wünschte sich tot zu sein, ja nicht einmal geboren worden zu sein. Er wollte keine Probleme mehr haben und ganz nah bei Gott sein. Wir hatten geklärt, dass wir Gott in so einer Situation ruhig nach dem Warum fragen dürfen. Denn zum einen weiß er es eh schon, da er uns ins Herz sehen kann und zum anderen gehört es zu einer wirklich gesunden Beziehung, dass man über alles reden kann und Probleme anspricht, wenn sie da sin. Seine Beziehung zu Gott war also wirklich in Ordnung (Kapitel 3).
Wir lesen weiter die Kapitel 4 bis 7. Nun steigen die 3 Freunde mit in die Diskussion ein und jeder von Ihnen hat eine bestimmte Meinung, die wir auch heute noch in den verschiedensten Kirchen vorfinden. Als erstes ergreift Eliphas das Wort, sein Name bedeutet „Gott ist reich“ und er ist der Ansicht, dass Gott nach dem Prinzip von „Saat und Ernte“ bestraft.
Kapitel 4 und 5
Als erstes lesen wir die Kapitel 4 und 5 und sehen uns an, wie dieser Eliphas Hiob trösten will:
Gleich in den ersten Versen von Kapitel 4 erfahren wir etwas über Hiob, was wir aus den ersten Kapiteln noch nicht kennen: er war bekannt dafür, dass er stets anderen geholfen und zur Seite gestanden hat, „nun bist du dran, dass es dir mal schlecht geht“ (Verse 3-5). Außerdem sei er selbst schuld, er habe etwas falsch gemacht (Vers 7).
Ist dies nicht eine merkwürdige Art des Tröstens? Würden wir wirklich einem Bruder, der gerade zum 3. Mal seinen Job verloren hat, sagen, er sei selbst schuld, er solle überlegen, was er falsch gemacht hätte? Würden wir wirklich nach jemanden treten, der schon auf dem Boden liegt?
Aber was, wenn es doch stimmt, wenn er immer wieder gekündigt wird, weil er nicht zuverlässig ist, wenn er laufend unpünktlich ist und seine Arbeit nicht ordentlich macht, weil er keine Lust hat? Gehört es dann nicht zu den Pflichten eines echten Freundes, ihm dies auch zu sagen?
Ja, das stimmt, aber es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an. In dem Moment sind wir erst mal als Tröster gefragt, wir müssen ihm erst wieder auf die Beine helfen und dann, wenn er wieder richtig steht ohne Krücke, dann können wir ihn liebevoll darauf hinweisen, dass er selbst etwas ändern muss, auch hier kommt es auf das „wie“ an.
Eliphas verflechtet hier geschickt Wahrheit und Lüge. Wenn 80% von dem was er sagt stimmt und der Rest Lüge ist, dann fällt es schwer, die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden oder sogar, dies überhaupt zu erkennen. So sagt er:
Erkennen wir, was gemeint ist und wie gefährlich solch eine Vermischung von Wahrheit und Lüge ist? Wir merken es dann auch an Hiobs Reaktion darauf.
Sie hatten 7 Tage schweigend bei Hiob gesessen, bis er das Schweigen bricht und sagt, wie er sich fühlt – wir sind heute noch betroffen von dem, was wir die Woche davor gelesen haben, wie schlimm es für Hiob ist – und Eliphas antwortet ihm, indem er sagt, er ernte nur, was er sät, er sei selbst Schuld daran *grummel
Kapitel 6 und 7
Wir lesen weiter die Kapitel 6 und 7 und hören uns Hiobs Antwort an: Wie fühlt er sich jetzt, wo Eliphas ihn „getröstet“ hat?
Er fühlt sich einsam und verlassen, er fühlt sich wie unter der Last vom „Sand des Meeres“ (Kapitel 6:3). Stellen wir uns vor, welch eine schwere Last es ist, wenn man uns mit dem Sand des Meeres überhäufen würde. Das hört sich nicht so an, als hätten ihn die Worte des Freundes getröstet, eher im Gegenteil. Er ist noch verzweifelter als vorher.
Was denkt er, woher seine Probleme kommen? Er denkt, das käme von Gott selbst (Vers 4). Er weiss ja nichts von dem Streit im Himmel. Wissen wir noch, warum Gott Hiob prüft?
Weil Satan Hiob prüfen lassen wollte, da dieser seiner Ansicht nach Gott nur dient, weil er etwas dafür bekommt. Jehova lässt ihn machen. Daher ist das Gefühl von Hiob, er sei „von Gott verlassen“ in gewisser Hinsicht richtig.
Aber bedeute das, dass Jehova ein launischer Gott ist, dass er gibt und nimmt, wie es ihm gerade in den Sinn kommt, um ihn zu prüfen? Wir dürfen nicht vergessen, dass das Ganze nicht Jehovas Idee war, sondern vom Satan ausging.
Hiob möchte am liebsten sterben. Aber wer sollte ihm den Tod bringen? Gott selbst (Verse 8-9). Warum war das sein „Verlangen“? Es wäre für ihn ein Trost, Gott bis zum Schluss treu gewesen zu sein (Vers 10). Können wir dies verstehen und nachvollziehen?
Nun ist Hiob so verzweifelt, dass er seine Freunde angreift (Verse 15-16). Warum? Womit vergleicht er sie?
Er sagt, sie wären wie ein Wildbach: zur Regenzeit sprudelt er über, ist ein reißendes Gewässer, aber im Sommer, wenn es heiß ist und man sich nach Abkühlung sehnt, dann ist er nur ein kleines Rinnsal, fast ausgetrocknet und daher sinnlos und unbrauchbar in dieser Hinsicht. Im übertragenen Sinne sagt er hier: „Nun, wo es mir schlecht geht und ich euch brauche, verlasst ihr mich. Ich kann euch nicht gebrauchen, ihr seid mir keine Hilfe“?.
Hier müssen wir uns die Frage stellen, was wir selbst für Freunde sind? Es muss ja nicht sein, dass Eliphas ihn hier ganz gezielt und bewusst entmutigt. Auch wir könnten einen anderen in Not unbewusst entmutigen anstatt zu trösten, wie es unsere Absicht war. Manchmal reisen wir den anderen unbewusst nieder.
Wir brauchen Freunde um uns herum, die uns aufbauen, die aber auch hinterfragen. Wie vorhin bereits angeführt, kommt es auf das wann und wie an, auf den richtigen Zeitpunkt und die Art und Weise.
Weiter geht es mit Kapitel 7 und wir fragen uns, wie lange diese unerträgliche Situation bereits für Hiob anhält?
In Vers 3 spricht er von „Monden der Nichtigkeit“. Inwiefern sagt dies etwas über den Zeitraum aus? Was wird denn in Monden gemessen? Ein Mondzyklus macht einen Monat aus. Wenn er hier von Monden redet, dann bedeutet dies, dass die Situation bereits mehrere Monate anhält. Es war also nicht nur ein kurzes Intermezzo.
Dann beschreibt er wieder seine Krankheit und fängt an, mit Gott zu diskutieren.
Wo ist sein Problem mit Gott?
„Warum vergibst du mir mein Unrecht nicht? Kannst du keine Sünde übersehen? Denn bald liege ich unter der Erde, und wenn du mich dann suchst, bin ich nicht mehr da.«“
Hiob 7:21 HFA
Wieder einmal fragt er nach dem „Warum?“. Er weiss, es gibt Missetaten in seinem Leben und fragt: „warum kannst du mir nicht einfach vergeben?“
Hier kam in der Gruppe die Frage nach dem Konzept „biblischer Seelsorge“ auf. Hier ist das Ziel, dem Betreffenden in Jüngerschaft zu helfen, ihm zu helfen, Gott ähnlicher zu werden. Dafür sind die Mentoren da. Hiobs Freunde hingegen reissen ihn nieder. Hier fand das Konzept keine Anwendung, hier kommen nur Schuldzuweisungen, die Hiob nicht weiter helfen, eher im Gegenteil.
Wenn wir den zweiten Teil von Vers 21 noch mal lesen, dann sehen wir, dass Hiob denkt, eine unheilbare Krankheit zu haben und dass er bald sterben muss – aber er hat nicht gegen Gott gesündigt in seinen Worten. Auch wenn einige das so sehen und es manchmal so aussieht, denn am Ende vom Buch Hiob greift Gott ein:
„Nachdem der Herr dies alles zu Hiob gesagt hatte, wandte er sich an Elifas aus Teman: »Ich bin voller Zorn über dich und deine beiden Freunde, ihr habt nicht die Wahrheit über mich gesagt, so wie mein Diener Hiob es tat!“
Hiob 42:7 HFA
Heute ging es also darum, wie wir andere trösten und wie es richtig wäre: Wir müssen den Hilfesuchenden erst aufbauen und dann, wenn er wieder steht, dann ehrlich aber liebevoll auf seinen eigenen Anteil auf der Situation hinweisen.
Um ganz klar zu machen, wer da nun spricht, werden wir auch künftig zwei Leser haben. Einen, der die Rede des Freundes vorliest und einen, der Hiobs Antwort vorliest, so dass es ganz klar in unserem Gedächtnis bleibt, wer was gesagt hat. Bei der Menge des Stoffes könnten wir sonst einiges durcheinander bringen und wir wir gerade im letzten Kapitel vom Buch Hiob gelesen haben, sagt Jehova selbst, dass das, was die Freunde sagen, Unsinn ist, wohingegen Hiob die Wahrheit redet?
Zum Schluss von dem Buch muss Hiob für seine drei Freunde Fürbitte leisten, da sie aus Gottes Sicht falsch lagen:
„Nachdem der Herr dies alles zu Hiob gesagt hatte, wandte er sich an Elifas aus Teman: »Ich bin voller Zorn über dich und deine beiden Freunde, ihr habt nicht die Wahrheit über mich gesagt, so wie mein Diener Hiob es tat! Bringt nun sieben junge Stiere und sieben Schafböcke, geht damit zu meinem Diener Hiob und bringt sie als Brandopfer dar! Hiob soll für euch beten, denn nur ihn will ich erhören und euch um seinetwillen nichts Böses tun. Denn ihr habt nicht wie er die Wahrheit über mich gesagt.«“
Hiob 42:7-8 HFA
Es ist ganz wichtig, dass wir diese beiden Verse im Sinn behalten, während wir die Reden der Freunde lesen, damit wir nicht in eine Falle tappen. Denn viele der Kommentatoren, die ich zur Zeit zum Bibelbuch Hiob lese, machen Hiob Vorwürfe und sehen ihn und seine Gefühle und Reden als Abfall von Gott oder ähnliches. Teilweise bekomme ich selbst solche negativen Gefühle beim Lesen. In letzter Zeit habe ich unter der Woche oft mit Thom darüber diskutiert, dass unter anderem der Eliphas doch recht hat, auch wenn es falsch angewandt ist, da wir aus den ersten beiden Kapiteln wissen, dass Hiob eben nicht leidet, weil er irgendwas falsch gemacht hat. Daher prägen wir uns bitte die eben zitierten Verse gut ein und behalten wir sie beim Lesen dieses Bibelbuches im Sinn?
Wieder einmal sehen wir, wie wichtig es ist, die Bibel im Zusammenhang zu lesen und nichts aus dem Kontext zu reißen.
Diese Woche lesen wir die Kapitel 8 bis 10, der zweite Kumpel gibt seinen Senf dazu und Hiob antwortet ihm. Warum ich das hier so respektlos formuliere? Lies doch einfach schon mal die 3 Kapitel, spätestens am Sonntag wirst du meine Worte verstehen, es bleibt spannend ?
by Jule with no comments yetBibelstellen mit Trost von Gott:
Der Beobachter der Menschen nimmt von allem Kenntnis. Er sieht alles und weiß um jede Sünde. Jeder empfängt Vergebung, der in Buße und Bekenntnis zu Ihm kommt und im Glauben den von Ihm gesandten Retter ergreift.
Sollte Er in Seiner Vaterliebe nicht besonders Seine Geliebten beobachten, gerade dann, wenn Er sie in den Schmelztiegel der Leiden legt?
„Du führst hinauf, hinab, durch Frost und Glut – stets ist es gut!“
Es ist von mir: welch eine sel’ge Stunde, da ich erkannte dieses Wort des Herrn als eine gute Botschaft, frohe Kunde, zu halten Angst und Kummer von mir fern! (Ps 119,162)
Es ist von mir: wenn Trost dir ward gegeben in tiefem Schmerz, der dich bedrückte schwer, ein Wort der Liebe, um dich zu erheben aus Nacht der Trübsal und der Sorgen Meer. (Jes 51,12)
Es ist von mir: wenn dein Herz ward gekränket
von einem, der dir lieb und teuer ist, der Herr alsdann zu dir sich neigt und lenket den Blick auf Ihn, der auch dein Alles ist. (2. Sam 16,10–11)
Es ist von mir: wenn plötzlich ist geschehen ein Missgeschick, ein Unglück in der Stadt; bedenke dies: der Herr hat es ersehen, Er selbst bezeugt, dass Er’s bewirket hat. (Amos 3,6)
Es ist von mir: wenn der, den Jesus liebet, ist krank und liegt in Leid und Schmerzen hier, nicht mutlos werd‘ dein Herze und betrübet -bedenke dieses Wort Es ist von mir! (Joh 11,3)
Es ist von mir: o welches Wort der Gnade, des Trostes, seiner Huld in Trübsal hier; es leuchte dir auf deinem Pilgerpfade das heil’ge Wort des Herrn: Es ist von mir! (Ps 119,105)
(aus: „Geläutert im Schmelztiegel Gottes“)
by Jule with no comments yetEine schwergeprüfte Schwester, die schon 42 Jahre gelähmt ist, sandte dieses Gedicht:
Gottes Gedanken – wie groß sind sie doch!
Immer voll Weisheit und Liebe!
Auch wenn wir fragen: „Wie lange noch?“
Wenn uns zu schwer wird des Lebens Joch,
wenn die Sonne versinkt, wenn es trübe.
Gottes Gedanken – sie füllen die Welt,
füllen den Abgrund der Sorgen;
leiten die Sterne am Himmelszelt –
selbst wenn wir ins tiefste Dunkel gestellt –
sie bringen uns dennoch den Morgen.
Gottes Gedanken verlassen uns nie,
müssen wir Liebstes auch lassen.
Führt unser Weg auch durch Tränen und Müh‘,
wie Diamanten gewinnen sie,
kann das Gold des Glaubens sie fassen.
Gottes Gedanken umgeben auch dich!
Sie wollen dir helfend begegnen.
Wenn auch dein trotziges Herz Ihm entwich –
zog Er doch nie einen Trennungsstrich,
will weiterhin führen und segnen!
Bis vor zwei Wochen hatten wir das 1. Buch Mose gelesen, das war Geschichte und man konnte Gott nur ahnen. Nun im Bibelbuch Hiob dürfen wir einen Blick in den Himmel werfen und Gott direkt sehen. Wir hatten die ersten beiden Kapitel gelesen, wissen wir noch, worum es ging?
Jehova Gott (oder auch Jahwe) hatte zu einer Versammlung im Himmel eingeladen und alle Geistwesen waren dort, auch Satan. Worüber haben sie sich unterhalten? Es ging um Hiob: beide waren sich einig, dass dieser Mann gottesfürchtig ist und dass er der einzige zu diesem Zeitpunkt ist. Aber Satan macht Gott den Vorwurf, dass er dies nur ist, weil Gott ihn beschützt. Daher lässt dieser zu, dass Satan Hiob prüft. Als erstes nimmt er ihm all seine Habe (Kapitel 1) und dann darf er auch an Hiobs „Fleisch“, er schlägt ihn mit einer schlimmen Krankheit, die der heutigen in Europa bekannten Syphilis in den Symptomen ähnlich ist und dann wendet sich seine Frau gegen ihn. Zum Schluss haben wir gelesen, dass 3 seiner Freunde zu Besuch kamen, um ihn zu trösten und zu ermuntern. Aber sie waren sprachlos und saßen stumm 7 Tage mit ihm dort (Kapitel 2). Interessant, dass 7 Tage damals die übliche Trauerzeit für einen Toten war.
Nun geht’s also weiter mit
Kapitel 3:
Wir lesen die Worte eines zutiefst deprimierten Mannes. Können wir ihn verstehen? Warum?
Er hat eigentlich alles verloren, bis auf sein Leben. Als erstes ist sein ganzer Reichtum, sein Vermögen weg, seine Angestellten sind alle tot, seine Kinder sind alle gestorben, seine Frau wendet sich von ihm und von Gott ab und nun auch noch diese quälende und demütigende Krankheit, die schmerzhaft ist und ihn schlaflos macht. Er hat allen Grund, gefrustet und entmutigt zu sein, denn im Gegensatz zu uns, die wir die ersten beiden Kapitel vom Bibelbuch Hiob gelesen haben, weiss er nicht einmal, warum das alles.
Was verwünscht er als erstes? Er verflucht den Tag seiner Geburt. Er wünschte, er wäre garnicht geboren worden (Verse 1-12).
Aber wo wäre er, wenn er nicht geboren worden wäre? Dann wäre er tot, im Grab. Ab Vers 13 zählt er alle auf, die im Grab liegen, auch die Fehlgeburten oder Totgeburten. Alle Toten liegen im Grab. Daher zählt für Jehova auch bereits das ungeborene Leben, das bedeutet also eindeutig, dass Abtreibungen sich nicht mit Gottes Willen vereinbaren lassen. Für ihn lebt bereits das Ungeborene (Vers 16). Hier sehen wir also auch, was mit den Kindern ist, die sterben, bevor sie geboren wurden oder bevor sie getauft wurden. Für Jehova beginnt das Leben mit der Zeugung, daher haben auch alle auch eine Hoffnung auf eine Auferstehung.
Er wusste, dass er im Grab liegen und schlafen würde, „dann hätte ich Ruhe“ (Vers 13). Im Tod sind wir alle gleich, egal ob arm oder reich.
Nun kommen wir noch mal kurz auf seine Freunde zurück, die bereits seit 7 Tagen zu Besuch sind und immer noch schweigen. Erinnern wir uns noch, was das für Männer sind, wo sie herkommen? Wir befinden uns in der Zeit zwischen Josephs Tod und der Geburt von Mose. Die Israeliten sind immer noch im Land Ägypten. Die drei Freunde werden Nachkommen von Esau, oder von Abraham mit seiner Zweiten Frau Ketura gewesen sein.
Hiob hatte sogar von den beeindruckenden Grabmalen in Ägypten gehört, er spricht von „Königen… welche sich verödete Plätze erbauten“ (Vers 14). Sein Fazit: im Tod sind wir alle gleich, egal was war.
Weiter geht es mit den Versen 20 bis 26:
Wie lesen und verstehen wir diese Verse? Wen meint Hiob mit „er“? Da es in Vers 20 heißt: „er gibt Leben“, kann es sich hier ja nur um Gott selbst handeln.
Aber wenn er all diese Fragen Gott stellt – ist dies denn gerechtfertigt?
Dürfen wir unseren Schöpfer solche Sachen fragen? Dürfen wir ihn nach dem „Warum?“ fragen? Ist das nicht respektlos? Müssen wir denn nicht alles von ihm annehmen? Ist es gerechtfertigt, solche Fragen nach dem „Warum?“ zu stellen, wenn wir so bedrängt sind? Darf man das?
„Fragen darf ich doch…“, siehe auch das Thema von einem großen Teil der Psalmen, die David geschrieben hatte, während er vor Saul auf der Flucht war oder vor seinem Sohn, der den Thron an sich reisen wollte. Da stellt David fast nur solche Fragen. Wenn es nicht angemessen wäre, würden solche Fragen nicht einen großen Teil von Gottes Wort einnehmen.
Denken wir auch an die Diskussion von Abraham und Gott wegen Sodom und Gomorrah , die wir vor einigen Wochen gelesen haben (1. Mose Kapitel 18). Da verhandelt Abraham mit Gott, ob er wirklich die ganze Stadt vernichten wolle, wenn doch einige Gerechte darin sind. Hier lesen wir nichts davon, dass Jehova sauer oder genervt ist, sondern er redet geduldig mit Abraham, bis dieser verstanden hatte…
Wahrscheinlich müssen wir zum besseren Verständnis über unser Verhältnis zum Schöpfer nachdenken. Was ist er für uns? Jemand der ganz weit weg ist und vor dem wir Angst haben und zittern? Oder ist er für uns unser himmlischer Vater, an dessen Hand wir vertrauensvoll gehen?
Ein Kind wird seinem Vater nach dem „Warum“ fragen, wenn es etwas nicht versteht, was er tut oder warum es etwas nicht darf. Ein liebevoller Vater wird es seinem Kind geduldig erklären und nicht sauer oder genervt deswegen sein.
Wenn wir uns nicht trauen, Gott nach dem „Warum?“ zu fragen, dann haben wir ein falsches Gottesbild, dann ist unsere Beziehungsebene kaputt.
Wenn wir ein Problem haben, etwas nicht verstehen, dann müssen wir darüber reden, so oder so. Besser, wir reden mit dem, mit dem wir ein Problem haben, sonst wird eher Geschwätz daraus. Wenn ich von einer Freundin oder meinem Mann enttäuscht bin, dann beschäftigt mich das so sehr, dass ich darüber reden muss. Aber wenn ich damit zu anderen gehe und mich ausheule und denen erzähle, wie schlimm die Freundin oder mein Mann… dann rede ich schlecht über denjenigen und das beeinflusst, wie derjenige, dem ich es erzähle, den Verursacher sieht. Ich rede hier aus Erfahrung – da es mir oft schwer fällt, den Mann neutral zu sehen, über den eine Freundin sich ausheult. Daher haben Thom und ich bereits vor einigen Jahren beschlossen, sowas nur im 4er Gespräch zu tun, so dass beide zu Wort kommen.
Aber der Grundgedanke hier ist ja, dass wir mit demjenigen reden sollen, mit dem wir das Problem haben. Wenn diese Person nicht reden will, dann sollten wir zu Gott gehen und unser Herz bei ihm ausschütten (siehe auch den Film „War Room, das Gebet ist eine mächtige Waffe.‘, den wir hier vor kurzem gemeinsam angesehen hatten). Das ist es, wie Gott will, dass wir bei Konflikten mit anderen mit dem Beteiligten selbst reden.
Und ganz selbstverständlich will er auch, dass wir zu ihm gehen und es ihm sagen, wenn wir was nicht verstehen. Er weiss es ja sowieso schon, sieht ja, was in unserem Herzen ist. Es ist daher keinesfalls respektlos, wenn wir ihn nach dem „Warum“ fragen, sondern das ist es, was er will?.
Unser Gott sitzt zwar auf dem Thron und ist ein mächtiger Herrscher, dem wir Respekt zollen sollten – aber er ist auch der Daddy zum Knuddeln, dem wir auf dem Schoß krabbeln und an den wir uns ankuscheln dürfen und den wir alles fragen dürfen.
Das ist hier wirklich ein sehr wichtiger und interessanter Punkt in Hiob Kapitel 3, der auch uns persönlich heute noch betrifft❣️
Überlegen wir mal, was Hiob zu diesem Zeitpunkt über den Schöpfer weiß
Hiob lebt nach den Geschehnissen, die wir in diesem Jahr im 1. Buch Mose gelesen haben. Er kannte die Geschichten um Adam, Abraham, Isaak und Jakob. Wie war deren Verhältnis zu Jehova? Wie war da die Kommunikation?
Das sind jetzt nur einige Beispiele. Hiob kennt die Geschichte und kann daher so freimütig mit Gott reden.
Ralf sagte, dass einige auf den Berg gingen, um mit Jehova zu reden. Das taten nicht alle Glaubensmänner, aber es geht hier um die Grundhaltung. Es ist eine andere, eine demütige ehrfurchtsvolle Grundhaltung. Aber man darf im Gebet auch sagen : „ich habe hier ein Problem mit dir…“. Gebet ist nicht nur „ich danke…“ und „ich brauche…“.
Ist dieser Gedanke vielleicht für uns neu? Verändert dies unsere Einstellung oder unsere Beziehung zu Gott?
Tja, das war die 1. Rede von Hiob, mit der er das 7tägige Schweigen bricht. Bisher hatten seine Freunde geschwiegen, aber ab nächste Woche lesen wir die Antworten der anderen.
In den kommenden Wochen werden wir immer jeweils eine Rede von einem seiner Freunde betrachten und die Antwort von Hiob darauf. Wir wollen einfach vermeiden, dass wir mit den negativen und oftmals völlig falschen Gedanken der Freunde nach Hause gehen und sich das bei uns einprägt. Wir wollen uns lieber das einprägen, was wirklich Gottes Wort und seinem Wesen entspricht.
Hiob ist wirklich ein gutes Vorbild für uns. Wir sehen, wie Gott Hiob und auch heute noch Menschen mit Behinderungen gebraucht, um anderen Mut zu machen.
Wir denken da auch an Nick Vujicic, den Mann ohne Arme und Beine. Auch er hatte als Kind mit seinem Schicksal gehadert – heute ist er ein sehr erfolgreicher Motivationstrainer und wird immer wieder auch eingeladen, um andere durch seine eigene Geschichte mit Gott zu Christus zu führen. Wir haben vor einigen Jahren von einer sehr lieben Freundin und Schwester sein Hörbuch geschenkt bekommen „Leben ohne Limits“ und es hat uns stark beeindruckt?.
Er sagt ebenso wie Hiob in Kapitel 1, den Versen 20 bis 22, dass wir alles von Gott annehmen sollten, „ob Gutes oder Schlechtes“. Hiob wendet sich nie wirklich von Gott ab, auch wenn er über sein Schicksal klagt. Er dachte wie Paulus, dass wir der Ton in Gottes Händen sind:
„…Wer seid ihr denn eigentlich, ihr Menschen, dass ihr meint, Gott zur Rechenschaft ziehen zu können? Glaubt ihr wirklich, dass ein Gefäß aus Ton den Töpfer fragt: »Warum hast du mich so gemacht?« Der Töpfer hat schließlich die Freiheit, aus ein und demselben Klumpen Lehm zwei verschiedene Gefäße zu machen: ein kostbares zum Schmuck und ein gewöhnliches für den Abfall.“
Römer 9:20-21 HFA
Klagen und danach zu fragen, warum uns bestimmte Dinge passieren, bedeutet noch lange nicht, dass wir Gott zur Rechenschaft ziehen ?
Da wir ab diesen Sonntag die Erwiderungen seiner Freunde lesen, wollen wir uns noch kurz ansehen, was die Namen der Freunde bedeuten, denn interessanterweise geht auch ihr Rat an Hiob in die entsprechende Richtung:
Alle drei sind sich scheinbar einig, dass Hiob leidet, weil Gott ihn für verborgene Sünden straft. Aber stimmt dies? Was hatten wir noch mal in den ersten beiden Kapiteln dazu gelesen, warum es Hiob nun so dreckig geht?
Am Sonntag lesen wir gemeinsam die Kapitel 4 bis 7, es bleibt also auch weiterhin spannend?
by Jule with no comments yet