
DIE TRÄNEN EINER SÜNDERIN, DIE GNADE EINES RETTERS
LUKAS 7:36–50
In Lukas Kapitel 7 begegnen wir einer Frau, die nicht durch ihren Namen, sondern durch ihre Vergangenheit bekannt ist. Sie betritt das Haus eines Pharisäers, wo Jesus sitzt, und trägt ein Alabastergefäß mit Parfüm bei sich. Sie spricht nicht. Sie kniet nieder. Ihre Tränen fallen auf die Füße Jesu, und voller Demut wischt sie sie mit ihren Haaren ab und gießt das Parfüm aus.
Dieser Moment lehrt uns eine wichtige Wahrheit: Vergebung geht der Verwandlung voraus. Die Frau hat sich nicht gereinigt, bevor sie zu Jesus kam – sie kam, weil sie Barmherzigkeit brauchte. Während die religiösen Führer sich auf ihre Sünde konzentrierten, konzentrierte sich Jesus auf ihren Glauben.
Jesus erklärt, dass diejenigen, die verstehen, wie viel ihnen vergeben wurde, tief lieben werden. Ihre Handlungen waren kein Versuch, sich Vergebung zu verdienen; sie waren ein Beweis dafür, dass die Vergebung bereits ihr Herz berührt hatte. Wo zuvor Verurteilung herrschte, übernahm nun Gnade die Oberhand.
Lukas 7 erinnert uns daran, dass Gottes Gnade nicht den Vollkommenen vorbehalten ist, sondern den Reumütigen zuteilwird. Wenn wir ehrlich zu Jesus kommen, unabhängig von unserer Vergangenheit, schenkt er uns Frieden statt Scham und Freiheit statt Verurteilung.
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Unter den zwölf Jüngern gab es einen, der die Geldbörse trug.
Die Evangelien erwähnen dies beiläufig,
ohne Erklärung oder Kommentar,
als wäre es ein ganz normales Detail des Alltags.
Dieser Mann war Judas Iskariot.
In einer kleinen Reisegruppe
war eine gemeinsame Geldbörse notwendig.
Es musste Essen gekauft werden.
Den Armen wurde geholfen.
Jemand musste
das wenige Geld verwalten, das sie hatten.
Judas wurde diese Aufgabe anvertraut.
Er begleitete Jesus etwa drei Jahre lang,
hörte all die Jahre seinen Lehren zu
und verwaltete die Gelder des Dienstes.
Später blickte Johannes zurück und erzählte den Lesern
etwas, was die Jünger damals noch nicht erkannt hatten.
Judas nahm sich regelmäßig Geld aus der Kasse (Johannes 12,6).
Dieses Detail wurde nicht geschrieben, um Judas‘ Bosheit zu übertreiben,
sondern um zu zeigen, wie still sein Herz sich tatsächlich
bereits vom rechten Weg entfernt hatte.
Sein Verrat begann nicht im Garten.
Er begann, als er noch nah war,
noch beteiligt war und noch vertraut wurde.
Als Judas zu den Hohenpriestern ging
und sich bereit erklärte, Jesus auszuliefern,
zahlten sie ihm dreißig Silberstücke
(Matthäus 26,14–16).
Das war keine große Summe.
Im Alten Testament war dies der Preis, der für einen Sklaven festgelegt wurde.
Matthäus zeigte später, dass dies kein zufälliges Detail war.
Es spiegelte die Worte des Propheten Sacharja wider,
wo der Lohn eines Hirten abgewogen
und als etwas Geringes und Vernachlässigbares behandelt wurde.
Die schmerzhafte Wahrheit war einfach:
Judas verkaufte Jesus nicht für viel Geld.
Er verkaufte ihn so billig.
Die Evangelien sagen nicht, dass Judas
hungerte, verzweifelt war oder in großer Not steckte.
Sie sagen lediglich, dass er zustimmte und das Geld nahm.
Die Sprache bleibt klar und zurückhaltend,
als wolle die Schrift den Lesern keine Ausreden liefern.
Judas traf eine Entscheidung, das ist alles.
Lukas berichtet, dass Satan in Judas fuhr (Lukas 22,3).
Das nahm ihm nicht die Verantwortung.
Es wies auf etwas Tieferes hin.
Bei Judas ging es bei dem Verrat nie
nur um Geld oder Enttäuschung.
Es war ein geistlicher Kampf.
Ein Herz hatte sich langsam
für etwas anderes als das Vertrauen in Gott geöffnet.
Was den Bericht noch schwerer zu lesen machte,
war, dass Jesus die ganze Zeit davon wusste.
Jesus Christus hatte Judas nach einer Nacht des Gebets ausgewählt.
Er erlaubte ihm, unter den Zwölf zu bleiben.
Er vertraute ihm sogar die Geldtasche an.
All das, obwohl Jesus sich der Verrat, der gegen Ende geschehen würde, bewusst war.
Aber er schirmte sich nicht vor dem Verrat ab.
Er ging zum Kreuz und wusste genau,
wer ihn ausliefern würde.
Ich glaube nicht, dass diese Geschichte erhalten geblieben ist,
damit wir Leser auf Judas herabblicken können.
Sie wurde geschrieben, damit wir in uns gehen.
Sie warnt uns davor, dass jemand Jesus in seinen Taten nahe sein kann
und dennoch in seinem Herzen abdriftet.
Sie erinnert uns daran, dass das, woran wir still festhalten,
langsam das umformen kann, was unser Herz wirklich liebt.
Am Ende verlor Judas mehr als nur Geld.
Und Jesus, der für einen Preis verkauft wurde, wurde
zu dem, der Leben ohne Preis schenkte.

Nur wenige Passagen wurden häufiger falsch interpretiert als die Geschichte von der Frau, die Jesu Füße salbte. Diese Erzählung wurde oft herangezogen, um zu suggerieren, dass tiefe Liebe Vergebung verdient. Jesus lehrt jedoch genau das Gegenteil. Liebe erkauft keine Gnade. Liebe entsteht, wenn man an Gnade glaubt. In dem Moment, in dem wir diese Reihenfolge umkehren, verwandeln wir Anbetung in eine Darbietung und Zuneigung in eine Währung. Jesus widerlegt diese Denkweise in dieser Begegnung vollständig.
Lukas berichtet uns, dass Jesus in das Haus eines Pharisäers namens Simon eingeladen wurde (Lukas 7,36, ESV). Dies ist ein religiöser Rahmen, kontrolliert, gemessen und aufmerksam. Während Jesus am Tisch liegt, betritt eine Frau, die in der Stadt als Sünderin bekannt ist, den Raum (Lukas 7,37, ESV). Sie bringt ein Alabasterfläschchen mit Salböl, stellt sich hinter Jesus und beginnt zu weinen. Ihre Tränen fallen auf seine Füße. Sie wischt sie mit ihren Haaren ab, küsst seine Füße und salbt sie mit Öl (Lukas 7,38, ESV). Das ist extravagant, verletzlich und sozial gefährlich. Doch Jesus lässt es zu.
Simon interpretiert diesen Moment sofort aus einer leistungsorientierten Perspektive. Er argumentiert mit sich selbst, dass Jesus, wenn er wirklich ein Prophet wäre, wissen würde, was für eine Frau das ist, und ihr nicht erlauben würde, ihn zu berühren (Lukas 7,39, ESV). Simon glaubt, dass sich die Heiligkeit von Sündern zurückzieht. Jesus offenbart, dass die Heiligkeit auf sie zugeht. Gnade wird nicht durch Sünde verunreinigt. Sünde wird durch Gnade ungeschehen gemacht.
Jesus antwortet auf Simons Gedanken mit einem Gleichnis. Er spricht von zwei Schuldnern, von denen einer viel und der andere wenig schuldete. Als keiner von beiden zahlen konnte, erließ der Gläubiger beiden ihre Schulden (Lukas 7,41–42, ESV). Dann fragt Jesus, welcher Schuldner mehr lieben wird. Simon antwortet richtig: „Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat“ (Lukas 7,43, ESV). Das ist der Schlüssel. Liebe erlässt keine Schulden. Erlassene Schulden erzeugen Liebe.
Jesus wendet sich dann der Frau zu und stellt ihr Verhalten Simons mangelnder Gastfreundschaft gegenüber. Simon gab Jesus kein Wasser für seine Füße. Sie wusch sie mit Tränen. Simon begrüßte Jesus nicht mit einem Kuss. Sie hörte nicht auf, seine Füße zu küssen. Simon salbte sein Haupt nicht mit Öl. Sie salbte seine Füße mit Salböl (Lukas 7,44–46, ESV). Der Unterschied liegt nicht in der Anstrengung. Es ist eine Offenbarung. Der eine glaubt, dass ihm Gnade zusteht. Die andere weiß, dass sie sie empfangen hat.
Dann macht Jesus eine Aussage, die oft missverstanden wird: „Ihre vielen Sünden sind ihr vergeben, denn sie hat viel geliebt“ (Lukas 7,47, ESV). Aber Jesus verdeutlicht sofort die Bedeutung: „Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.“ Das Wort „in“ in diesem Vers weist auf das Ergebnis hin, nicht auf die Ursache. Ihre Liebe ist nicht der Grund, warum ihr vergeben wird. Ihre Liebe ist der Beweis dafür, dass die Vergebung bereits in ihrem Herzen Wurzeln geschlagen hat.
Dann spricht Jesus direkt zu der Frau: „Deine Sünden sind dir vergeben“ (Lukas 7,48, ESV). Dies ist keine Antwort auf ihre Anbetung. Es ist eine Erklärung der Gnade. Die anderen Gäste sind beunruhigt und fragen: „Wer ist dieser, dass er sogar Sünden vergibt?“ (Lukas 7,49, ESV). Das ist der Punkt. Herrschaft offenbart sich durch Barmherzigkeit, nicht durch moralische Kontrolle.
Jesus schließt mit Worten, die die gesamte Begegnung in Gnade verankern. „Dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden“ (Lukas 7,50, ESV). Ihr Glaube lag nicht in ihren Tränen. Er lag nicht in ihrer Hingabe. Er lag in der Bereitschaft Jesu, zu vergeben. Frieden folgt auf Gnade, nicht auf Anstrengung.
Dieser Moment weist direkt auf das vollendete Werk Christi hin. Am Kreuz wurde Vergebung nicht von Liebe, Trauer oder Leistung abhängig gemacht. Die Schrift sagt uns, dass Jesus ein einziges Opfer für die Sünden aller Zeiten dargebracht hat (Hebräer 10,12, ESV). Die Vergebung ist vollständig. Die Anbetung fließt nun frei. Wir lieben Gott nicht, um Vergebung zu erlangen. Wir lieben Gott, weil die Vergebung bereits gesichert ist.
Sie hat sich nicht durch Anbetung die Gnade erworben.
Sie betete an, weil die Gnade sie bereits gefunden hatte.
So offenbart sich Jesus als Herr.
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
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Eine der schädlichsten Überzeugungen im modernen Christentum ist die Vorstellung, dass Gehorsam Segen auslöst. Vielen Gläubigen wurde beigebracht, manchmal subtil, manchmal direkt, dass Gott zuerst das Verhalten beobachtet und dann mit Versorgung reagiert. Diese Theologie klingt vernünftig, spiegelt aber nicht das Herz Jesu wider, wie es in den Evangelien offenbart wird. Segen ist keine Belohnung für Gehorsam. Segen entspringt der Natur Gottes. Wir sind nicht gesegnet, weil wir gehorsam sind. Wir gehorchen, weil wir bereits gesegnet sind. Die Schrift sagt uns ganz klar, dass wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19, ESV). Alles im christlichen Leben folgt dieser Reihenfolge.
Lukas stellt uns Petrus nicht als einen Mann vor, der in Sieg wandelt, sondern als einen Mann, der eine Nacht des völligen Scheiterns hinter sich hat. Er und seine Partner hatten die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Die Netze waren leer. Die Anstrengungen waren erschöpft. Petrus wusch seine Netze, was bedeutet, dass er es aufgegeben hatte. Dies ist der Moment, in dem Jesus beschließt, in Petrus‘ Leben zu treten. Jesus wartet nicht auf geistliche Hungersnot, Buße oder Gehorsam. Er steigt in Petrus‘ Boot, während Petrus noch mit leeren Händen dasteht. Lukas 5,1–3 zeigt uns, wie Gnade eine Beziehung initiiert, lange bevor Petrus versteht, wer Jesus ist.
Nachdem Jesus die Menge gelehrt hat, spricht er direkt zu Petrus und sagt: „Fahre hinaus auf den See und wirf deine Netze aus, damit du einen Fang machst“ (Lukas 5,4, ESV). Dies wird oft als Test des Gehorsams gepredigt, aber der Text stützt diese Schlussfolgerung nicht. Petrus antwortet nicht mit Glauben. Er antwortet mit Ehrlichkeit. „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen“ (Lukas 5,5, ESV). Petrus gehorcht nicht, weil er einen Segen erwartet, sondern weil Jesus sich bereits in Petrus‘ Leben positioniert hat. Gehorsam ist hier kein Hebel, um Segen vom Himmel herabzuziehen. Es ist einfach Vertrauen, das auf Gegenwart reagiert.
Als die Netze ausgeworfen werden, geschieht sofort ein überwältigendes Wunder. Lukas berichtet uns, dass sie eine große Menge Fische fingen und ihre Netze zu reißen begannen. Ihre Boote füllten sich und begannen zu sinken (Lukas 5,6–7, ESV). Dieses Detail ist wichtig. Die Fülle ist weit größer, als es Gehorsam allein erklären könnte. Das Ausmaß des Segens offenbart seine Quelle. Dies ist keine Belohnung. Es ist eine Offenbarung. Jesus zeigt Petrus, wer er ist. Gnade übersteigt immer die Anstrengung, denn Gnade entspringt der Identität, nicht der Leistung.
Die Reaktion des Petrus bestätigt dies. Als er sieht, was geschieht, fällt er Jesus zu Füßen und sagt: „Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr“ (Lukas 5,8, ESV). Beachten Sie, was Überzeugung bewirkt. Es ist nicht Zurechtweisung. Es ist Güte. Jesus erwähnt niemals die Sünde des Petrus. Petrus tut es. Dies steht in perfekter Übereinstimmung mit der Lehre des Paulus, dass Gottes Güte uns zur Umkehr führen soll (Römer 2,4, ESV). Überzeugung, die aus Angst entsteht, führt dazu, dass man sich versteckt. Überzeugung, die aus Gnade entsteht, führt zur Hingabe.
Jesus korrigiert sofort die Theologie des Petrus. Er wendet sich nicht ab. Er bestätigt nicht die Selbstverurteilung des Petrus. Er sagt: „Fürchte dich nicht. Von nun an wirst du Menschen fangen“ (Lukas 5,10, ESV). Gnade segnet Menschen nicht und disqualifiziert sie dann. Gnade segnet Menschen und beauftragt sie dann. Jesus spricht direkt zu dem Punkt, an dem Petrus sich am unwürdigsten fühlt. Das ist keine Verhaltensänderung. Das ist eine Identitätsveränderung.
Diese Begegnung weist auf das vollendete Werk Jesu Christi hin. Petrus brachte leere Netze. Jesus brachte Fülle. Nach dem Kreuz wird diese Wahrheit noch deutlicher. Die Schrift sagt uns, dass Gott uns in Christus mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen Regionen gesegnet hat (Epheser 1,3, ESV). Nicht nach Gehorsam. Nicht nach Wachstum. Nicht nach Reife. In Christus. Punkt. Gehorsam im Neuen Bund ist nicht die Ursache des Segens. Er ist dessen Frucht.
Wenn Gehorsam Segen hervorbringen würde, wäre das Kreuz unnötig. Aber die Schrift sagt uns, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren (Römer 5,8, ESV). Der Segen kam zuerst. Die Liebe kam zuerst. Die Gnade kam zuerst. Das vollendete Werk Jesu sicherte alles, bevor wir überhaupt darauf reagiert hatten.
Petrus hat sich nicht durch Gehorsam den Segen erarbeitet.
Petrus wurde durch den Segen zum Gehorsam geführt.
So hat sich Jesus als Herr offenbart.
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Beharrlichkeit bedeutet nicht, Gott zu zermürben, sondern darauf zu vertrauen, wer er ist. Jesus erzählt dieses Gleichnis mit einer klaren Absicht: „Damit sie immer beten und nicht nachlassen“ (Lukas 18,1, ESV). Dies ist keine Lektion über geistige Ausdauer. Es ist ein Heilmittel gegen Entmutigung. Jesus spricht darüber, was passiert, wenn die Zeit vergeht, Antworten auf sich warten lassen und die Hoffnung brüchig erscheint.
Die Geschichte beginnt mit einem ungerechten Richter. Er fürchtet weder Gott noch respektiert er Menschen. Mit anderen Worten, er ist das Gegenteil des Vaters. Jesus wählt diesen Kontrast bewusst. Die Witwe kommt wiederholt mit einer einfachen Bitte zu ihm: „Verschaff mir Recht gegenüber meinem Widersacher“ (Lukas 18,3, ESV). Sie hat keinen Einfluss. Keine Macht. Nur ein Bedürfnis.
Lange Zeit lehnt der Richter ab. Nicht weil die Bitte falsch ist, sondern weil es ihm egal ist. Schließlich gibt er nach, nicht aus Mitgefühl, sondern aus Eigeninteresse. „Weil diese Witwe mich ständig belästigt, werde ich ihr Recht verschaffen“ (Lukas 18,5, ESV). Das ist kein Vorbild für Gott. Es ist ein Kontrast. Jesus sagt nicht, dass Gott wie dieser Richter reagiert. Er sagt, wenn sogar ein ungerechter Richter schließlich reagiert, wie viel mehr wird dann ein gerechter Vater handeln.
Hier liegt die Erkenntnis, die die meisten Menschen übersehen. Die Beharrlichkeit der Witwe wurzelt nicht in der Angst, dass Gerechtigkeit niemals kommen könnte. Sie wurzelt in der Zuversicht, dass Gerechtigkeit ihr zusteht. Sie kommt immer wieder, weil sie glaubt, dass das Ergebnis richtig ist, auch wenn der Prozess langsam voranschreitet. Beharrlichkeit ist hier kein Betteln. Es ist der Glaube, der sich weigert, das loszulassen, was bereits wahr ist.
Jesus macht dies deutlich. „Wird Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm rufen, nicht Gerechtigkeit widerfahren lassen?“ (Lukas 18,7, ESV). Beachten Sie die Wortwahl. Seine Auserwählten. Seine Erwählten. Das ist die Sprache des Bundes. Die Sprache der Familie. Die Witwe ist keine Außenseiterin, die versucht, sich Gunst zu verdienen. Sie ist jemand, der auf rechtmäßigem Boden steht.
Dann sagt Jesus etwas Schockierendes. „Ich sage euch: Er wird ihnen schnell Gerechtigkeit widerfahren lassen“ (Lukas 18,8, ESV). Schnell bedeutet nicht immer sofort. Es bedeutet entschlossen. Wenn Gott handelt, zögert er nicht. Verzögerung ist niemals Gleichgültigkeit. Schweigen ist niemals Abwesenheit. Gerechtigkeit steht nicht in Frage. Der Zeitpunkt schon.
Durch das vollendete Werk Jesu Christi wird diese Parabel noch tröstlicher. Das Kreuz hat bereits die endgültige Gerechtigkeit gesichert. Die Sünde wurde gerichtet. Der Tod wurde besiegt. Der Widersacher wurde entwaffnet. Beten bedeutet nicht, Gott zum Handeln zu überreden. Es bedeutet, dein Herz mit dem in Einklang zu bringen, was Gott bereits versprochen hat.
Die letzte Frage, die Jesus stellt, rückt alles in ein neues Licht. „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, Glauben auf der Erde finden?“ (Lukas 18,8, ESV). Er fragt nicht, ob er Bemühungen finden wird. Oder Disziplin. Oder Quantität. Er fragt nach dem Glauben. Glaube ist keine Beharrlichkeit, die von Angst getrieben ist. Glaube ist Beharrlichkeit, die von Vertrauen getrieben ist.
Die Anwendung ist einfach und befreiend. Bete weiter, nicht weil Gott zögert, sondern weil er treu ist. Verliere nicht den Mut, wenn Antworten Zeit brauchen. Deine Beharrlichkeit bewegt nicht Gottes Herz. Sie schützt dein eigenes. Du zermürbst ihn nicht. Du lehnst dich an ihn.
Gerechtigkeit ist nichts, was du dir durch Wiederholung verdienen musst.
Es ist etwas, das dein Vater dir gerne gibt.
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Die Parabel in Lukas 15,11–32, die gemeinhin als „Der verlorene Sohn“ bezeichnet wird, wird oft als eine Geschichte über das Weggehen und die Rückkehr gelesen. Der jüngere Sohn geht fort, verschleudert sein Erbe, gerät in Not und kehrt schließlich nach Hause zurück.
Diese Entwicklung ist real und wichtig.
Aber der Text lädt uns ein, etwas
Leiseres und Beunruhigenderes zu bemerken: Die Verlorenheit des jüngeren
Sohnes begann nicht in dem fernen Land.
Sie begann, als er noch unter dem Dach seines Vaters lebte.
Jesus leitete die Geschichte ohne Drama ein.
„Es war einmal ein Mann, der hatte zwei Söhne.“
Die Kulisse ist gewöhnlich und vertraut.
Aber als der jüngere Sohn
seinen Anteil am Erbe verlangt,
hat diese Forderung eine Bedeutung, die
wir modernen Leser leicht übersehen können.
In der Antike wurde das Erbe
erst nach dem Tod des Vaters ausgezahlt.
Früh darum zu bitten, war nicht einfach nur ungeduldig,
es war in Bezug auf die Beziehung gewalttätig und absichtlich provokativ.
Es war eine Art zu sagen: Ich will das, was du gibst, nicht dich selbst.
Tatsächlich wollte der Sohn so leben, als
wäre sein Vater bereits verstorben.
Nichts im Text deutet darauf hin, dass der Sohn
misshandelt, vernachlässigt oder zum Weggehen gezwungen wurde.
Seine Forderung entspringt nicht aus Leid
sondern aus Unruhe.
Er ist von Versorgung umgeben
und doch innerlich vom Geber losgelöst.
Noch bevor er sich auf den Weg macht
hat sich sein Herz bereits vom Vater entfernt.
Dies ist die erste Form der Verlorenheit, die Jesus offenbart
Trennung ohne Distanz.
Der Sohn ist physisch nah, aber emotional weit entfernt.
Er lebt physisch im Haus seines Vaters,
aber er lebt nicht mit seinem Herzen bei seinem Vater.
Er kennt die Ressourcen des Haushalts,
aber nicht die Freude der Gemeinschaft dort.
Sein Wunsch nach Autonomie, nach einem Leben nach seinen eigenen Vorstellungen,
hat bereits Vertrauen und Zugehörigkeit verdrängt.
Als der Vater ihm das Erbe gewährt,
gibt die Schrift keinen Kommentar dazu.
Es gibt keine Zurechtweisung, keine Erklärung,
keinen Widerstand.
Für mich ist dieses Schweigen des Vaters bemerkenswert.
Liebe zwingt in diesem Gleichnis nicht.
Der Vater erlaubt dem Sohn, das zu nehmen, was er verlangt,
obwohl es beide teuer zu stehen kommt.
Der Sohn geht, aber er geht bereits verloren.
Das ferne Land macht nur sichtbar, was bereits wahr war.
Die Hungersnot schafft nicht seine Leere, sie legt sie bloß.
Als das Geld aufgebraucht ist und der Hunger einsetzt,
beginnt der Sohn endlich, sich selbst klar zu sehen.
„Er kam zu sich selbst“, heißt es in der Bibel.
Das ist nicht nur Bedauern über die Folgen,
sondern ein Moment des Erwachens.
Er erkennt, dass selbst die Tagelöhner
im Haus seines Vaters besser leben als er jetzt.
Zum ersten Mal erinnert er sich an seinen Vater
nicht als Quelle des Reichtums, sondern als Quelle des Lebens.
Doch selbst in seiner Reue ist sein Verständnis nur teilweise vorhanden.
Er probt eine Rede, in der es um Wert und Status geht:
„Ich bin nicht mehr würdig … mach mich zu einem deiner Knechte.“
Er denkt immer noch in Kategorien des Verdienens,
nicht in Kategorien des Empfangens einer Beziehung.
Er plant seine Rückkehr, aber er kann sich keine Wiederherstellung vorstellen.
Die Reaktion des Vaters definiert die gesamte Geschichte neu.
Er sieht den Sohn aus der Ferne, nicht weil der Sohn
sich seine Rückkehr verdient hat, sondern weil
der Vater die ganze Zeit zugesehen hat.
Er rennt, umarmt ihn und stellt ihn wieder her.
Es gibt keine Befragung, keine Bewährungszeit.
Das Gewand, der Ring und das Festmahl
sind keine Belohnungen für verbessertes Verhalten,
sondern Bekundungen der Sohnschaft.
Der Vater empfängt keinen Diener,
der seine Lektion gelernt hat.
Er empfängt einen Sohn, der immer sein Sohn war,
auch als er verloren war.
An dieser Stelle geht die Parabel still über
den jüngeren Sohn hinaus und hin zu ihrem tieferen theologischen Horizont.
Verlorenheit, so suggeriert Jesus,
hat nicht in erster Linie mit Geografie oder Moral zu tun.
Es geht um Beziehungen.
Man kann sich in der Nähe heiliger Dinge befinden
und dennoch weit vom Herzen des Vaters entfernt sein.
Man kann inmitten von Segnungen leben
und dennoch vom Segner losgelöst sein.
Die Reise des jüngeren Sohnes nach außen offenbarte lediglich
das, was innerlich bereits geschehen war.
Die evangelische Klarheit der Parabel liegt hierin:
Wiederherstellung wird nicht durch die Rückkehr an den richtigen Ort erreicht,
sondern dadurch, dass man von der richtigen Person empfangen wird.
Die Liebe des Vaters geht der Reue voraus,
überholt das Bekenntnis und stellt wieder her,
bevor der Sohn zu Ende gesprochen hat.
Die Gnade unterbricht das Drehbuch.
Und still, ohne Zwang, weist die Geschichte über sich selbst hinaus.
Jesus erzählt dieses Gleichnis auf dem Weg zum Kreuz
wo ein anderer Sohn die Gegenwart des Vaters verlassen wird
nicht in Rebellion, sondern in Gehorsam.
Im Gegensatz zum jüngeren Sohn
wird er nicht nach Unabhängigkeit streben.
Er wird seine Rechte nicht einfordern.
Er wird in das ferne Land der menschlichen Sünde
und des Leidens eintreten, um die Verlorenen nach Hause zu bringen.
Wo der verlorene Sohn den Reichtum seines Vaters verschleuderte
wird Christus sich selbst hingeben.
Wo der Sohn zurückkehrte in der Hoffnung, ein Diener zu sein,
wird Christus viele zu wahren Söhnen machen.
Das Gleichnis endet ungelöst und lädt zum Nachdenken ein.
Aber seine zentrale Wahrheit bleibt bestehen: Die gefährlichste
Form der Verlorenheit findet sich nicht immer in offensichtlicher Rebellion.
Manchmal findet sie sich in stiller Distanz, in vertrauten Routinen
und in Herzen, die die Gaben des Vaters ohne den Vater selbst wollen.
Und doch bleibt die größere Wahrheit bestehen: Der Vater rennt.
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Maria von Bethanien sitzt als Jüngerin
(Lukas-Evangelium 10,38–42)
Als Jesus mit seinen Jüngern unterwegs war, kam er in ein Dorf, wo ihn zwei Schwestern, Martha und Maria, in ihrem Haus willkommen hießen. Einen Rabbi zu beherbergen war eine große Verantwortung. Gastfreundschaft war keine Option, sondern eine Selbstverständlichkeit, insbesondere für Frauen. Martha übernahm sofort die Vorbereitungen und sorgte dafür, dass das Haus und das Essen ihrem Gast würdig waren.
Maria traf jedoch eine Entscheidung, die stillschweigend gegen die kulturellen Normen verstieß.
Anstatt beim Servieren zu helfen, setzte sie sich zu Jesu Füßen und lauschte seinen Lehren. Diese Haltung war zutiefst symbolisch. Zu Füßen eines Rabbiners zu sitzen bedeutete, ein Jünger zu werden – ein Schüler, der unter einem Lehrer lernt. In der jüdischen Welt des ersten Jahrhunderts war diese Position fast immer Männern vorbehalten. Von Frauen wurde erwartet, dass sie im Hintergrund dienten und nicht im Vordergrund lernten.
Maria entschied sich für das Lernen statt für die Arbeit.
Als Martha von den Anforderungen des Gastgebens überwältigt wurde, machte sich Frustration breit. Sie fühlte sich verlassen und unbeachtet, ging zu Jesus und sagte: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein bedienen lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen.“ Martha erwartete, dass Jesus die Tradition bekräftigen und Maria zu ihren Pflichten zurückschicken würde.
Stattdessen antwortete Jesus sanft, aber bestimmt:
„Martha, Martha, du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge, aber eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das ihr nicht genommen werden wird.“
Mit dieser Antwort tat Jesus etwas Radikales. Er beschämte Martha nicht dafür, dass sie diente, sondern weigerte sich, den Dienst als wertvoller anzusehen als die Nachfolge. Er bekräftigte öffentlich Marias Recht, zu sitzen, zuzuhören und zu lernen – und stellte damit ihre spirituelle Entwicklung über kulturelle Erwartungen.
Die Worte Jesu offenbarten eine tiefere Wahrheit: Die Nähe zu Gott wird nicht an der Geschäftigkeit gemessen. Anwesenheit ist wichtiger als Leistung. Indem er Maria verteidigte, erklärte Jesus, dass Frauen nicht nur an seinen Füßen willkommen waren – sie gehörten dorthin.
Dieser Moment veränderte die Frömmigkeit selbst. Marias Entscheidung bedeutete nicht, dass sie ihre Verantwortung vernachlässigte, sondern dass sie erkannte, was nicht ersetzt werden konnte. Der Dienst würde immer da sein. Die Zeit zu Jesu Füßen hingegen nicht.
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Eine der schädlichsten Überzeugungen im modernen Christentum ist die Vorstellung, dass Gehorsam Segen auslöst. Vielen Gläubigen wurde, manchmal subtil, manchmal direkt, beigebracht, dass Gott zuerst das Verhalten beobachtet und dann mit Versorgung reagiert. Diese Theologie klingt vernünftig, spiegelt aber nicht das Herz Jesu wider, wie es in den Evangelien offenbart wird. Segen ist keine Belohnung für Gehorsam. Segen entspringt der Natur Gottes. Wir sind nicht gesegnet, weil wir gehorsam sind. Wir sind gehorsam, weil wir bereits gesegnet sind. Die Schrift sagt uns ganz klar, dass wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19, ESV). Alles im christlichen Leben folgt dieser Reihenfolge.
Lukas stellt uns Petrus nicht als einen Mann vor, der in Sieg wandelt, sondern als einen Mann, der eine Nacht des völligen Scheiterns hinter sich hat. Er und seine Partner hatten die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Die Netze waren leer. Die Anstrengungen waren erschöpft. Petrus wusch seine Netze, was bedeutet, dass er es aufgegeben hatte. Dies ist der Moment, in dem Jesus beschließt, in das Leben des Petrus zu treten. Jesus wartet nicht auf geistliche Hungersnot, Buße oder Gehorsam. Er steigt in das Boot des Petrus, während dieser noch mit leeren Händen dasteht. Lukas 5,1–3 zeigt uns, wie Gnade eine Beziehung begründet, lange bevor Petrus versteht, wer Jesus ist.
Nachdem Jesus die Menge gelehrt hat, spricht er direkt zu Petrus und sagt: „Fahre hinaus auf den See und wirf deine Netze aus, damit du einen Fang machst“ (Lukas 5,4, ESV). Dies wird oft als Test des Gehorsams gepredigt, aber der Text stützt diese Schlussfolgerung nicht. Petrus antwortet nicht mit Glauben. Er antwortet mit Ehrlichkeit. „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen“ (Lukas 5,5, ESV). Petrus gehorcht nicht, weil er einen Segen erwartet, sondern weil Jesus sich bereits in Petrus‘ Leben positioniert hat. Gehorsam ist hier kein Hebel, um Segen vom Himmel herabzuziehen. Es ist einfach Vertrauen, das auf Gegenwart reagiert.
Als die Netze ausgeworfen werden, geschieht das Wunder sofort und ist überwältigend. Lukas berichtet uns, dass sie eine große Menge Fische fingen und ihre Netze zu reißen begannen. Ihre Boote füllten sich und begannen zu sinken (Lukas 5,6–7, ESV). Dieses Detail ist wichtig. Die Fülle ist weit größer, als es Gehorsam allein erklären könnte. Das Ausmaß des Segens offenbart dessen Quelle. Dies ist keine Belohnung. Es ist eine Offenbarung. Jesus zeigt Petrus, wer er ist. Gnade übersteigt immer die Anstrengung, denn Gnade entspringt der Identität, nicht der Leistung.
Die Reaktion des Petrus bestätigt dies. Als er sieht, was geschieht, fällt er Jesus zu Füßen und sagt: „Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr“ (Lukas 5,8, ESV). Beachten Sie, was Überzeugung bewirkt. Es ist nicht Zurechtweisung. Es ist Güte. Jesus erwähnt Petrus‘ Sünde nie. Petrus tut es. Dies steht in perfekter Übereinstimmung mit der Lehre des Paulus, dass Gottes Güte uns zur Umkehr führen soll (Römer 2,4, ESV). Überzeugung, die aus Angst entsteht, führt dazu, dass man sich versteckt. Überzeugung, die aus Gnade entsteht, führt zur Hingabe.
Jesus korrigiert sofort Petrus‘ Theologie. Er geht nicht weg. Er bestätigt nicht Petrus‘ Selbstverurteilung. Er sagt: „Fürchte dich nicht. Von nun an wirst du Menschen fangen“ (Lukas 5,10, ESV). Gnade segnet Menschen nicht und disqualifiziert sie dann. Gnade segnet Menschen und beauftragt sie dann. Jesus spricht direkt zu dem Punkt, an dem Petrus sich am unwürdigsten fühlt. Das ist keine Verhaltensänderung. Das ist eine Identitätsveränderung.
Diese Begegnung weist auf das vollendete Werk Jesu Christi hin. Petrus brachte leere Netze. Jesus brachte Fülle. Nach dem Kreuz wird diese Wahrheit noch deutlicher. Die Schrift sagt uns, dass Gott uns in Christus mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen Regionen gesegnet hat (Eph 1,3, ESV). Nicht nach Gehorsam. Nicht nach Wachstum. Nicht nach Reife. In Christus. Punkt. Gehorsam im Neuen Bund ist nicht die Ursache des Segens. Er ist dessen Frucht.
Wenn Gehorsam Segen hervorbringen würde, wäre das Kreuz unnötig. Aber die Schrift sagt uns, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren (Römer 5,8, ESV). Der Segen kam zuerst. Die Liebe kam zuerst. Die Gnade kam zuerst. Das vollendete Werk Jesu sicherte alles, bevor wir überhaupt darauf reagiert hatten.
Petrus hat sich nicht durch Gehorsam den Segen erarbeitet.
Petrus wurde zum Gehorsam gesegnet.
So hat Jesus sich als Herr offenbart.
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Ohne Scham anklopfen
Jesus beginnt diese Geschichte in einem unangenehmen Moment. Es ist Mitternacht. Der Tag ist vorbei, das Haus ist verschlossen, und alle schlafen. Mitternacht ist die Stunde, in der die Kräfte schwinden und es keine Optionen mehr zu geben scheint. Jesus stellt eine Frage, die den Menschen unangenehm ist. Was wäre, wenn Sie zu dieser Stunde an die Tür eines Freundes klopfen und um Brot bitten müssten? „Angenommen, du hast einen Freund und gehst um Mitternacht zu ihm und sagst: ‚Freund, leihe mir drei Brote‘“ (Lukas 11,5).
Der Mann bittet nicht für sich selbst. Ein Gast ist in seinem Haus angekommen und hat nichts zu essen. Er möchte ihm etwas anbieten, hat aber nichts. Das macht die Bitte persönlicher. Der Bedarf ist real und die Verantwortung fühlt sich schwer an. Viele Menschen können diesen Moment nachvollziehen. Man möchte jemandem helfen, ihn lieben oder unterstützen, aber man merkt, dass man selbst nicht genug hat.
Die Antwort aus dem Haus klingt kalt. Die Tür ist bereits verschlossen. Die Familie schläft. Die Unannehmlichkeit ist real. Doch Jesus zeigt uns keinen widerwilligen Gott. Er zieht einen Vergleich. Er erklärt, dass der Freund aufstehen wird, nicht wegen der Freundschaft, sondern wegen seiner Kühnheit. „Wegen seiner schamlosen Kühnheit wird er aufstehen und ihm geben, was er braucht“ (Lukas 11,8). Diese Kühnheit ist nicht unhöflich. Es ist Selbstvertrauen ohne Scham.
Die Lektion besteht nicht darin, Gottes Widerstand zu überwinden. Es geht darum, unsere Verlegenheit abzulegen. Der Mann klopft weiter, weil die Not dringend ist und die Beziehung sicher ist. Er entschuldigt sich nicht für den Zeitpunkt. Er verbirgt seine Bitte nicht. Er vertraut darauf, dass die Tür geöffnet werden kann.
Gleich danach spricht Jesus klar und deutlich: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan“ (Lukas 11,9). Das ist keine Methode, um Gott unter Druck zu setzen. Es ist eine Einladung, ihm zu vertrauen. Bitten bedeutet, dass man glaubt, dass es Versorgung gibt. Suchen bedeutet, dass man eine Antwort erwartet. Anklopfen bedeutet, dass man weiß, dass jemand zuhört.
Jesus weist dann auf das Herz des Vaters hin. Er vergleicht Gott mit einem liebenden Elternteil. „Welcher Vater unter euch würde seinem Sohn, wenn er ihn um einen Fisch bittet, stattdessen eine Schlange geben?“ (Lukas 11,11). Selbst unvollkommene Eltern wissen, wie man Gutes gibt. Gottes Güte ist weitaus größer.
Dann offenbart Jesus die größte Verheißung. „Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen den Heiligen Geist geben, die ihn bitten“ (Lukas 11,13). Die Gabe ist nicht nur Versorgung. Es ist Gottes Gegenwart. Er erfüllt nicht nur Bedürfnisse. Er gibt sich selbst.
Dank Jesus klopfen wir nicht an die Tür eines Fremden. Wir kommen zu unserem Vater. Die Tür ist nicht verschlossen. Durch das Kreuz wurde der Zugang geöffnet. Du störst Gott nicht. Du bist willkommen.
Komm also mit Zuversicht. Bitte mit Ehrlichkeit. Klopfe ohne Scham. Mitternacht disqualifiziert dich nicht. Not beleidigt Gott nicht. Mutiger Glaube ärgert ihn nicht. Du bettelst nicht um Reste. Du empfängst von einem Vater, der Freude daran hat, zu geben.
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WARUM EIN SCHAF?
Schlüsseltext: Lukas 15,3–7
Jesus sagte: „Wer von euch, der hundert Schafe hat und eines davon verliert, lässt nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?“
Haben Sie sich jemals gefragt: Warum hat Jesus ein Schaf gewählt?
Warum nicht einen Löwen, ein Pferd, einen Hund oder sogar einen Vogel?
Warum sagte Jesus, als er die verlorene Menschheit beschrieb: „Ihr seid wie Schafe“?
Jesus wählte seine Veranschaulichungen nie zufällig. Jedes Detail in seinen Gleichnissen enthält eine Wahrheit. Lasst uns herausfinden, warum die Verlorenen mit Schafen verglichen werden – und was das über uns, über die Sünde und über Gottes Herz aussagt.
Schafe verirren sich leicht
Im Gegensatz zu vielen anderen Tieren sind Schafe keine geborenen Navigatoren.
Sie haben keinen ausgeprägten Orientierungssinn.
Ein Schaf kann sich einfach beim Grasen verirren – Schritt für Schritt –, bis es plötzlich merkt, dass es weit von der Herde entfernt ist.
Ist es nicht genau so, wie Menschen sich geistlich verirren?
Nur sehr wenige Menschen planen, sich von Gott abzuwenden.
Niemand wacht eines Morgens auf und sagt: „Heute werde ich mein Leben ruinieren.“
Stattdessen geschieht es langsam:
Ein vernachlässigtes Gebet
Eine kompromissbereite Entscheidung
Eine ungeprüfte Gewohnheit
Eine ignorierte Überzeugung
In Jesaja 53,6 heißt es
„Wir alle sind wie Schafe in die Irre gegangen; jeder ist seinen eigenen Weg gegangen.“
Jesus sagte nicht: „Wir alle sind wie Wölfe rebelliert“ oder „wie Löwen angegriffen“.
Er sagte „wie Schafe“ – weil wir uns treiben lassen, bevor wir rebellieren.
Schafe finden allein nicht zurück
Hier ist etwas Wichtiges:
Ein verlorenes Schaf findet nicht von selbst zurück.
Ein Hund findet vielleicht den Weg nach Hause.
Ein Vogel kann zu seinem Nest zurückfliegen.
Eine Katze kehrt oft von selbst zurück.
Aber ein Schaf?
Einmal verloren, verliert es sich noch mehr.
Spirituell gesehen ist dies zutiefst wahr.
Keine Menge an:
Intelligenz
Bildung
Guten Absichten
Religiöser Aktivität
kann eine verlorene Seele ohne den Hirten retten.
Jesus sagte in Johannes 14,6:
„Ich bin der Weg.“
Er sagte nicht: „Ihr werdet irgendwann den Weg finden.“
Er sagte: „Ich bin der Weg.“
Diese Parabel lehrt uns, dass Erlösung keine Selbstrettung ist.
Sie ist göttliche Verfolgung.
Schafe sind wehrlos und verletzlich
Schafe haben:
Keine scharfen Krallen
Keine starken Zähne
Keine Geschwindigkeit, um Raubtieren zu entkommen
Ein verlorenes Schaf ist in ständiger Gefahr.
Ebenso ist eine von Gott getrennte Seele ausgesetzt:
Der Täuschung
Der Versuchung
Der Entmutigung
Der Zerstörung
Der Feind wird als brüllender Löwe beschrieben, aber wir werden niemals als Löwen beschrieben.
Wir werden als Schafe beschrieben.
Ohne Christus sind wir nicht mächtig – wir sind verletzlich.
Deshalb konnte David in Psalm 23 sagen
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“
Die Sicherheit eines Schafs liegt nicht in seiner Stärke, sondern in seinem Hirten.
Schafe erkennen die Stimme des Hirten
Jesus sagte in Johannes 10,27
„Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.“
Selbst wenn ein Schaf verloren geht, kann es immer noch auf den Ruf des Hirten reagieren.
Das ist eine Botschaft der Hoffnung.
Ein Mensch mag
weit von der Kirche entfernt sein
durch Sünde gebrochen sein
durch das Leben verwirrt sein
durch Versagen verwundet sein
Aber wenn er immer noch auf Gott hört, ist er nicht jenseits der Erlösung.
Jesus verglich die Verlorenen nicht mit wilden Tieren, die gezähmt werden müssen,
sondern mit Schafen, die gerufen, getragen und wiederhergestellt werden müssen.
Schafe sind für den Hirten wertvoll
Warum sollte ein Hirte neunundneunzig zurücklassen, um nach einem zu suchen?
Weil für den Hirten jedes einzelne Schaf wichtig ist.
Ein Schaf wird nicht gezählt – es wird erkannt.
Diese Parabel offenbart das Herz Gottes:
Er gibt das eine nicht auf
Er ersetzt das Verlorene nicht
Er sagt nicht: „Wenigstens habe ich noch neunundneunzig“
Er sucht, bis er es findet.
Und wenn er es findet, schimpft er nicht mit ihm.
Er schlägt es nicht.
Er schleppt es nicht nach Hause.
Die Bibel sagt, dass er es voller Freude auf seine Schultern nimmt.
Das ist Gnade.
Warum kein anderes Tier?
Jesus wählte nicht:
Einen Löwen (zu stark)
Einen Fuchs (zu schlau)
ein Pferd (zu unabhängig)
einen Hund (zu eigenwillig)
Er wählte ein Schaf, weil:
Schafe Führung brauchen
Schafe Schutz brauchen
Schafe Rettung brauchen
Schafe Beziehung brauchen
Und vor allem gehören Schafe zu einem Hirten.
Der Hirte, der zum Lamm wurde
Lasst uns zum Schluss diese kraftvolle Wahrheit im Gedächtnis behalten:
Der Hirte, der nach dem verlorenen Schaf sucht
wurde zum Lamm, das für die Schafe geschlachtet wurde.
Jesus hat nicht nur nach uns gesucht.
Er hat sein Leben für uns gegeben.
Ob Sie sich nun fühlen wie:
Verloren
Schwach
Treibend
Unwürdig
Seien Sie getrost.
Sie sind nicht vergessen.
Sie sind nicht entbehrlich.
Sie sind nicht unerreichbar.
Sie sind ein Schaf – und Sie haben einen Hirten.
by Jule with 1 comment